Baugebiet in Marbach-Rielingshausen Zustimmung für Neubaugebiet bröckelt

Ob am Siedlungsrand gebaut wird, scheint nicht mehr ganz sicher. Foto: Werner Kuhnle

Einige Räte in Marbach zweifeln zunehmend am Bedarf und am Standort des Areals im Stadtteil Rielingshausen. Andere warnen dagegen vor einem Millionengrab.

Der Marbacher Gemeinderat hat vor nicht einmal zwei Jahren schon einmal eine Vollbremsung bei einem Baugebiet hingelegt. An der Affalterbacher Straße hätte Wohnraum für rund 1000 Menschen entstehen sollen. Doch die Stadt konnte sich dort so gut wie kein Grundstück sichern, hätte also das Heft des Handelns nicht vollends in der Hand gehabt, sodass die Reißleine gezogen wurde. Es scheint nicht mehr völlig abwegig, dass dem seit Jahren anvisierten Neubaugebiet Keltergrund im Stadtteil Rielingshausen ein ähnliches Schicksal blüht. Denn die Zustimmung bröckelt zunehmend.

 

Der Ortschaftsrat gab am Montag zwar bei einer Enthaltung von Jochen Biesinger (CDU) grünes Licht dafür, das Bebauungsplanverfahren zu forcieren. Doch in einzelnen Wortbeiträgen war herauszuhören, dass hier und da noch Klärungsbedarf besteht. Im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats lehnten es die Grünen-Vertreter Barbara Eßlinger und Jürgen Waser sowie Puls-Mann Jochen Berger sogar ab, das Projekt voranzutreiben Zwei weitere Gremiumsmitglieder aus den Reihen von SPD und CDU enthielten sich. Lediglich fünf Räte standen voll hinter dem Neubaugebiet. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung das Pendel beim Gesamtgemeinderat ausschlägt, der in der Sache das letzte Wort hat.

Grünen-Rätin hält Gebiet für „unnötig“

Die Gründe für das plötzliche Zaudern und die Skepsis sind andere als bei dem Areal an der Affalterbacher Straße. Ein Fragezeichen wird vor allem hinter den Bedarf gesetzt. Man finde mittlerweile in Marbach und dem näheren Umkreis bei Immoscout fast 200 Häuser, die zum Verkauf stünden, betonte Barbara Eßlinger. „Ich halte es demnach für unnötig, dass wir ein Baugebiet umsetzen“, erklärte sie.

Jochen Biesinger zweifelt ebenfalls, dass die Zeit reif für ein solches Projekt mit bis zu 90 neuen Wohneinheiten sei. In Rielingshausen lasse sich ein Generationenwechsel beobachten. Viele würden deshalb auf dem Bestandsmarkt fündig. Biesinger zeigte sich zudem nicht total überzeugt davon, dass der Gemeinderat standhaft bleibt und der Verlockung widersteht, zu viele Bauplätze in einem Rutsch zu veräußern. Dabei sei es wichtig, die Infrastruktur wie die Schule nicht zu überfordern und das Areal in Abschnitten aufzusiedeln. Davon abgesehen ist der CDU-Mann mit dem Standort nicht ganz einverstanden, hätte sich eher ein Neubaugebiet westlich der Kirchberger Straße in Rielingshausen gewünscht – wofür sich die Kommune aber nicht die gewünschten Grundstücke sichern konnte.

Ganz im Gegensatz zum Keltergrund, wo die Stadt die Flächen einer früheren Gärtnerei übernommen hat dort quasi frei schalten und walten kann. Für Lothar Sondermeyer (SPD) sind angesichts dieser Konstellation die Würfel im Grunde auch schon beim Kauf gefallen. „Wenn wir jetzt die Sache zurückdrehen, dann haben wir Millionen ausgegeben und sind dafür Besitzer einer Ackerfläche“, erklärte er.

Mehr als 200 Interessenten stehen auf Liste

Bauamtsleiter Dieter Wanner warb ebenfalls dafür, nun Nägel mit Köpfen zu machen. Die Stadt könne doch steuern, wann sie die Grundstücke auf den Markt bringt. Die Liste mit zuletzt 235 Interessenten sei nicht mehr ganz aktuell, und manche darauf hätten sich wahrscheinlich zusätzlich auch andernorts beworben. Aber die Stadt müsse den Aspiranten auf einen Bauplatz doch langsam konkret sagen, wann es losgeht. Außerdem könne sich der Wind auf dem Immobilienmarkt schnell wieder drehen und die Baupreise sinken. Ortsvorsteher Jens Knittel (Freie Wähler) hielte es sogar für „unseriös“, das Ganze nach all der Vorarbeit jetzt noch abzublasen. Sieht der Gemeinderat das ebenso, soll der Bebauungsplan im nächsten Jahr verabschiedet werden.

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