Kaum ist das Wetter angenehmer geworden, und schon schwärmen Stuttgarts Spaziergänger wieder in den Stadtwald aus. Und treffen dort wieder auf Arbeiten im Forst, die zwar nicht unterbrochen wurden in den vergangenen Wochen, die aber auch noch nicht vollendet werden konnten. Die Folge sind zum Teil Einschränkungen für die Waldbesucher.
Verschmutzte Wege
Ja, durch diese Arbeiten im Holz können manche Wege sehr verschmutzt sein, bestätigt die hier zuständige Försterin Kathrin Klein vom Landeseigenbetrieb ForstBW. Dieser Weg wird dann gesperrt und hergerichtet, sobald es die Witterung erlaubt, bei Frost kann die Erde ja nicht abtransportiert werden. Und bis da wieder Splitt darauf kommt, um da laufen zu können, muss der Boden erst gut getrocknet sein. Das dauert, und es hat auch manches Gute für die Waldspaziergänger: „Über die Jahre sind aus den so genannten Rückegassen regelrechte Fußpfade geworden. Nach Möglichkeit berücksichtigen wir die, sie sind jetzt Teil des Erholungsgebiets“, sagt Klein. Freilich gibt es auch das genaue Gegenteil: Holz wird liegen gelassen auf dem Pfad. So wird er unattraktiv. „In manchen Bereichen soll der Wald aus Rücksicht auf seine Schutzfunktion gezielt beruhigt werden“, so Klein.
Baumarbeiten im Rotwildpark und bei der Uni Vaihingen
Aber wo gibt es derzeit solche Arbeiten, in welchem Wald? Ein Leser hat auf seinen Spaziergängen Informationen gesammelt: Beim Bärenschlössle gebe es solche Aktivitäten, bei der Uni Vaihingen, dem Schattenring und Schattenwald sowie im Dachswald, auch im Feuerbacher sowie im Botnanger Wald.
In dieser pauschalen Aussage kann Klein das so nicht bestätigen, von großflächigen Rodungen könne aber nicht die Rede sein. Aber gearbeitet werde da schon im Forst, freilich eher punktuell und dort im kleineren Maßstab. Im Mittelpunkt steht da zum einen der Artenschutz der tierischen Bewohner, insbesondere der Eremit, hier auch bekannt als Juchtenkäfer, so Klein. Dieser benötigt einen qualitativ guten Lebensraum. Das heißt: Wo er lebt, fühlen sich auch andere Tierarten wohl. Und das gewährleisten vor allem alte Bäume, vor allem Eichen, die 100 Jahre oder noch älter sind, die für Laien schon wie sterbende Bäume aussehen. Doch damit diese ihre Lebensfunktion noch erfüllen können, werden junge Bäume darum herum abgeholzt. Und es werden jüngere und ganz junge Bäume dafür bereitgehalten, dass sie diese Funktion später einmal wahrnehmen können. Denn die alten Eichenstämme halten natürlich auch nicht ewig stand.
Das Ziel: Ein Wald mit Mischbaumarten
Ein anderer Grund, in diesen Gebieten Bäume zu fällen, dient der Klimastabilität des Waldes. Einheimische Baumarten wie Eiche, Elsbeere, Linde oder Spitzahorn können besser mit Trockenphasen umgehen, aber sie benötigen viel Licht. Befinden sich da auch Buchen, werden die dort gefällt. Denn die wachsen schnell und nehmen so das für die anderen nötige Licht weg. Klein: „So erhalten wir einen Wald mit Mischbaumarten.“
Eine besondere Aufgabe besteht am Bärenschlössle und den Seen. „Da spielt die Waldästhetik und die Kulturhistorie eine Rolle“, so Klein. „Um die Seen etwa findet eine Ufergestaltung statt, die attraktive Sichtfenster auf den See und die Landschaft ermöglicht. Und zwischen Rotwildgehege und Bärenschlössle wurde der Königsweg, eine kulturhistorische Allee, wieder sichtbar gemacht“.
Verkehrssicherung
Und dann gibt es noch Baumarbeiten, die nichts mit diesen Aspekten zu tun haben, die aber dennoch zur Pflege des Walds und zum Wohl der Spaziergänger dienen. Es geht um die Verkehrssicherheit. „Teilweise entnehmen wir Bäume aufgrund der von ihnen ausgehenden Gefahr für Leib und Leben“, so Klein. So sind in der zweiten Februar-Hälfte Baumfällungen entlang von Wohnbebauungen und einer Straße vorgesehen. Klein: „Die Sicherheit entscheidet hier über die Entnahme von Bäumen und die Pflege eines stabilen Waldtraufs.“