Das DITF in Denkendorf stickt elektronische Schaltungen in die Tapete Die Tapete liefert der Elektroniker

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Im Smart Home der Zukunft gibt es womöglich keine Lichtschalter mehr, dafür aber intelligente Tapeten. Wie man die nötigen Schaltelemente und Sensoren in die Raufaser einbaut und vernetzt, das wird zur Zeit in Denkendorf erforscht.

Sebastian Micus und Michael Haupt (rechts) erforschen verschiedene Schaltelemente, die auf Textilien gestickt sind. Foto:  
Sebastian Micus und Michael Haupt (rechts) erforschen verschiedene Schaltelemente, die auf Textilien gestickt sind. Foto:  

Denkendorf - Bald muss zum Tapetenwechsel nicht mehr der Malermeister anrücken, sondern der Elektroniker. Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf entwickeln die nächsten drei Jahre lang Tapeten, in die ein Teil der Hauselektrik integriert sein wird.

Michael Haupt, der Bereichsleiter für E-Textilien, Automatisierung und Schalltechnik hat das Projekt am 1. Juli gestartet, und dementsprechend sind die Forscher auch noch in der Findungsphase. Was sollen die Tapeten können, und warum braucht man in einem Haushalt denn überhaupt eine intelligente Tapete, wenn schon heute Künstliche Intelligenzen vom Schlage einer Alexa etliche Geräte steuern können?

Michael Haupt hat drei Kinder und weiß, dass die Künstliche Intelligenz bald an ihre Grenzen kommt, wenn alle drei etwas anderes von Alexa wollen. Ebenso funktionierten viele Steuerungen über Funk, und der sei nun mal anfällig für Störungen.

Tapeten sind weniger anfällig als Funk

Eine Tapete ist das eher nicht. Sie klebt ruhig an der Wand und wartet darauf, dass man sie bedient. In ihren Fußleisten sitzen die nötigen Drähte, mit denen Tapetenbahnen vernetzt sind. Einfache, zu­verlässige Technik wollen die Denkendorfer schaffen. Wie sie aussehen kann, de­mons­triert Sebastian Micus, der das Projekt leitet. Die Denkendorfer können nicht nur elektrische Spulen in den Stoff sticken, sie können auch Sensoren darin einbauen. Er drückt mit dem Finger auf ein Feld aus grauem Stickmuster, der Sensor erkennt, dass sich die elektrische Umgebung ändert, und lässt verschiedene Leuchtdioden blinken. Ebenso wollen die Forscher der DITF optische Sensoren in die Tapeten einbauen, um den Lichtschalter nicht auf Druck, sondern mit Bewegungen, etwa mit einer bestimmten Geste, zu steuern.

Ein blauer Kringel mit Leuchtbalken

Im Vorraum ihrer Büros haben die Wissenschaftler verschiedene Versuchsanordnungen aufgebaut. Ein blauer Kringel an einem Tuch schaltet einen blauen Leuchtbalken ein, ein grauer gestickter Kreis kann den Druck messen, der auf ihn ausgeübt wird. Neben der Eleganz der Technik spielt auch ein gewisser Sicherheitsaspekt eine Rolle. Schließlich liegen an einem herkömmlichen Lichtschalter 230 Volt an, und bei einem Defekt oder leichtsinniger Behandlung kann man einen ordentlichen elektrischen Schlag bekommen. Die intelligenten Tapeten arbeiten nur im Niedervoltbereich.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 4,4 Millionen Euro. Das Projekt nennt sich Con Text, das Forschungsziel sind intelligente textile Oberflächen für das Smarthome. In drei Jahren soll das Projekt abgeschlossen sein. In einer Versuchswohnung wird dann getestet worden sein, dass auch eine ganze Kinderschar keinen Unsinn mit den Schaltelementen anstellen kann.