Bena-Bena-Verein aus Baltmannsweiler Wie ein Antrieb aus Esslingen ein Auto in Gambia zum Fahren bringt

Das Gasolen-Projekt gibt Jugendlichen in Gambia eine Zukunftsperspektive. Foto:  

Seit ein paar Monaten fährt in einem kleinen Dorf in Gambia ein Fahrzeug mit Solarenergie. An der Idee mitgearbeitet hat die Hochschule Esslingen und der „Bena-Bena“-Verein aus Baltmannsweiler.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Bis man in Gambia von einem Dorf zum anderen kommt, kann es schon mal etwas länger dauern. Asphaltierte Straßen sucht man oft vergeblich im kleinsten Land Afrikas. Vielmehr führen die Wege über Sand und Schutt. Dass fahrtüchtige Autos fehlen und die Bewohner oft tagelang auf Treibstoff warten, erschwert den Straßenverkehr zusätzlich. Motoraustausch unterm Mangobaum? Keine Seltenheit. Ein Elektroantrieb, hergestellt aus im Land verfügbaren Altteilen soll die Situation verbessern. Entwickelt wurde er von dem Gambier Mora Saho, Klaus Wiesler aus Baltmannsweiler und Studierenden aus der Region.

 

„Als Mora das erste Mal mit seiner Skizze zu mir kam und sagte, so etwas will ich in meinem Heimatland bauen, sagte ich, das ist verrückt – dann war ich dabei“, erzählt Klaus Wiesler. Dass sich die Wege des Tüftlers aus Gambia und des Automobilingenieurs aus Baltmannsweiler kreuzten, haben sie seiner Frau, Marion Wiesler, zu verdanken. Im Juni 2015 entschied sie sich für ein Ehrenamt in der Sprachhilfe für Geflüchtete. Durch Zufall lernte sie dann den heute 37-jährigen Mora Saho kennen. Durch die offene und herzliche Art der Gambier habe sich schnell eine Freundschaft entwickelt – auch zum Ehemann. Die beiden halfen Saho etwa bei Behördengängen und der Suche nach Arbeit.

Erste Reise nach Gambia

„Er wurde Teil unserer Familie, und gleichzeitig wuchs unser Interesse an seinem Heimatland“, sagt Wiesler. Fünf Jahre nach dem Kennenlernen besuchten die beiden die Familie des Gambiers, die er in seinem Heimatland zurückgelassen hat. Das Ehepaar tauschte sich mit den Bewohnern des Dorfes Kitty, in dem Sahos Frau und seine sieben Kinder leben, aus. Sie besuchten die Schule im Ort und beschäftigten sich mit den Kindern. Schnell fiel ihnen auf: Es mangelt an allem – und sie fragten sich: Wie können wir den Kindern in Kitty am besten helfen?

Im März 2021 gründeten sie deshalb den Verein „Bena Bena – The Gambia“ mit aktuell 20 Mitgliedern. Im Fokus der Vereinsarbeit: die Kinder beim Lernen unterstützen, aber auch generelle Hilfe durch Sach- und Essensspenden. Seit drei Jahren findet nun regelmäßiger Zusatzunterricht im Dorf statt. Hinzu kommen ein Brunnenprojekt für fließendes Wasser, ein Container mit Werkstattausstattung und vieles mehr. Doch dem Ehepaar gehe es nicht darum, „den Gambiern etwas überzustülpen“, sagt Wiesler. Vielmehr gehe es darum, nachhaltig zu unterstützen – mit „Mitteln, die es vor Ort gibt, und so, dass es die Jugendlichen alleine können.“ Auf diese Weise entstand auch das Projekt Gambia Solar Energy (Gasolen).

Lange habe Saho davon geträumt, ein Fahrzeug aus Altteilen und angetrieben durch Sonnenenergie herzustellen – beides Dinge, die es in einem der ärmsten Länder der Welt reichlich gebe, erzählt Wiesler, der lange in der Automobilbranche gearbeitet hat. Erst habe er Saho für verrückt gehalten, dann habe er die Hochschule Esslingen kontaktiert und sie nach einer Zusammenarbeit gefragt. Es entstand ein Team aus Studierenden und Professoren der Esslinger Hochschule, der Hochschule der Medien in Stuttgart und dem Verein. Mithilfe von Gasolen sollen die Mobilitätsherausforderungen in Entwicklungsländern angegangen werden. Denn dort sei die Abhängigkeit von Gebrauchtfahrzeugen aus Europa, die von Verbrennungsmotoren angetrieben werden, besonders hoch. Das führe zu hohen Emissionen, steigenden Kraftstoffpreise und fehlenden Ersatzteile , erklärt Wiesler. Zusammen entwickelte das Team einen Prototypen mit Elektroantrieb.

Mora Saho kehrt zu seiner Familie zurück

Mit verschiedenen Fördermitteln konnte in Kitty eine Werkstatt aufgebaut werden – koordiniert von Saho, der seit seiner Jugend in der Werkstatt seines Vaters mitgeholfen hat. Dadurch konnte er vor etwa einem Jahr nach Gambia zurückkehren. Jetzt erklärt er Jugendlichen das Bauen von Fahrzeugen und tüftelt mit ihnen an Ideen. Marion und Klaus Wiesler unterstützen von Deutschland aus und fliegen ein- bis zweimal im Jahr an die Westküste Afrikas. In der Werkstatt entstand neben dem „außergewöhnliches Dreirad mit alten Mopedteilen“, wie Wiesler das Fahrzeug nennt, auch andere nützliche Erfindungen, die mithilfe von Sonnenenergie den Bewohnern in Kitty eine Perspektive geben sollen.

„Eine weitere Erfolgsgeschichte ist unsere Waschmaschine“, blickt Wiesler zurück. Weil die Frauen im Dorf viele Stunden am Tag mit Waschen beschäftigt waren, hatte der Bena-Bena-Verein die Idee, eine Waschmaschine mit Solarenergie zu betreiben. Dadurch können die Frauen einer anderen Arbeit nachgehen und sich weiterbilden.

Im Mai geht es für das Ehepaar wieder nach Kitty. Dann wollen sie an der Idee, dass ein Solarmobil Wäsche aus Hotels und anderen Betrieben einsammelt, weiterarbeiten.

Nachhaltige Unterstützung

Projekt Gasolen
 Das Land Baden-Württemberg unterstützt „Gambia Solar Energy“ (Gasolen) im Rahmen des Projektes „Solarenergetisch betriebenes Antriebskonzept als Basis für die Ausbildung junger Gambianer“ (bwirkt) mit finanziellen Fördermitteln, ebenso die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit (Sez). Mitgewirkt haben auch die Hochschule Esslingen und die Hochschule der Medien in Stuttgart. Studierende haben für den Gambischen Markt ein Antriebssystem für ein solarbetriebenes Fahrzeug entwickelt. Das System kann in unterschiedlichste Fahrzeuge eingebaut werden, sodass es für jedermann bezahlbar und eine nachhaltige Lösung im Straßenverkehr ist. Unterstützt wurden sie dabei von Professoren. Das Team wurde mit dem Prototypen bereits auf verschiedene internationale Konferenzen eingeladen, unter anderem zum Impact Festival und zur Internationalen Automobil-Ausstellung.

Bena-Bena – The Gambia
 Mit Kuchenverkauf und anderen Aktionen sammelt der Verein Spenden. Wer „Bena-Bena“ unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter: www.bena-bena.de .

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