Berufsschulen in Stuttgart Besonderes Angebot als Eintrittskarte für spätere Lehrstelle

Eine berufliche Perspektive mit Zukunft: hochwertige Oldtimer lackieren, wie hier bei einer Meisterprüfung. Foto: Schule für Farbe und Gestaltung/Felix Winkler

Vom Fahrzeuglackierer bis zur Mediengestalterin: Sieben Berufsschulen in Stuttgart bieten jungen Leuten eine Perspektive.

Nach ihrem Erfolg beim ersten Durchgang und zahlreichen Anfragen wollen sieben gewerbliche Schulen in Stuttgart ihr besonderes Angebot wiederholen. Sie bieten jungen Schulabgängern zum kommenden Schuljahr ausnahmsweise auch ohne Vorvertrag einen Ausbildungsplatz an ihren einjährigen Berufsfachschulen an. Hintergrund für die Aktion sei die wirtschaftlich veränderte Lage vieler Betriebe in Coronazeiten mit der Folge, dass diese kaum noch Praktika angeboten hätten, sagt Felix Winkler, Geschäftsführender Leiter der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Schulen in Stuttgart. „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin angespannt.“

 

Winkler hatte die Aktion vor einem Jahr zusammen mit seinen Schulleiterkollegen angezettelt, um Schulabgängern eine Perspektive zu bieten. Von den ursprünglich 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern habe man mittlerweile 80 von ihnen in eine Ausbildung gebracht. „Das ist eine gute Quote, ein Erfolg“, meint Felix Winkler. „Die hatten halt das Pech gehabt, dass sie in der Coronazeit keinen Betrieb finden konnten – für die hat sich das schon gelohnt.“ 20 bis 30 weitere Schüler seien noch auf der Suche nach einem Betrieb, und rund 60 Teilnehmer hätten abgebrochen. Meist, weil sie noch nicht so weit seien oder weil der Beruf für sie nicht geeignet sei und ihnen die Motivation dafür fehlte. Ihnen habe man nahegelegt, dass sie ihren Schulplatz freimachen, sagt Winkler.

„Die Orientierungslosigkeit hat in Coronazeiten zugenommen“

„Die Orientierungslosigkeit hat in Coronazeiten noch mal zugenommen“, hat der Schulleiter beobachtet, auch an seiner Schule für Farbe und Gestaltung. Einige zockten, seien internetsüchtig, doch dann fehle ihnen meist die Ausbildungsreife. „Bis Weihnachten muss klar sein, ob er oder sie es durchhält“, meint Winkler. Allerdings seien auch gerade die heutigen Jugendlichen stark tangiert – „erst Corona, dann der Krieg“. Viele hätten Angst vor der Zukunft. Und gerade deshalb müsse man ihnen ein niedrigschwelliges Angebot machen, findet der Pädagoge.

Die einjährigen Berufsfachschulen seien praktisch die Eintrittskarte für eine zukünftige Ausbildung. Allerdings sei dies mit denselben Maßstäben und Erwartungen an Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Motivation verknüpft wie im Ausbildungsbereich. In der Vollzeitschule seien zwei Tage pro Woche fachpraktischer Unterricht in den Werkstätten und alle 14 Tage ein Tag als Betriebspraktikum vorgesehen. Das Spektrum der Ausbildungsberufe ist breit: Fahrzeuglackierer*in (Schule für Farbe und Gestaltung), Informationselektriker*in (it.schule), Kfz-Mechatroniker*in (Wilhelm-Maybach-Schule), Tischler*in, Glaser*in (Schule für Holztechnik), Friseur*in (Gewerbliche Schule im Hoppenlau), Mediengestalter*in, Fotograf*in (Johannes-Gutenberg-Schule), Fliesenleger*in, Maurer*in, Zimmerer*in (Steinbeisschule). Ziel sei, dass die Schüler im Lauf des Jahres doch noch einen Ausbildungsplatz finden. Bei gutem Abschluss erkennen die Betriebe es als erstes Ausbildungsjahr an.

Weitere Themen