Zurzeit gibt es keine Livemusik im Kornwestheimer Biergarten, weil die Bedingungen streng sind – und einmal das Ende überzogen wurde. Stadträte wollen die Regeln weiter fassen.

Der Kornwestheimer Gemeinderat wird demnächst über den Hirschgarten debattieren. Dann werden Fragen zu klären sein wie: Dürfen Bands dort auch nach 20 Uhr spielen? Und dürfen die Künstler Mikrofone benutzen? Die Verwaltung und die Stadträte müssen dann eine Entscheidung treffen, die möglichst dem Betreiber, den Anwohnern und der Innenstadtbelebung gerecht wird.

Der Betreiber des Hirschgartens, Mitko Pelovski, darf laut seinem aktuellen Vertrag zweimal im Monat Livemusik anbieten – und zwar zwischen 16 und 20 Uhr, jedoch ohne Verstärker. Als er vor Kurzem eine Band bis etwa 20.30 Uhr spielen ließ, beschwerte sich jemand aus der Nachbarschaft bei der Stadt. Seither kommen keine Bands mehr in den Hirschgarten. Zwar dürfte Pelovksi weiterhin Veranstaltungen ohne Verstärker durchführen, aber laut seiner Schilderung will keine Band ohne Mikrofon auftreten, weil dann nur ein Teil der Gäste die Musik hören kann. Somit ist es dort zurzeit komplett still.

Stadträte fordern eine Lösung

Das mag zwar Ruhe bringen, kommt aber nicht überall gut an. „Der Pächter belebt mit diesen Veranstaltungen die Stadt, und dann wird ihm so in die Parade gefahren“, sagt etwa der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä. Er werde sich bei den anstehenden Beratungen im Gemeinderat für den Hirschgarten einsetzen. Der gleiche Tenor ist bei den anderen Fraktionsvorsitzenden zu hören. So sagt Thomas Ulmer (Grüne): „Da muss eine Lösung her, wir müssen den Hirschgarten erhalten.“ Der Biergarten sei essenziell für eine belebte Innenstadt, ohne ihn gehe es nicht. Hans-Michael Gritz (SPD) wohnt selbst nicht weit entfernt vom Hirschgarten und hat die Musik immer gehört, wie er erklärt. „Wir müssen natürlich Rücksicht nehmen auf die Leute, die näher dran wohnen“, sagt er, „aber wenn dort bis 21 Uhr Musik laufen würde, würde ich das für erträglich halten.“

Ender Engin (FDP) gibt zu bedenken, dass die Probleme der einzelnen Bürger gehört werden müssten. Aber dann müsse man abwägen, das Gesamtbild sehen und für das Allgemeinwohl entscheiden. „Der Hirschgarten ist einmalig in Kornwestheim“, sagt Engin, „man muss dem Pächter die Chance geben, etwas daraus zu machen.“ Gabi Walker (Freie Wähler) plädiert sogar dafür, dass der Hirschgarten insgesamt länger öffnen darf – und auf jeden Fall länger Musik spielen. „Wenn wir jetzt nach Corona noch Gastronomen haben, die sich bemühen und die Gesellschaft aufrecht erhalten, müssen wir sie fördern, wo es geht“, sagt sie.

Anwohner urteilen unterschiedlich

Die Kornwestheimer Stadtverwaltung hält den Hirschgarten ebenfalls für wichtig, will die Anwohner aber nicht aus dem Blick verlieren. Unsere Redaktion hat mit einer Anwohnerin gesprochen, die Beschwerde eingereicht hatte, als die Musik kürzlich bis 20.30 Uhr lief. Sie möchte ihren Namen und ihre Meinung aber nicht in der Zeitung lesen. Eine andere Anwohnerin, die kontaktiert wurde, steht der Musik indes positiv gegenüber. „Ein bisschen Kultur gehört eben dazu“, sagt sie, „solange es nicht jeden Tag bis in die Puppen laut ist, stört mich das nicht.“ Sie höre die Veranstaltungen im Hirschgarten genauso wie zum Beispiel die „Kornwestheim rockt“-Konzerte auf dem Marktplatz. Was kein Wunder sei. „Hier am Bahnhof kriegt man eben viel mit“, sagt sie.