Besen in Kornwestheim Wenn das Wohnzimmer zur Gaststube wird
Zweimal im Jahr beginnt bei Christa und Edgar Schaile in Kornwestheim das große Räumen. Dann entsteht im Erdgeschoss eine Besenwirtschaft.
Zweimal im Jahr beginnt bei Christa und Edgar Schaile in Kornwestheim das große Räumen. Dann entsteht im Erdgeschoss eine Besenwirtschaft.
Nur ein einziger Gegenstand deutet darauf hin, dass das Wohnzimmer von Christa und Edgar Schaile kein gewöhnliches ist. In ihrem Haus in der Jägerstraße in Kornwestheim hängt ein Reisigbesen an der Decke. Das ist kein Zufall, denn zweimal im Jahr verwandelt sich die gute Stube des Paares in eine Wirtschaft auf Zeit.
Bei den Kornwestheimern ist Schailes Besen schon lange kein Geheimtipp mehr. Dass es dort schmackhafte schwäbische Spezialitäten gibt, hat sich herumgesprochen. Die Wirtschaft geht mittlerweile ins 24. Jahr. Rund 52 000 Besucher hat Christa Schaile im Laufe der Jahre gezählt.
Bei der Familie hat der Besen Tradition. Schon der Vater von Edgar Schaile hatte in Hochberg einen solchen betrieben. Aufgewachsen ist der Besenwirt allerdings in Kornwestheim. Dort kaufte er 1983 das Haus in der Jägerstraße und legte im Jahr 1998 zusammen mit seiner Frau mit der Besenwirtschaft los.
Zweimal drei Wochen im Jahr, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst, findet das große Räumen statt. Außer der gemütlichen Eckbank, dem Hängeregal mit den Lurchi-Figuren der Firma Salamander und dem großen Aquarium muss alles raus. Sofa, Sessel, Schränke und Bilder müssen in Keller und Garage verfrachtet werden. Eine Woche Vorbereitung, eine Woche Nachbereitung: Um das Wohn- und Esszimmer der Schailes für die Gäste zu richten und hinterher wieder den alten Zustand herzustellen, ist Schwerstarbeit vonnöten. Daher packen die Kumpels von der Feuerwehr mit an.
Weil die Küche zu beengt war, mussten die Schailes allerdings anbauen. Dort, wo früher eine Terrasse war, ist nun genügend Platz zum Vorbereiten der Getränke und Mahlzeiten.
Oft hat das Paar in all der Zeit nicht an seiner Speisekarte gefeilt. Der Feinblechner im Ruhestand und die frühere Buchhalterin setzen auf Bewährtes. „Die Leute kommen wegen des Sauerkrauts, nicht wegen irgendwelchen Schnickschnacks“, bringt es Christa Schaile auf den Punkt. Nur mittwochs und donnerstags gibt es Schälripple mit Brot, nur sonntags Maultaschen mit Kartoffelsalat. „Wir machen alles selbst“, betont Edgar Schaile, der das Kochen übernimmt.
Der ausgeschenkte Rot-, Weiß- und Roséwein kommt nach wie vor aus dem familieneigenen Wengert. Zwischen Poppenweiler und Neckarweihingen wird er in acht Weinbergen angebaut und von den Schailes in Kornwestheim produziert. Wegen der Pandemie musste der Besen pausieren. Daher ist der Keller gut gefüllt, und die Gäste müssen nicht befürchten, dass der Vorrat schnell zur Neige gehen wird.
Sohn Stefan, der nicht nur in der Jägerstraße hilft, betreibt seit zwei Jahren mit seiner Frau Susanne sogar noch einen eigenen Besen in der Stadt, im Keller seines Hauses in der Dinkelgarbe 3. Wenn es nach seinen Eltern geht, wird er auch den in der Jägerstraße eines Tages übernehmen. Aber noch ist es nicht so weit, denn der 74-jährige Rentner und seine 72-jährige Frau denken bislang nicht ans Aufhören.
Aus Altersgründen haben die Schailes allerdings die Öffnungszeiten heruntergeschraubt. Montag und Dienstag ist Ruhetag. Am Mittwoch und Donnerstag geht es um 16 Uhr los, Freitag bis Sonntag um 12 Uhr.
Das nächste Mal öffnet Schailes Besen, Jägerstraße 56 in Kornwestheim, voraussichtlich am Mittwoch, 1. März. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.schailesbesen.de.