„Mit dem Antrag wollte ich solange warten, bis ich einen Mercedes 600 für die Hochzeit gefunden hatte“, erzählt der der stadtbekannte Klubbetreiber: „Leider hat das dann eineinhalb Jahre gedauert.“ Das gute Stück wurde in Marbella ausfindig gemacht, Baujahr 1965, in beige. Ein Bankier ist der Vorbesitzer gewesen.
Abenteuerlicher gestaltete sich in München der Kauf eines Mercedes 600, V 12 W 140, Baujahr 1992. Die nicht zu Späßen aufgelegten kasachischen Besitzer und das Fahrzeug mit den verdunkelten Scheiben sahen für Yusuf Oksaz schon verdächtig nach Ost-Mafia aus. Gelohnt habe sich die Anschaffung dennoch, sagt er: „An dem Fahrzeug habe ich immer noch viel Freude.“
Auf Tour mit Onkel Osman
Es ist eine von vielen Episoden aus dem Autoleben des Herrn Oksaz, den alle nur Yusuf nennen. Geboren in Stuttgart, wo der Vater als einer der ersten türkischen „Gastarbeiter“und die Mutter sich etwas aufbauen, für eine behütete Kindheit sorgen. Gutbürgerlich. Wenn da nicht Onkel Osman gewesen wäre. Der jüngere Bruder des Vaters hat einen Narren am Neffen gefressen, will ihn ständig in seiner Nähe haben.
Die vielen gemeinsamen Unternehmungen folgen dabei einem Muster. Auf der Fahrt im orangefarbenen BMW 2002 TII bringt der Onkel dem vierjährigen Yusuf die Automarken bei. Innerhalb kurzer Zeit erkannte der alle Fahrzeuge. „Auch die ganz ausgefallenen“, wie der heute 53-Jährige erzählt und dabei lacht. Die ganz besonderen Modelle bekommt er im Rotlichtviertel zu sehen, wo es den Onkel nicht nur wegen der Autos regelmäßig hinzieht. Die Barbesuche verkürzt sich der kleine Yusuf am Flipper.
Die gemeinsame Sache wird rigoros beendet, nachdem die Eltern davon erfahren, dass es nicht – wie angekündigt – auf den Spielplatz geht. „Irgendwann wurde das Ausgehverbot zum Glück wieder aufgehoben“, so Yusuf Oksaz zur Entstehungsgeschichte seiner Autoleidenschaft.
Zum Beruf wollte er diese aber nie machen, weil er nach einer Ausbildung im Hotel Graf Zeppelin schnell in der Gastronomie Fuß gefasst hatte.
In der Stuttgarter Klubszene ist Yusuf Oksaz als Besitzer der Nachtschwärmerläden, Dilayla, Romy S. und Mrs. Jones schon lange eine feste Größe. Dazu noch diese Schmuckstücke, mit denen er vorfährt. Heute ist es ein Mercedes 300 SE Coupé, Baujahr 1966. „Alumotor, luftgefedert, vier Scheibenbremsen serienmäßig. Tunisbeige Metallic, Farbnummer 462“, so die weiteren Informationen vom Experten. Dieser Wagen ist für ihn Erinnerung an einen Notverkauf aus frühen Tagen, den er in der identischen Farbe und Ausführung besaß. Die Nostalgieanschaffung wird bei einem Veteranen des schweizerischen Autohandels am Zürichsee abgewickelt, bei dem der Stuttgarter Autojäger und -Sammler zuvor schon einen 300 SEL 6,3 erstanden hatte.
Begnadete Schrauber
Nicht nur die Oldtimer von Yusuf Oksaz, auch die Truckerkappe und seine zu einem langen Zopf gebundenen Haare haben einen hohen Wiedererkennungseffekt. So wie einst bei Hop Sing, dem chinesischen Koch in der TV-Western Serie Bonanza aus den 60er- und 70er-Jahren. Diese Epoche ist für ihn auch ein wichtiger Bezugspunkt. Wie man auch an der Einrichtung seiner Klubs ablesen kann. Dazu die Autos, zu denen neben den bevorzugten Mercedes-Modellen auch einer der ersten Japan-Importe in Deutschland gehört: der Honda N 600. Zwei Porsche und ein Autobianchi A 112 schlagen auch noch aus der Marken-Art.
Wie viele Exemplare seine Sammlung insgesamt zählt, will der Clubbetreiber nicht verraten, nur so viel: „90 Prozent sind fahrbereit.“ Dafür sorgt Yusuf Oksaz selbst und sein guter Kumpel Uwe Hartmann, ein Kfz-Meister. Und dann gibt es noch die Werkstatt ihres Vertrauens in Althengstett: Fuhrmann und Schulze. „Zwei begnadete Schrauber“, sagt der besondere Kunde, dessen elfjähriger Sohn und die zwei Jahre ältere Tochter auch schon einen V 8 von einem V 12 unterscheiden können.
„Form, Technik, Fahrspaß, Lebensgefühl“, das ist die Antwort auf die Frage, was den Reiz des professionell betriebenen Hobbys für den Oldtimer-Entdecker ausmacht. „Und die Überraschungen“, sagt er und erzählt von einem Mercedes 450 SEL 6.9, dessen Geheimnis erst nach dem Kauf gelüftet wurde: ein von AMG getunter Motor. Und dann schwärmt er mit einer solchen Hingabe von dessen „kalten Kerzen“, dass es nicht mehr verwundern kann, wenn solche Kerzen den Weihnachtsbaum im Hause Oksaz schmücken würden.