Gastronomie im Rems-Murr-Kreis Kaffeeduft und Dolce Vita in Waiblingen

Sebastiano Pilu betreibt sein Caffè Pilu seit 2018, die Rösterei gibt es sogar schon seit 2016. Foto: Frank Eppler

In der Waiblinger Altstadt findet sich das Caffè Pilu. Inhaber Sebastiano Pilu liebt, was er tut – und bereitet derzeit eine Neuerung vor, die viele Waiblinger freuen dürfte.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

„Ciao“, tönt es herzlich von hinter der Theke. Sebastiano Pilu ist wie immer bester Laune, der Duft von frisch zubereitetem Espresso liegt in der Luft. Draußen scheint die Spätsommersonne, und die wenigen Plätze vor dem Caffè Pilu in Waiblingen sind gut belegt. Viele, die herkommen und einen Cappuccino schlürfen oder sich mit teils kiloweise frisch geröstetem Kaffee eindecken, sind Stammkunden. Manche kommen aus Waiblingen, andere nehmen deutlich längere Fahrten auf sich. „Kaffee bringt die Leute zusammen, er verbindet sie miteinander“, freut sich Pilu.

 

Der 49-Jährige lebt in Nellmersbach, er ist in der italienischen Provinz Salerno groß geworden. Als er dort mit 16 Jahren begann, in einer Bar zu arbeiten, hatte er zum ersten Mal Kontakt mit professioneller Kaffeezubereitung. „Aber richtig auf das Produkt scharf geworden bin ich erst hier in Deutschland“, erzählt er. „Es fasziniert mich, dass Kaffee so vielseitig ist, je nachdem wie man ihn röstet und zubereitet.“ Um das Jahr 2015 kaufte er sich eine kleinere Röstmaschine, machte eine Zertifizierung als Barista. Bald darauf begann er im Waiblinger Stadtteil Bittenfeld mit dem Rösten – noch heute trägt eine seiner Sorten den Namen „71336“, die Postleitzahl Bittenfelds. Pilus Kaffee war so erfolgreich, dass er bald größere Räume brauchte: Inzwischen röstet er in Hegnach.

Seit dem Jahr 2018 gibt es das Café in der Langen Straße in der Waiblinger Stadtmitte. Sitzplätze gibt es hier nur draußen. Vor Corona konnten sich Gäste auch ins Innere setzen – da das Café während der Pandemie sein Sortiment erweiterte und einen Onlineshop einrichtete, brauchte es den Platz im Inneren. Die Gäste stört die Frischluft nicht: Bei gutem Wetter genießen sie die Sonne, bei kühleren Temperaturen kuscheln sie sich in die bereitgelegten Decken und wärmen sich mit einer der heißen Kaffeespezialitäten auf.

Neben Kaffee gibt es im Pilu auch Gebäck und Spirituosen

Derer gibt es im Pilu etliche. Regalweise bietet Pilu, von seinen Gästen nur liebevoll Sebastiano genannt, seine Auswahl an verschiedenen Sorten und Röstungen an. Dass in seinem Kaffee jede Menge Herzblut steckt, sieht man schon den Packungen an: Ein Foto seiner Frau Nicole ziert die Sorte „Primadonna“, auch seinen beiden Kindern hat Pilu eine Sorte gewidmet. Und wer sich die weiteren Sorten ansieht, entdeckt auch weitere Teile der Familiengeschichte: „Mario ist mein Papa, er ist auch auf der Sorte Espresso Boys zu sehen“, verrät Pilu. Der Name rührt allerdings von seiner eigenen Clique her. Und auch Pilus Mutter Maddalena ist auf einem Espresso mit hohem Arabica-Anteil verewigt.

Seit einiger Zeit setzt Pilu auch vermehrt auf Specialty Coffees – also Sorten, die von ausgebildeten Spezialisten mit mindestens 80 von 100 möglichen Punkten bewertet und prämiert worden sind. Oft kommen diese von kleineren, ausgesuchten Plantagen, die nur kleine Chargen im Jahr produzieren. Massenware werden diese Spezialitäten aber auch aus einem Grund nicht unbedingt: „Man muss schon ein bisschen kämpfen, um solche Produkte verständlich zu machen. Viele Leute probieren nicht gerne etwas Neues aus“, sagt der Barista.

Sebastiano Pilu ist niemand, der sich auf Erreichtem ausruht. Zum Kaffee sind im Lauf der Zeit Gebäck, im Herbst und Winter auch Schokolade gekommen, zudem verkauft er Spirituosen. „Der Limoncello, Grappa und der Gin kommen aus der Brennerei eines Freundes in Trento, der europaweit auf dem Markt ist“, erklärt Pilu. Während der Pandemie kam er nicht darum herum, sein Produktpalette zu erweitern und auch die Lieferungen an Firmen auszubauen. „Wir wussten ja nicht, was uns erwartet – und mit Hinsitzen und einen Espresso trinken war ja nichts mehr.“ Seitdem gibt es auch den Onlineshop.

Dieser wird nicht die letzte Neuerung gewesen sein: „Ich mache bald in der neuen Markthalle in Waiblingen ein weiteres, kleines Café auf“, verrät Pilu. Er habe sich dort rund 18 Quadratmeter ergattern können, die er vor allem für den Ausschank an Stehtische nutzen will. Vermutlich im Dezember wird es dort losgehen. Wenn sich der Trubel dort erst einmal gelegt hat, würde Pilu gern mal wieder verreisen: „Ich habe schon mehrere Einladungen zur Besichtigung von Kaffeeplantagen, die ich bislang ausschlagen musste.“

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