Bettina Wilhelm im Interview „Die Bürger sind Experten ihrer eigenen Situation“

Von Thomas Braun und Wolfgang Schultz-Braunschmidt 

Sie ist Erste Bürgermeisterin in Schwäbisch Hall und parteilos: Bettina Wilhelm will für die SPD den Chefsessel im Stuttgarter Rathaus erobern.

Bettina Wilhelm will für die SPD den OB-Sessel im Rathaus erobern. Foto: Steinert
Bettina Wilhelm will für die SPD den OB-Sessel im Rathaus erobern. Foto: Steinert
Stuttgart Die Erste Bürgermeisterin von Schwäbisch Hall kann eine zwölfjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik vorweisen. Um den OB-Wahlkampf in Stuttgart bestreiten zu können, nimmt die 47-Jährige ihren Jahresurlaub.
Frau Wilhelm, Sie treten als parteilose Kandidatin für die SPD an. Warum nicht für die Freien Wähler?
Viele meiner Inhalte decken sich mit denen der SPD. Ich habe ein soziales Profil, das gut in die SPD passt. Und ich erhalte von der Partei große Unterstützung.

Was hat Sie denn bis jetzt davon abgehalten, in die SPD einzutreten?
Das habe ich mich auch schon oft gefragt, weil ich schon lange politisch, aber nie parteipolitisch tätig bin. Ich habe es wohl nicht getan, weil ich nicht von außen zu eng festgelegt werden möchte. Als Tochter einer Unternehmerfamilie habe ich auch keine sozialdemokratischen Wurzeln.

Gibt es auch Inhalte bei der SPD, hinter denen Sie nicht stehen?
Stuttgart 21, das die Stuttgarter SPD gespalten hat, ist sicherlich so ein Thema. Beim Thema Stadtwerke muss man noch abwarten, wie sich das entwickelt. Ich bin auf jeden Fall für eine möglichst umfängliche kommunale Daseinsvorsorge. Im Einzelfall können sich sicher Unterschiede ergeben. Aber die SPD erwartet auch keine totale Deckungsgleichheit.

Für die SPD war Ihre Kandidatur ja nur Liebe auf den zweiten Blick. Fühlt man sich da nicht als eine Art Notnagel? Wie ist die Kür denn abgelaufen?
Ich habe die Fühler in mir bekannte SPD-Kreise ausgestreckt und Gespräche geführt. Wer wann mit wem gesprochen oder telefoniert hat, ist heute unerheblich. Spannend wurde das Thema für mich in dem Moment, als OB Schuster erklärte, dass er nicht mehr antritt. Von diesem Moment an habe ich alles intensiv verfolgt und abgewartet, was die CDU macht. Wenn die einen anderen Kandidaten oder eine Kandidatin mit einem ähnlichen Profil wie meinem aufgestellt hätte, dann hätte ich es mir vielleicht anders überlegt. Ich bin niemand, die ihren Hut einfach in den Ring wirft. Ich überlege, bevor ich etwas tue. Nachdem Kuhn und Turner im Rennen waren, war für mich klar, dass ich eine Chance habe.

Hätten Sie vor einem CDU-Kandidaten Renner mehr Muffensausen gehabt?
Muffensausen? Nein, überhaupt nicht. Es kommt bei einer OB-Wahl ja auch auf das Profil an. Mit meinem sozialen Profil habe ich in Stuttgart gute Chancen. Herr Renner hätte die sozialen Themen natürlich mehr abgedeckt als der Herr Turner.