Bettwanzen Blutsauger breiten sich rasant aus

Von /dpa 

Lange waren Bettwanzen nur ein Mitbringsel aus fernen Urlaubsorten. Doch inzwischen finden sich die Tiere in vielen Wohnungen und breiten sich von dort aus. Das Problem: Man kann sich kaum schützen, und die Bekämpfung ist aufwendig.

Die Bett- oder Hauswanze (Cimex lectularius) gehört zur Familie der Plattwanzen. Sie leben in den Schlafplätzen von warmblütigen Lebewesen wie dem Menschen und ernähren sich von deren Blut. Foto: Wikipedia commons/AJC1/CC BY-SA 2.0 7 Bilder
Die Bett- oder Hauswanze (Cimex lectularius) gehört zur Familie der Plattwanzen. Sie leben in den Schlafplätzen von warmblütigen Lebewesen wie dem Menschen und ernähren sich von deren Blut. Foto: Wikipedia commons/AJC1/CC BY-SA 2.0

Garmisch-Partenkirchen/Stuttgart - Wanzen haben einen schlechten Ruf. Den verdanken sie vor allem einem Vertreter ihrer Spezies – den Bettwanzen. Fragen und Antworten zu einer Plage, die immer mehr Menschen betrifft.

Woran erkennt man, dass Bettwanzen in der Wohnung sind?

Wenn Sie morgens aufwachen und feststellen, dass irgendetwas Sie nachts gebissen hat, könnte es sich um eine Bettwanze handeln. Da Bettwanzen nachtaktive Tiere sind, überraschen sie ihren Wirt am Morgen mit einer ganzen Armada juckender Punkte, die sie in Kniekehlen, Armbeugen, am Bauch und an der Brust hinterlassen haben. Diese reihenartig angeordneten, kleinen Bissstellen deuten auf die Blutsauger hin.

Bettwanzen ernähren sich ausschließlich vom Blut ihrer Opfer. Der Speichel der Tiere enthält blutgerinnungshemmende Substanzen und löst bei empfindlichen Menschen stark juckende Quaddeln aus. Bei Wanzen beißen sich wie bei Flöhen sowohl die weiblichen als auch die männlichen Tiere an ihrem Wirt fest.

Ausgewachsene Schädlinge erkennt man mit dem bloßem Auge. Sie erreichen eine Länge von vier bis neun Millimeter, je nachdem ob sie mit Blut vollgesogen sind oder nicht. Ihre liebsten Behausungen sind Betten und Matratzen. In der Nacht werden sie von Wärme, Geruch und Atem des menschlichen Körpers angelockt.

Warum gibt es eine Bettwanzen-Plage auf Alpenhütten?

Ein Problem mit den Parasiten hat derzeit der Deutsche Alpenverein (DAV). Die Hüttenwirte wollen ihre Unterkünfte deutlich besser gegen Bettwanzen schützen. Schon seit einigen Jahren machen sich die winzigen Tiere auf Hütten breit: Zuerst im Kaisergebirge, dann auch im Zugspitzgebiet, im Allgäu und auch in Österreich.

Grund ist nicht zuletzt die Zunahme des Bergwandertourismus. Die Gäste schleppen die Tiere unwissentlich in ihren Schlafsäcken und Rucksäcken von einem Haus zum anderen, wo sie immer wieder mühsam bekämpft werden müssen. Nun rüsten sich Hüttenwirte beispielsweise mit Mikrowellen-Geräten, hellblauen Decken und besonderen Säcken für das Gepäck gegen die Wanzen.

Nimmt das Wanzen-Problem zu?

Die DAV-Hütten sind mit dem Problem nicht allein. Weltweit kämpfen Hotels, Pensionen und Jugendherbergen mit der Plage. „Seit den 1990er Jahren beobachtet man weltweit eine Zunahme beim Auftreten dieser Wanzen“, erläutert die Biologin Carola Kuhn, Schädlingsexpertin beim Umweltbundesamt.

„Reisen weltweit – das ist der typische Ausbreitungsweg für die Wanzen.“ Die Tiere seien inzwischen resistent gegen Wirkstoffe, deshalb seien schwerer zu bekämpfen und würden sich stärker ausbreiten. Bettwanzen hätten nichts mit Hygienemängeln zu tun, so Kuhn. Die Tiere säßen hinter Leisten oder in Ritzen, da hilft auch Putzen nicht.

Sind Bettwanzen gefährlich?

Die Blutsauger sind sehr widerstandsfähig und haben eine Lebenserwartung von sechs Monaten. Sie sind aber für den Menschen, der ihr Hauptwirt ist, nicht gefährlich.

Das Risiko, dass die Insekten Krankheitserreger übertragen, ist äußerst gering. Der Befall hat auch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, wie das Umweltbundesamt betont.

Warum riechen Bettwanzen so übel?

Der penetrante Wanzengeruch stammt aus den Stinkdrüsen am Hinterleib Tiere. Bei Gefahr sondern sie ein übel riechendes und lange anhaftendes Sekret ab. Auch Bettwanzen erkennt man auch am Geruch.

Wenn es süßlich-modrig im Zimmer riecht, ist das ein Hinweis, dass Bettwanzen ihr „Parfüm“ hinterlassen haben.

Was kann man gegen Bettwanzen tun?

Bettwanzen los zu werden, ist gar nicht so einfach. Da sie weder große Hitze noch Kälte mögen, kann man die befallenen Gegenstände auch für drei Tage bei minus 18 Grad einfrieren oder für eine Stunde bei mindestens 50 Grad in der Sauna erhitzen.

Verwanzte Bettwäsche steckt man einfach bei 60 Grad in die Waschmaschine. Bei Matratzen wird das aber schwierig. Wenn absaugen oder Bettwanzenspray nicht hilft, muss man die Matratze entsorgen.

Nur die Symptome von Bettwanzenbissen lassen sich behandeln. Gegen das Jucken helfen antiallergische Medikamente sehr schnell. Auch Juckreiz- und Schwellungsstillende Salben und Gels kann man verwenden.

Soll man einen Kammerjäger rufen?

Bettwanzen verstecken sich aber hinter Bildern, Tapeten, Fußleisten, Lichtschaltern sowie in Ritzen und Spalten von Möbeln, Steckdosen, Elektrogeräte, Jalousien und Gardinen. Das Umweltbundesamt rät deshalb bei größerem Befall zur Bekämpfung durch Fachleute, wofür man durchaus mehrere Wochen einkalkulieren muss.

Maßnahmen in Eigenregie würden keine vollständige Beseitigung der Schädlinge zur Folge haben. Vielmehr besteht die Gefahr, dass man Insektizide falsch anwendet und somit seine Gesundheit aufs Spiel setzt.

Was kann man vorbeugend gegen Bettwanzen tun?

Schützen vor einem Befall kann man sich nicht. Man kann aber zum Beispiel in einem Hotel vor dem Einzug mit Gepäck das Zimmer genau absuchen und gegebenenfalls auf einen anderen Raum bestehen.

Grundsätzlich bietet es sich an, Gepäckstücke geschlossen zu halten und in größtmöglicher Entfernung zum Bett zu lagern. Auch Waren und Möbel, die Bettwanzen enthalten könnten, sollte man vor dem Kauf auf die Tiere überprüfen.