Billard Mit technischer Brillanz und Leichtigkeit

Von Elke Rutschmann 

Beim Spiel auf dem grünen Tisch sind feinmotorische Fähigkeiten gefragt – der Stuttgarter Umut Dikme will sie perfektionieren.

Umut Dikme  hat die Kugel stets fest im Blick. Foto: Baumann
Umut Dikme hat die Kugel stets fest im Blick. Foto: Baumann

Stuttgart - Es ist mucksmäuschenstill an diesem Samstag im großen Billardraum in der Dornbirner Straße in Stuttgart. Nur das Klacken und Ploppen der Bälle unterbricht die spannungsvolle Ruhe. Umut Dikme ist in seinem Element. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck verfolgt er den Lauf der Kugeln. Der 17-Jährige tritt gerade in der Bundesligapartie im Snooker für den BC Stuttgart gegen den DSC Hannover an. Er hat einen guten Tag erwischt, gewinnt seine beiden Partien und schlägt dabei auch den deutschen Meister von 2016, Simon Lichtenberg. Für die Kollegen läuft es an diesem Tag nicht so rund, Max Klinsmann (der Neffe von Jürgen Klinsmann), Jurian Heusdens sowie Kevin Malz unterliegen – am Ende verlieren die Stuttgarter mit 2:6 Partien und müssen die Tabellenführung an die TSG Heilbronn abgeben. Das kann sich aber wieder ändern, wenn die beiden besten Clubs aus dem Ländle am 13. Januar gegeneinander antreten. Die Snooker-Abteilung bildet mit ihrer Bundesligamannschaft das Aushängeschild des ältesten Billardclubs in Deutschland, das Karambolteam ist derzeit Spitzenreiter in der zweiten Liga.

Auch das Foulspiel gehört dazu

Ein Snookertisch misst ungefähr zwei mal vier Meter. Mit der Spitze des Queues darf der Spieler die weiße Kugel, den Spielball bewegen. Es gilt die übrigen 21 Kugeln – 15 rote und sechs bunte – in den sechs Taschen zu versenken. Dies geschieht nach einem bestimmten Schema – doch bleibt Raum für taktische Spielchen. Bringt man die pinke Kugel in der Mitteltasche unter, dann gibt es sechs Punkte. Als Foul gilt zum Beispiel, die falsche Kugel anzuspielen oder die Zielkugel mit der Hand oder dem Gerät zu berühren. Mit Kneipensport hat Snooker nichts gemein. Es ist die technische Brillanz, die scheinbare Leichtigkeit, die ein Gelegenheitsspieler nie zu erreichen in der Lage wäre. Beim Spiel auf dem grünen Tuch müssen die Spieler große feinmotorische Fähigkeiten mitbringen, eine sehr große mentale Stärke und taktische Finesse. Seit fünf Jahren spielt Umut Dikme Snooker auf hohem Niveau, zählt zu den größten Talenten in Deutschland, war mehrfach deutscher Jugendmeister. Doch der junge Mann will mehr, will versuchen Snooker irgendwann einmal professionell zu betreiben. Im Mai 2016 durfte er in Hamm ein Einlagespiel gegen sein Idol und den Superstar der Szene, Ronnie O’Sullivan, bestreiten. Nach vier Runden – im Snooker Frames genannt – gewann O’Sullivan mit 3:1.

Umut Dikme will sich nach seinem Schulabschluss jetzt ganz auf den Sport konzentrieren, bevor er eine Ausbildung beginnt. Demnächst wird er mehrere Wochen in der Snookerakademie in Sheffield verbringen. Die besten Spieler kommen traditionell aus Großbritannien, und die wenigen anderen leben dort und trainieren mit ihresgleichen. „Er muss mit deutlich besseren Gegner spielen, um sich weiter zu entwickeln“, sagt Umuts Teamkollege Kevin Malz.