Black-Angus-Rinder in Stuttgart-Degerloch Die Gänse haben nun begehrte Nachbarn

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Seit Kurzem halten Friedrich und Patrick Haag auf dem Tegerhof in Stuttgart-Degerloch neben einer Schar Gänse auch fünf Black-Angus-Rinder. Im Oktober wird erstmals geschlachtet, dann werden Steaks, Gulasch, Hackfleisch und Co. verkauft. Und von den Gänsen ist der größte Teil schon reserviert.

Die Rinder fressen Gras und Heu. Außerdem werden sie mit Getreide gefüttert – so wie auf diesem Foto von Patrick Haag. Foto: Julia Bosch
Die Rinder fressen Gras und Heu. Außerdem werden sie mit Getreide gefüttert – so wie auf diesem Foto von Patrick Haag. Foto: Julia Bosch

Degerloch - Sie sind nicht sehr groß, haben keine Hörner und ihr Fleisch gilt als besonders hochwertig – und dementsprechend teuer. „Black-Angus-Rinder nehmen nicht so schnell zu und erhalten dadurch ihre besondere Fett-Marmorierung“, erläutert Patrick Haag (26). Der Degerlocher und sein Bruder, Friedrich Haag (30), beschäftigen sich seit einigen Monaten mit den Tieren, die ursprünglich aus Schottland stammen. Seit August halten die beiden am Rande des Gewerbegebiets Tränke selbst fünf der gefragten Rinder.

Die Brüder haben vor einem knappen Jahr den Hof des 2017 bei einem Unfall verstorbenen Degerlocher Gänsebauern Rolf Wais übernommen und den Hof in Anlehnung an den altdeutschen Namen für Degerloch „Tegerlohe“ Tegerhof genannt. Seit Mai dieses Jahres watscheln an der Epplestraße wieder Gänse. Zuvor hatte dort knapp zwei Jahre Leerstand geherrscht. Und nun hat die Gänseschar mit den fünf Rindern begehrte Nachbarn bekommen.

Rinder kommen von Biobauernhof

„Wir haben die Rinder von einem Biobauernhof in der Nähe von Trier bekommen“, sagt Friedrich Haag. „Es gibt in Deutschland gar nicht so viele Landwirte, die Black-Angus-Rinder halten.“ Die Brüder sind über eine Fachzeitschrift auf den Verkäufer aufmerksam geworden. Anfang August wurden die Rinder dann mit einem großen Tieranhänger nach Degerloch gekarrt. Auf der Wiese hinter dem Gänseacker haben die fünf Wiederkäuer mehr als einen Hektar Platz, außerdem einen kleinen Unterstand, wenn sie Schatten wollen. Regen stört die Tiere unterdessen wenig – ganz im Gegenteil.

Die Rinder fressen Gras von der Wiese, außerdem bekommen sie Heu und Getreide von Bauern aus der Region. Selbst Getreide anzubauen schaffen die zwei Brüder nicht, da sie hauptberuflich nicht in der Landwirtschaft tätig sind: Friedrich Haag leitet zwei Tankstellen in Stuttgart, Patrick Haag arbeitet im Einkauf bei Daimler. Die fünf Rinder und die Gänseschar sind ihr Nebenjob.

Grillpaket für 64 Euro, Kochpaket für 54 Euro

Schlachtreif sind Black-Angus-Rinder mit etwa zwei Jahren. Die Tiere vom Tegerhof sind alle zwischen elf und 21 Monaten alt, in der ersten Oktoberwoche soll das erste Tier geschlachtet werden. „Wir bringen die Rinder zu einem Metzger in der Nähe, der noch selbst schlachtet. Anschließend kommen die Teilstücke wieder zu uns. Wir lassen das Fleisch dann noch rund drei Wochen reifen, damit es zarter wird“, erläutert Patrick Haag.

Sobald das erste Rind geschlachtet worden ist, können Bestellungen aufgegeben werden. Jedoch könne nicht jeder ein Filet bekommen, betont Friedrich Haag: „Weil es uns wichtig ist, dass das Rind komplett vermarktet wird, stellen wir Pakete zusammen: ein Grillpaket mit Steaks, Grillwürsten und Burgerbratlingen sowie ein Kochpaket mit Gulasch, Hackfleisch, Rouladen und Rinderbraten.“ Das 2,5-Kilo-Grillpaket kostet 64 Euro, das gleich schwere Kochpaket 54 Euro. Wer größere Pakete bestellt – auch fünf oder zehn Kilo sind möglich – spart ein bisschen was. Filetstücke sowie Zunge oder Innereien sind nicht in den Paketen, diese Stücke müssen extra bestellt werden.

60 Prozent der Gänse reserviert

Wer weniger an Rindfleisch interessiert ist, aber in der klassischen Gänsebratenzeit zwischen Martini und Weihnachten eine regional aufgewachsene Gans auf dem Tisch haben will, sollte sich unterdessen bald eine sichern. „Wir haben schon jetzt für 60 Prozent der Gänse Vorbestellungen“, sagt Friedrich Haag. Schon bevor die Gänse da waren, hätten die ersten Kunden Bestellungen aufgegeben.

„Man merkt, dass bei den Menschen ein Umdenken stattfindet“, sagt Friedrich Haag. Immer mehr Leute würden sich dafür interessieren, wo ihr Fleisch herkommt und wie die Tiere aufwachsen. „Die Leute erkennen, dass es nicht sein kann, wenn man im Supermarkt Wurst für 99 Cent bekommt oder eine komplette Gans für 19 Euro.“ Immer öfter würden Kunden den Brüdern auch Fragen zur Tierhaltung stellen – etwa warum die Wiese der Gänse so wenig grün sei. Die Antwort darauf lautet: Im Gegensatz zu ihren neuen Nachbarn, den Rindern, rupfen Gänse das Gras nicht ab, sondern picken es nah an der Grasnarbe. Dadurch sieht ihre Wiese schnell ackerähnlich aus – zumindest wenn die Tiere fleißig futtern.

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