Blick in die Backnanger Kunstsammlung Dieser Mann hat einen guten Riecher für Kunst

Von  

Martin Schick leitet seit 20 Jahren die Galerie der Stadt Backnang. Jetzt werden zeitgenössisch Kunstwerke gezeigt, die er für die städtische Sammlung gekauft hat. Auch ein Werk des international gefeierten Malers Neo Rauch ist dabei.

Martin Schick mit einem Werk (ohne Titel) von Sven Kroner, das die Stadt nach einer Ausstellung erworben hat. Foto: Jan Potente
Martin Schick mit einem Werk (ohne Titel) von Sven Kroner, das die Stadt nach einer Ausstellung erworben hat. Foto: Jan Potente

Backnang - Mit bescheidenen Mitteln einiges bewegen, das kann Martin Schick. Fachleute und das Publikum bescheinigen dem Leiter der Galerie der Stadt Backnang, dass er ein Näschen habe, einen guten Riecher für bis dato weitgehend unbekannte Künstler, die später mal groß rauskommen könnten. Über Neo Rauch spricht Schick nicht mehr so gerne, weil alle immer nach diesem einen Rauch-Werk im Backnanger Fundus fragen. Aber wenn es um Kunstwerke der Städtischen Sammlung geht, dann kommt man an dem Namen dieses international gefragten Malers aus Leipzig halt nicht vorbei.

Rauchs Werke werden mittlerweile für schwindelerregend hohe Summen gehandelt. Martin Schick hat Neo Rauch im Jahr 1998 nach Backnang geholt, die Ausstellung wurde damals zu einem Erfolg. Schick erwarb im Auftrag der Stadt und für kleines Geld Rauchs Ölskizze mit dem Titel „Werkstatt“. Das Bild dürfte heute ein Zigfaches wert sein – und ist jetzt bei der Ausstellung „Werke der Städtischen Kunstsammlung“ zu sehen, die an diesem Freitag um 19 Uhr in der Galerie im Petrus-Jacobi-Weg 1 auf dem Stiftshof eröffnet wird. Gezeigt werden auch Werke von Sven Kroner, Markus Oehlen, von Peter Holl, Silke Schatz und einigen anderen Künstlern, die in den vergangenen Jahren in den Räumen der Galerie ausgestellt waren.

Seit 2009 Leiter des Backnanger Kultur- und Sportamts

Schick weiß, was er kann. Aber er prahlt nicht, arbeitet lieber im Stillen. Er ist offenkundig auch ganz froh darüber, dass die Stadtverwaltung und der Gemeinderat ihm und seinen Mitarbeitern freie Hand lassen, wenn es um die Konzeption von Ausstellungen geht und um den Ankauf von Kunstwerken. Er habe jährlich die vergleichsweise bescheidene Summe von gut 10 000 Euro für den Erwerb von Bildern zur Verfügung, sagt Schick am Tag vor der Eröffnung. Martin Schick steht mal wieder unter Strom. Er schaut kurz in der Galerie vorbei, wo seine Mitarbeiter die Bilder eben aufhängen, und muss bald weiter.

So viel Zeit wie früher hat der 54-jährige Familienvater nicht mehr für die Galerie. Seit 2009 ist er nämlich auch noch Leiter des Backnanger Kultur- und Sportamts, also unter anderem zuständig für die Sporthallen und den Tourismus, für die Städtepartnerschaften, für die Bücherei, für das Straßenfest und manches mehr. Zeit für eigene Kunstwerke? Nein, sagt er, die bleibe kaum mehr, leider. Anno dazumal hat Schick gerne den Pinsel geschwungen, als Student an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und anschließend als frei schaffender Künstler. Eigentlich hatte er nach dem Studium Lehrer werden wollen, aber nach dem Referendariat am Gymnasium in der Glemsaue in Ditzingen und am Albert-Einstein-Gymnasium in Böblingen hat er sich in Backnang beworben und die Stelle für den Aufbau der Galerie bekommen. Als Pädagoge arbeiten, so dachte er damals, könne er ja auch später noch. Das wird nun wohl nichts mehr. Manche sagen: schade für die Schüler.

Eine Schenkung von Wolfgang Gäfgen

Ein kleiner Rundgang durch die neue Ausstellung. Im Erdgeschoss hängt ein grafisches Werk von Andreas Opiolka, er hat in den 1990er-Jahren in Backnang ausgestellt und ist heute an der Kunstakademie in Stuttgart Professor. Gleich neben Opiolka ein großformatiges Bild von Helen Pfeifel, die Künstlerin war erst kürzlich zu Gast in der Backnanger Galerie. Im ersten Stock hängen zwei Werke von Wolfgang Gäfgen. Dieser Künstler, erklärt Schick, habe der Stadt mehrere Dutzend Bilder geschenkt. Gäfgen habe gesagt, er wisse seine Werke in Backnang gut aufgehoben. Diese Schenkung sei „eine Art Auszeichnung“.