Blitzer und Verkehrsüberwachung So bewältigt Esslingen die riesige Flut an Bußgeldbescheiden

Neben den Blitzern haben auch die Mitarbeiter der Bußgeldstelle in Esslingen mehr zu tun als andere in der Region Stuttgart. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Die Stadt Esslingen bricht mit der Flut an Bußgeldern, die sie dank ihrer effizient arbeitenden Blitzer täglich bewältigen muss, alle Rekorde. Wie gelingt es der Behörde, mehr Bußgeldbescheide abzuwickeln als andere Gemeinden in der Region Stuttgart?

Stadtkind: Erdem Gökalp (erg)

Über einen Mangel an Mitarbeitern kann man sich in der Esslinger Bußgeldstelle anscheinend nicht beschweren. Acht stationäre Blitzeranlagen gab es bis 2022 in der Stadt. Verkehrssünder können sich darauf verlassen, nach vier bis sechs Wochen einen Bescheid zu erhalten, wenn sie von einer der Anlagen beim Rasen erwischt wurden. Die Behörde arbeitet zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk.

 

Die Stadt ist für ihre rekordverdächtigen Einnahmen bei der Verkehrskontrolle bekannt. Im Jahr 2022 hat sie sechs Millionen Euro nur mithilfe stationärer Blitzer eingenommen und damit die Einnahmen seit 2017 fast verfünffacht. Aber wie ist es für eine Behörde möglich, in einem Jahr 134 527 Bußgeldbescheide zu verschicken? Diese Anzahl ist in der Region Stuttgart eine Ausnahmeerscheinung. Zum Vergleich: Das 20 Kilometer entfernte Nürtingen hat für dasselbe Jahr nur 23 559 Bußgelder über Blitzer verhängt. Nur Stuttgart hat mehr Einnahmen mit Blitzern gemacht als Esslingen, wie eine Datenauswertung unserer Zeitung ergeben hat.

Zwölf Mitarbeiter und eigene Abteilung

Bürgermeister Yalcin Bayraktar gibt einen Eindruck von der Arbeit der Behörde. „Wir haben eine eigene Bußgeldstelle, die sich mit zwölf Vollzeitstellen nur um die Bearbeitung der eingehenden Ordnungswidrigkeiten kümmert“, sagt er. Die Behörde musste ihre Leistung in den letzten Jahren erheblich hochfahren. Im Jahr 2017 hat die Stadt mit 68 769 Bußgeldbescheiden etwa nur die Hälft der Zahl verhängt.

Laut Bayraktar arbeite die Behörde weitestgehend digital und sei dadurch auch sehr leistungsfähig, weil die Mitarbeiter leichter auf die teilweise sehr schwankenden Fallzahlen reagieren könnten. Durch das Einführen neuer Blitzer und Tempolimits können zeitweise zwar mehr Verkehrsverstöße festgestellt werden, doch gewöhnen sich die Verkehrsteilnehmer in der Regel ziemlich schnell an die Umstellung, wodurch es dann auch wieder weniger für die Behörde zu tun geben kann.

Über 55 Euro dauert länger

Die Bearbeitung eines Verkehrsverstoßes könne sich in der Esslinger Behörde jedoch auch unterschiedlich in die Länge ziehen. Je nachdem, ob es bei einem Bußgeld bleibt, oder es zu einer Verwarnung kommt. „Ordnungswidrigkeiten, die mit einer Geldbuße von unter 55 Euro geahndet werden, können verwarnt werden“, sagt Bayraktar. Länger dauert es nur, wenn die betroffene Person die Verwarnung nicht akzeptiert oder die Geldbuße höher ist. Unter den acht Blitzern in der Stadt sticht insbesondere die Messanlage an der B 10 hervor. Im Jahr 2022 hatte sie 844 088 Euro eingenommen und damit mehr als jede andere Anlage in der Region Stuttgart.

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