Böblingen Ein neuer Versuch, die Gans zu vergrämen

Stadtbildprägend: Die Insel im Oberen See wurde doch nicht versenkt. Foto: factum/Jürgen Bach
Stadtbildprägend: Die Insel im Oberen See wurde doch nicht versenkt. Foto: factum/Jürgen Bach

Eigentlich wollte die Stadt die Insel im Oberen See versenken. Nun sollen die Vögel auf andere Weise von einem Ortswechsel überzeugt werden.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Böblingen - Weil der Winter so mild war, sind sie bereits zurück: Bis zu 50 Graugänse tummeln sich wieder am Oberen See in Böblingen. Die Verwaltung wollte sie eigentlich davon abhalten, wieder in Böblingen zu landen. Dafür hätte die Insel, die den Vögeln als Brutstätte dient, versenkt oder zumindest gerodet werden sollen. Doch im Herbst wurde das Thema vertagt, und nun ist es zu spät für die drastische Maßnahme, weil die Tiere sich schon fortpflanzen. Das Rathaus will das Problem nun einfach einzäunen: Indem den Gänsen am Ufer der Zugang zum Wasser verwehrt wird, sollen sie zu einem Ortswechsel animiert werden.

„Man kann nur Anreize schaffen“, sagt Claudia Oßwald von der Abteilung für Umwelt und Grünflächen. Die Kommunen haben nicht viel Handlungsspielraum, wenn es um die Vergrämung der Gänse geht. Sie dürfen in der Stadt nicht bejagt werden, ihre Eier können ihnen nicht genommen werden, zumal sie schwer zu finden sind. Zwar beschweren sich viele Bürger über die Hinterlassenschaften der Tiere, die so groß wie Hundehaufen sind. Pro Tier und pro Tag kommen im Schnitt ein Kilogramm zusammen. Aber gleichzeitig gibt es viele, die sie schützen wollen und trotz Verbots weiterhin füttern. Die Wildgänse, zu denen die Grau-, Nil- und Kanadagänse zählen, sind hübsch anzusehen und ihre plüschigen Küken erst recht.

In Stuttgart fordern die Grünen ein Gänse-Management

Böblingen ist nicht alleine mit dem Problem. In Stuttgart fordern die Grünen ein Gänse-Management, weil dort die Tiere zu Hunderten die Wiesen im Schlossgarten verschmutzen. Gegenmaßnahmen gibt es viele – vom motorisierten oder menschlichen Kotsammlern bis zu drastisch erhöhten Strafen für das Füttern der Vögel wie in Stuttgart, wo Wiederholungstäter bis zu 5000 Euro bezahlen müssen.

Böblingen hat sich von Bayern und vom Bodensee inspirieren lassen: Dort grenzt man das Problem mit einem kniehohen Zaun zwischen Ufer und See ein, „die einen mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg“, berichtet Claudia Oßwald. Diese Barriere ist für die flugunfähigen Jungtiere ein unüberwindbares Hindernis, weshalb auch die Eltern nicht ans Wasser kommen und sich einen anderen See suchen. „Die Zäune sind eine vorübergehende Maßnahme“, sagt Claudia Oßwald. Sie stehen seit rund zwei Wochen und die Rathausmitarbeiterin hofft, dass sie nicht dem Vandalismus zum Opfer fallen. Aber die Absperrung sei so unscheinbar, sie sollte niemand tangieren.

Die Verwaltung arbeitet weiterhin an einer „baulichen Veränderung“, um den Oberen See unattraktiv für die Gänse zu machen. Die Insel stand deshalb im Mittelpunkt der Überlegungen, weil sie als Brutstätte eine entscheidende Rolle spielt: Gewässer ohne Inseln werden von den Gänsen nur zum Durchzug und nicht als Sommerresidenz angenommen. Aber den Stadträten war im Herbst die Maßnahme mit Kosten von 100 000 bis zu 280 000 Euro zu teuer. Und sie wollten nicht auf das stadtbildprägende Eiland verzichten.

Im vergangenen Jahr bildeten Gänse eine Herde von rund 100 Stück

Parallel dazu ist der Murkenbachweiher im vergangene Herbst freigemäht worden, um den Vögeln eine Alternative zu bieten. Das Gelände im Wald soll lichter werden, um sie an diese Stelle abseits der Zivilisation zu locken. „Dort könnten die Gänse Gänse sein und würden niemanden stören“, erklärt Claudia Oßwald. Auch der Murkenbachsee und der Ganssee wären mögliche Ausweichquartiere, an denen sich die Tiere in der Vergangenheit auch schon getummelt haben. Seit sechs Jahren kommen sie nach Böblingen, im vergangenen Jahr bildeten sie eine Herde von rund 100 Stück. Im Gemeinderat wurde schon laut darüber nachgedacht, dass die Gänse an den abgelegenen Gewässern auch leichter gejagt werden könnten. Aber ob sie sich den Oberen See nehmen lassen, lässt sich nicht vorhersagen. Dort herrschen praktisch paradiesische Zustände für sie. „Es sind Tiere, und Tiere tun das, was für sie günstig ist“, sagt Claudia Oßwald. Zumal die Wildgänse zudem als besonders intelligent gelten.




Unsere Empfehlung für Sie