Bomben-Entschärfung in Frankfurt am Main Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

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Frankfurt am Main bereitet sich nach dem Bombenfund auf eine Massenevakuierung vor. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um die größte Bombenräumaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Ein Polizeiauto steht am 31. August Frankfurt am Main am Fundort einer Bombe, die unter einem blauen Zelt liegt. Im Stadtteil Westend wurde auf einer Baustelle eine englische Luftmine gefunden. Sie soll am Sonntag entschärft werden. Foto: dpa 7 Bilder
Ein Polizeiauto steht am 31. August Frankfurt am Main am Fundort einer Bombe, die unter einem blauen Zelt liegt. Im Stadtteil Westend wurde auf einer Baustelle eine englische Luftmine gefunden. Sie soll am Sonntag entschärft werden. Foto: dpa

Frankfurt am Main - Die geplante Bombenentschärfung in Frankfurt am Main wird massive Auswirkungen auf den Nahverkehr in der Bankenmetropole haben. Vor allem U-Bahn- und Buslinien werden unterbrochen oder eingestellt, wie die Städtische Verkehrsgesellschaft VGF am Donnerstag mitteilte. Die tonnenschwere Bombe soll am Sonntag entschärft werden. Wir klären die wichtigsten Fakten:

Um welche Art von Bombe handelt es sich?

Bei der am Dienstag (28. August) während Bauarbeiten am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität gefundene Bombe handelt es sich um eine britische Luftmine vom Typ HC-4000 (auch Blockbuster oder Wohnblockknacker genannt). Die HC-4000 ist eine der größten während des Zweiten Weltkriegs hergestellten Sprengkörper. Nach Darstellung des beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelten Kampfmittelräumdienstes sieht die HC-4000 aus wie ein großer Boiler und hat drei Kopfzünder. Die Sprengbombe hat einen Durchmesser von 76 Zentimetern und war ursprünglich gut drei Meter lang. Der in Westend gefundene Blindgänger ist mit zwei Metern Länge nicht mehr ganz vollständig.

Wie gefährlich ist diese Bombe?

Der zylinderförmige Explosivkörper hat nur eine dünne Stahlaußenhaut und ist mit mindestens 1,4 Tonnen Torpex-Sprengstoff gefüllt. Dieser besonders starke und hochbrisante Hexogen-Explosivstoff wurde von 1939 bis 1945 in riesigen Mengen produziert. Schwere britische Bomber vom Typ Avro Lancaster wurden mit solchen Minenbomben gegen ungepanzerte Flächenziele beladen. Sie erzeugten mit ihrer Sprengkraft eine enorme Druckwelle und verursachten großflächige Zerstörungen. Jede Bombe sollte auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern Fenster und Türen zerstören und Dächer abdecken. Ziel war es, dass die nachfolgenden Flugzeuge mit ihren Brandbomben in den bereits beschädigten Häusern einen noch größeren Feuersturm verursachen können.

Wie umfangreich ist die Evakuierung im Frankfurter Westend?

Es handelt sich um die größte Evakuierung in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Experten vom hessischen Kampfmittelräumdienst wollen die Riesenbombe am frühen Sonntagmorgen (2. September) entschärfen. 60 000 bis 70 000 Menschen müssen die Frankfurter Behörden dafür in Sicherheit bringen.

Wann geht es los?

„Sperrzone, ab 6 Uhr, Radius 1500 Metern, um das Entschärfungsobjekt“, sagte Jörg Branach, der Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes bei der Pressekonferenz am Freitagvormittag. „Sonntag um 8 Uhr muss die Sperrzone frei sein“, ergänzte Ordnungsdezernent Markus Frank.

Wie groß ist das gesperrte Areal?

Sämtliche Gebäude in einem Umkreis von rund 1,5 Kilometer im Frankfurter Stadtteil Westend müssen geräumt werden. Der Innenstadtbezirk besteht aus Westend-Süd und -Nord. Er liegt an der nordwestlichen Grenze des Stadtteils Innenstadt, nördlich von Bahnhofsviertel und Gallus. Westend ist dicht bebaut mit Häusern aus der Gründerzeit, die Immobilienpreise sind überdurchschnittlich hoch. Hier befinden sich auch der Sitz der Deutschen Bundesbank, das Frankfurter Polizeipräsidium, der Hauptsitz des Hessischen Rundfunks sowie zwei Krankenhäuser – darunter die größte Geburtsstation Hessens – , 20 Altenheime sowie einige Schulen. Die Pressestelle der Bundesbank ließ mitteilen, dass auf dem Bundesbankgelände die üblichen Sicherheitsvorkehrungen herrschen würden und die Goldresderven sicher seien. „Das Schlimmste, was auf unserem Gelände passieren könnte, wäre, das ein paar Gläser zerspringen.“




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