Es ist eine Wende, wie sie Stefan Siebert in seiner Funktion als Chef der Landesbausparkasse Südwest (LBS) mag. „Vor einigen Jahren hätte ich gesagt, dass eher sicherheitsorientierte Kunden einen Bausparvertrag abschließen. Im Moment kommen praktisch alle zu uns. Wenn die Liquidität gegeben ist, wollen sich derzeit die Menschen zumindest einen Teil der Baufinanzierung sichern.“
Der zuletzt angestaubte Bausparvertrag kommt wieder in Mode – und das mit Wucht. Die LBS hat 2022 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Zahl neuer Verträge im Vorjahresvergleich um zehn Prozent auf 135 000 gesteigert. Diese summierten sich auf 11,53 Milliarden Euro – knapp ein Drittel mehr als 2021. Der Hauptgrund sind die gestiegenen Baufinanzierungszinsen. Sie sind für Baukredite mit zehnjähriger Zinsbindung im vergangenen Jahr von 0,9 auf aktuell knapp vier Prozent nach oben geschnellt.
Viele Häuslebauer und Wohnungskäufer wollen offenbar noch einen Kredit zu den aktuellen Konditionen abschließen. Gleichzeitig sicherten sich Eigenheimbesitzer, die ihre Immobilie noch nicht abbezahlt haben, günstige Anschlussfinanzierungen. Mit den sich steil nach oben bewegenden Zinsen werden auch Bauspardarlehen zugeteilter Bausparverträge wieder attraktiv, die noch nicht abgerufen wurden. „Die Zinssicherung – und damit der Bausparvertrag – wird wieder zu einem zentralen Element, um seine Immobilie zu finanzieren“, betont Siebert.
Niedrige Zinsen beim Darlehen – aber auch beim Ansparen
Bei einem Bausparvertrag wird etwa die Hälfte einer benötigten Summe über meist sieben bis acht Jahre angespart. Die andere Hälfte gibt es dann als Darlehen zu einem Zins, der für in der Regel zwölf bis 15 Jahre garantiert ist. Das Bauspar-Prinzip kann sich lohnen, wenn tatsächlich gebaut werden soll und die Bauzinsen deutlich ansteigen und damit das vereinbarte Bauspardarlehen günstiger ist als Bankkredite, sagen Verbraucherschützer. Allerdings gibt es für die Sparbeträge kaum Zinsen, zudem sind für den Vertragsabschluss Gebühren von rund eineinhalb Prozent fällig. Es gilt also, den Vorteil des Zinsdarlehens gegenüber dem niedrig verzinsten Sparplan abzuwägen.
Die LBS Südwest bewirbt derzeit die Tarifvariante Zukunftplus mit einem Darlehenszins von effektiv 1,54 Prozent mit einer Laufzeit von knapp zehn Jahren. Allerdings liegt der jährliche Guthabenzins bei 0,01 Prozent. Die neue Tarifvariante machte in der zweiten Jahreshälfte 2022 bereits 43 Prozent des vermittelten Bausparvolumens aus. Die Bausparsumme liege hier im Schnitt bei 105 000 Euro, heißt es. Über alle Tarife hinweg stieg sie pro Vertrag im Vorjahresvergleich um 14 000 auf rund 85 000 Euro.
Insgesamt zählte die LBS zum Jahresende 1,53 Millionen Bausparer sowie Baudarlehen und Bauspareinlagen in Höhe von 21,92 Milliarden Euro. Die Zahl der Angestellten und hauptberuflichen Außendienstler ging um 34 auf 1279 zurück.
Vielleicht wird sie künftig wieder wachsen: Siebert sieht vor allem bei energetischen Modernisierungen Potenzial. Es gehe um Summen von bis zu 50 000 Euro, die für Fenster, Dämmungen oder Photovoltaikanlagen infolge der Energiewende investiert werden müssten. „Das sind Größenordnungen, die Menschen mit einem Bausparvertrag verbinden.“ Um solche Darlehen schneller zu bearbeiten, habe man die Blankogrenze von 30 000 Euro auf 50 000 Euro erhöht.
Fusion der Landesbausparkassen
Pläne
Der Zusammenschluss der LBS Südwest und Bayern ist auf der Zielgeraden. Die Sparkassenverbände Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz als Träger sowie die Landesregierungen haben die Pläne bereits genehmigt. Jetzt müssen noch die Landesparlamente zustimmen.
Sitz
Die künftige Landesbausparkasse Süd soll ihren Sitz in Stuttgart und München haben, einen Standort in Mainz mit einer Landesdirektion Rheinland-Pfalz und einem weiteren Standort in Karlsruhe. Führen soll sie LBS-Südwest-Chef Stefan Siebert.