Buchhandlung Rita Limacher schließt Kein Buch, das sie nicht kennt

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Rita Limacher war eine Stuttgarter Institution. Jetzt schließt sie ihre Buchhandlung für Architektur, Kunst und Design. Aber nicht wegen Corona.

Schön war die Zeit: Rita Limacher in ihrem Laden am Kleinen Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Schön war die Zeit: Rita Limacher in ihrem Laden am Kleinen Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Vielleicht hätte man mal einen Test machen sollen und hier und dort Titel aus dem Regal ziehen – zum Beispiel den Band zur Holzarchitektur oder das schön bebilderte Buch über chinesische Seide. Könnte Rita Limacher etwas zu dem Standardwerk zur Mode sagen oder zum Teekannen-Schmöcker? „Ich behaupte, dass ich jedes Buch inhaltlich kenne“, sagt Rita Limacher – und wahrscheinlich stimmt das sogar. Denn sie hat nicht nur eine Leidenschaft für Bücher, sondern reist auch gern. „Man muss die Dinge gesehen haben, um ein Urteil fällen zu können“, sagt sie – und hat in ihrem Leben schon sehr viele Ausstellungen und Gebäude besichtigt.

Nun heißt es Abschied nehmen. Vom 30. April an bleibt ihre Buchhandlung auf dem Kleinen Schlossplatz nicht nur wegen Corona, sondern ganz offiziell geschlossen. Die Buchhandlung Limacher war Stuttgarts erste Adresse für Architektur, Kunst und Design. Was Rita Limacher nicht vorrätig hatte, das konnte sie besorgen, und wenn es ein noch so exotischer Titel war. Sie wird Stuttgart fehlen.

Viele Buchhandlungen haben in den vergangenen Jahren geschlossen

Viele Buchhandlungen haben in den vergangenen Jahren aufgegeben, die Schiller-Buchhandlung in Vaihingen, Quenzer in der Olgastraße und die Rohrer Buchhandlung. Wittwer gehört inzwischen zu Thalia. Rita Limacher kann das Lamento der Branche dagegen nicht recht nachvollziehen. „Sicher hat das Internet einem zu schaffen gemacht“, sagt sie, aber als Fachbuchhandlung habe sie das „außergewöhnliche Glück“ gehabt, auf einen sehr treuen Kundenstamm zählen zu können. „Aber mit siebzig Jahren kann man sich dann auch mal zur Ruhe setzen“ sagt sie, auch wenn das nicht ganz stimmt. Künftig will sie die Fachbuchhandlung Karl Krämer bei einer Sortimentserweiterung unterstützen.

Eine gut geführte Buchhandlung bedeutet vor allem eines, sagt Limacher: „Es ist wahnsinnig viel Arbeit“. Eigentlich war sie immer im Laden präsent, sechs Tage die Woche. Wohl deshalb hat sie keinen Nachfolger gefunden. „Die jüngeren Leute wollen sich das heute nicht mehr antun“, meint sie, „man arbeitet heute seine acht Stunden – und dann ist es erledigt.“ Trotzdem hätte sie sich gewünscht, jemand hätte den Laden übernommen, der nicht wie sie „alte Schule“ ist, sondern neue Impulse bringt.

Den Job als Innenarchitektin hängte Rita Limacher an den Nagel

Rita Limacher hat sich ihr Wissen nicht einfach nur angelesen. Die gebürtige Schweizerin hat in Detmold Innenarchitektur studiert, ihr Mann, ebenfalls Architekt, lehrte in Stuttgart als Professor, sodass sich die Gespräche am heimischen Esstisch bis heute vor allem um Architektur drehen. 1986 hängte sie ihre Stelle als Innenarchitektin an den Nagel und machte ihren Laden auf – damals noch im „Magazin“ in der Lautenschlagerstraße. Als sie die Buchhandlung Schaller übernahm, zog sie mit Sack und Pack in deren Räume im Königsbau. Als das Land als Vermieter sie dort nicht mehr wollte, wanderte sie weiter auf den Kleinen Schlossplatz. Zehn Jahre lang war sie nun dort. Viele Jahre lang betrieb sie sogar noch eine Dependance in Basel, die sie 2017 schloss, weil ihr „das ewige Hin und Her“ dann doch zu viel wurde.

Eigentlich hatte Rita Limacher einen Ausverkauf geplant. Der musste wegen Corona nun leider ausfallen. Bis Ende April wird sie die Regale nun selbst leeren – und die Bücherregale zuhause werden noch ein bisschen voller werden. Dabei sind Bücher nicht ihre einzige Leidenschaft. Da ist auch noch der Garten, den sie nicht nur „mit dem Auge einer Ästhetin“ pflege, wie sie sagt, sondern in dem sie selbstverständlich auch die Bäume selbst schneidet. Wenn sie zurück blickt, hätte Rita Limacher eigentlich lieber Garten- statt Innenarchitektur studieren mögen – „aber das“, sagt sie und zuckt die Schultern, „ist jetzt gelaufen.“




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