KommentarBürgerbegehren Bücherei Ganz schlechter Verlierer

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Es ist richtig, beim Büchereibau in Esslingen die Bürger zu fragen. Doch der SPD-Mann Wolfgang Drexler hat dabei nichts verloren.

Wolfgang Drexler gibt den Schützer des Bebenhäuser Pfleghofs. Foto: Horst Rudel
Wolfgang Drexler gibt den Schützer des Bebenhäuser Pfleghofs. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Die Diskussion über den bestmöglichen Büchereistandort hat in den vergangenen Monaten viele Bürger in Esslingen intensiv emotional beschäftigt. Besonders die aktuellen Nutzer hängen – oft aus durchaus nachvollziehbaren nostalgischen Gründen – am bisherigen Standort im Bebenhäuser Pfleghof. Er besitzt bei allen dramatischen Baumängeln ohne Zweifel viel Charme. Da würde es sicher dem einen oder anderen schwer fallen, davon Abschied nehmen zu müssen.

Mehrheit des Gemeinderats entscheidet sich für die Zukunft

Da sich nun die Mehrheit des Gemeinderats gegen die Vergangenheit und für die Zukunft – sprich: für einen Neubau an der Küferstraße – ausgesprochen hat, war es zu erwarten, dass sich gegen diese Grundsatzentscheidung Widerstand in der Bürgerschaft regen würde. Verständlich wäre es dabei durchaus gewesen, wenn sich etwa die Vorstände des Bücherei-Fördervereins als Organisatoren eines – wie es das Wort so deutlich sagt – „Bürger“-begehrens engagiert hätte.

Aber nun sind es nicht die Bürger, die das Projekt in Frage stellen wollen. Nein, der SPD-Stadtrat Wolfgang Drexler, dessen Fraktion sich am Montag mit ihrer Position im Gemeinderat nicht durchsetzen konnte, begehrt auf und will versuchen, mit seinem ohne Zweifel hohen Bekanntheitsgrad Stimmen für den Verbleib der Bücherei am bisherigen Standort zu sammeln. Das ist – die Kommunalwahl 2019 lässt grüßen – purer Populismus und ein merkwürdiges Demokratieverständnis, zusammengefasst: ein grobes politisches Foul. Wolfgang Drexler hat an der Spitze der Bürgerbegehren-Initiative nichts verloren.

Die Diskussion kann versachlicht werden

Das soll das eigentliche Anliegen nicht diskreditieren. Angesichts der Aufgeregtheit bei der Diskussion kann ein Bürgerbegehren und ein daraus eventuell resultierender Bürgerentscheid die Diskussion sogar wieder versachlichen: Denn dann wird man wissen, ob es wirklich einen breiten Widerstand gegen einen Neubau gibt oder ob vergleichsweise wenige Traditionalisten nur vergleichsweise laut gebrüllt haben.




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