Bürgerhospital Brainstorming für eine bessere Stadt

Die Bürger dürfen mitreden, wenn es um die Zukunft des Bürgerhospitals geht Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Bürger dürfen mitreden, wenn es um die Zukunft des Bürgerhospitals geht Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

„Neue Mitte für den Norden“: Unter diesem Motto hat die Stadt Stuttgart am Samstag zur Bürgerwerkstatt ins Gemeindezentrum St. Georg geladen. Die Einwohner des nördlichen Stadtbezirks sollen gehört werden, wenn es um die Neugestaltung des Areals Bürgerhospital/Abfallwirtschaft Stuttgart geht.

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Stuttgart - Im Gemeindezentrum St. Georg im Stuttgarter Norden deutet am frühen Samstagnachmittag alles auf ein Seminar, eine Tagung oder einen Workshop hin. Da sieht man einen Laptop, der an einen Beamer angeschlossen ist. Mobile Schreibtafeln mit Magneten und bunten Zetteln stehen in allen Ecken des Raums. Kein Zweifel: Hier geht es ums Mitmachen. Genau das ist die Absicht der Bürgerwerkstatt, aus deren Anlass sich interessierte Stadtteilbewohner im Gemeindezentrum eingefunden haben. Ein Spaziergang durch das Quartier war der Veranstaltung vorausgegangen. Die Bürger sollen dabei mitreden, wie die frei werdenden 3,9 Hektar des innenstadtnahen Areals Bürgerhospital/Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) künftig aussehen soll.

„Zum ersten Mal findet eine Bürgerbeteiligung so früh und so intensiv statt“, sagte Ralph Schertlen, Stadtrat für Die Stadtisten. Die Ideen der Bürger sollen schließlich in einen städtebaulichen Wettbewerb einfließen. Es gehe vor allem darum, Leitplanken festzulegen, so Ralph Schertlen. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) dämpfte so manche Erwartung der Bürger aber gleich zu Beginn. Die Bürgerwerkstatt könne wichtige Impulse leisten, die Entscheidung liege aber beim gewählten Gremium, so Pätzold – und das sei eben der Gemeinderat.

Pätzold freute sich über die rege Teilnahme im gut gefüllten Gemeindezentrum. „Heute geht es um die Frage, wie wir das zentrale Gelände weiterentwickeln“, so Pätzold. Wichtigstes Ziel sei die Bereitstellung von 600 Wohneinheiten. Wie tiefgreifend die Veränderungen sind, die der Bezirk erlebt, stellte Bezirksvorsteherin Sabine Mezger fest. Nach momentan 26 000 Einwohnern werde der Norden nach Abschluss aller städtebaulichen Maßnahmen mindestens deren 40 000 haben. „Von allen 23 Stadtbezirken wird sich der Norden am stärksten verändern“, so Mezger. Eine lebenswerte Gegend zu schaffen sei daher äußerst wichtig, genauso eine möglichst breite Beteiligung der Bürger.

15 Schlagwörter in wenigen Sekunden

Wie diese Beteiligung praktisch aussieht, erklärte Moderatorin Antje Grobe von der Organisation Dialog Basis. „Welche Bilder wollen Sie den Planern mit auf den Weg geben?“, fragte sie in die Runde. In der ersten Bürgerwerkstatt solle man zu verschiedenen Themen Schlagwörter sammeln, sich Gedanken machen, um eine Idee davon zu erhalten, wie sich die Bürger den Stadtteil wünschen. „Im Verlauf des Tages wollen wir dann immer konkreter werden und vertiefen.“

Kaum hat sie den ersten Themenkomplex „Wohnen, Kultur und Soziales“ angekündigt, werfen die ersten Bürger schon Schlagworte in die Runde. „Lebendig“, ruft da einer, „ruhiges Wohnen für Familien“ kommt aus einer anderen Ecke. „Kein Getto“, fordert eine Frau, ein anderer will ein „stilistisch vielfältiges“ Viertel haben. Moderatorin Grobe ist nun gefragt, mit einem zweiten Mikrofon spurtet sie durch den Raum. Innerhalb weniger Momente sammelt sie mehr als 15 Schlagwörter. Ein Mitarbeiter von Dialog Basis tippt die Vorschläge der Bürger direkt in den Laptop ein, der Beamer projiziert die Ideen für alle sichtbar an die Leinwand. Keine Frage: Am Engagement der Bürger mangelt es nicht an diesem Nachmittag.

Dass die Neugestaltung aber auch Tücken mit sich bringt, hatte Stadtdirektor Detlef Kron vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung bereits vorher ausgeführt. „Das Bettenhaus des Bürgerhospitals steht unter Denkmalschutz. Ob wir das überhaupt so umbauen können, dass Wohnungen entstehen, ist nicht klar“, so Kron. Soll die Gäubahntrasse erhalten bleiben oder ein Fahrradweg entstehen? Welche Lösung gibt es für die lärmende Heilbronner Straße? Wie verbindet man Wohneinheiten mit kleinen Läden für den täglichen Bedarf? „Gebäude erhalten und behutsam ergänzen“ sei die Prämisse, so Kron. Der Teufel steckt dabei oft im Detail, das machten seine Einlassungen deutlich.




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