Bürgerprotest in Remseck Initiative: Westrandbrücke ist „ein Monsterbauwerk“

Von  

Remsecker Bürger fühlen sich schlecht informiert. Die Initiative „Wir für morgen!“ markiert mit Gasballons die Dimensionen für eine Neckarquerung und fordert einen Bürgerentscheid.

Blaue Ballons weisen den Weg: Nach  Einschätzung der Initiative „Wir für morgen“ verläuft  die Zufahrt  über die Felder unterhalb des  Schlossbergs. Die zwei Ballons hoch über den Bäumen   verdeutlichen die  Höhe der  Brücke  über den Neckar. Foto: factum/Weise
Blaue Ballons weisen den Weg: Nach Einschätzung der Initiative „Wir für morgen“ verläuft die Zufahrt über die Felder unterhalb des Schlossbergs. Die zwei Ballons hoch über den Bäumen verdeutlichen die Höhe der Brücke über den Neckar. Foto: factum/Weise

Remseck - Westrandbrücke, das klinge viel zu harmlos, meinen die etwa 250 Mitglieder der Initiative „Wir für morgen!“. Um die Ausmaße der Planungen für die Brücke und die dazugehörigen An- und Abfahrten kenntlich zu machen, haben Remsecker Bürger am Samstagnachmittag große Gasballons aufgepustet, und sie so aufgehängt, dass Höhe und Breite des Bauwerks deutlich wurden. Um klar zu machen, dass die Westrandbrücke „ein Monsterbauwerk“ ist, wie sie glauben.

Die Initiative wünscht sich den Nord-Ost-Ring

Seit vielen Jahren wird vor allem in den Städten Fellbach, Waiblingen, Kornwestheim und eben Remseck um einen Ausweg aus der immer größer werdenden Verkehrsbelastung gerungen. Bei der Frage nach dem Wie gehen die Interessen jedoch weit auseinander. Nicht nur Regierungspräsidium (RP) und Verkehrsministerium verfolgten eigene Pläne, auch zwischen den betroffenen Orten gibt es Differenzen.

So wehren sich etwa Fellbach und Kornwestheim gegen das Konzept eines Nord-Ost-Ringes, weil die dafür nötige Brücke in der Nähe von Remseck-Aldingen und Stuttgart-Mühlhausen verlaufen und ihnen damit – wie sie befürchten – noch mehr Verkehr auf die Markung spülen würde. Anders sehen das die Initiativen in Waiblingen und Remseck: Sie wären froh über den Nord-Ost-Ring. Sie befürchten darum den Bau einer als Alternative dazu geplanten Westrandbrücke – und haben dafür am Samstag zu dieser Protestaktion an das Neckarufer beim Remsecker Schlossberg geladen. Tatsächlich waren viele der unmittelbar Betroffenen sowie Bürger aus Waiblingen der Einladung gefolgt.

Die Kritiker fühlen sich schlecht informiert

„Wir möchten erreichen, dass es dazu einen Bürgerentscheid gibt“, sagt Otto Sudrow, der Schriftführer der Veranstalter von „Wir für morgen!“. Die Initiative wünscht sich mehr Informationen vom RP und der Stadt Remseck. „Die Verwaltung spielt nicht mit offenen Karten“, schimpft Sudrow. Wiederholt habe man um die Pläne für die Westrandbrücke gebeten, sei aber immer wieder abgespeist worden. Mit der Ansage, es gebe noch keine Konzepte.

Doch jetzt glaubt sich die Initiative im Besitz von zwei möglichen Varianten für die Westrandbrücke. „Wie wir an die Pläne gekommen sind, sagen wir lieber nicht“, meint der Sprecher der Initiative. Auf Basis dieser Entwürfe hat die Bürgerinitiative Animationen einer künftigen Bebauung erstellen lassen und die Dimensionen für die Ballonaktion errechnet. Die Stuttgarter Firma Pittsballon hat 40 Gasballons mit einem Durchmesser von 90 Zentimeter so in Reihe gehängt, dass jeder zumindest eine Vorstellung von den zu erwartenden Veränderungen bekommen konnte.

„Wir sind geschockt“, sagte ein Anwohner. „Wenn das kommt, können wir hier wegziehen.“ Schon jetzt fahren täglich etwa 35 000 Autos über die Landesstraße nach Fellbach-Oeffingen. Für die Brücke müsste die Straße weiter ausgebaut werden.