Während die Besucher ins Uditorium strömten, sammelten sich in einem abgesperrten Bereich auf dem Parkplatz vor dem Veranstaltungsort knapp 40 Personen, die dem Aufruf der AfD zu einer Demonstration gefolgt waren und Deutschlandfahnen schwenkten. Sie begrüßten Karl Lauterbach mit einem Pfeifkonzert. So richtig gelang es den Rednern der AfD aber nicht, die Menge anzuheizen. Dafür gab es viel Applaus, als Baehrens den Gesundheitsminister begrüßte.
Mehr Kompetenzen für Pflegekräfte
Bei der Podiumsdiskussion kündigte Karl Lauterbach Gesetze zur besseren Umsetzung der Digitalisierung in der Medizin an. Im Mittelpunkt sieht er die Elektronische Patientenakte (ePa), die endlich „Standard“ werden müsse, ein Gesetz zur Nutzung von Gesundheitsdaten und gesetzliche Regelungen, die dafür sorgen, dass Deutschland nicht nur als Standort für die medizinische Grundlagenforschung an der Spitze liegt, sondern die Ergebnisse der Forschung dann auch im Land umgesetzt werden. Zudem sollen Pflegekräfte mehr Kompetenzen erhalten, um den Beruf attraktiver zu machen. „Hier freut es mich, dass auch die anwesenden Ärzte zustimmend nicken“, sagte Heike Baehrens.
Einer davon war Marc Lux, der Vorsitzende der Göppinger Kreisärzteschaft. Er betonte die Bedeutung der passenden Softwarelösungen für die Arztpraxen vor Ort, „es ist mir ein großes Anliegen, dass die Schnittstellen harmonisiert werden und die Datensicherheit gewährleistet ist“, berichtete der Heininger Hausarzt.
Ingo Hüttner, der medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken (AFK) schilderte die Vorteile, die es bislang schon durch die digitale Erfassung von Daten gibt. Dennoch kämpft auch die Göppinger Klinik damit, dass vorhandene Informationen nicht immer von einem System in das andere übernommen werden können. „Wir haben eine ausgezeichnete digitale Erfassung beim Rettungsdienst, müssen dann aber in der Notaufnahme die Daten noch einmal per Hand erfassen“, erläuterte er ein Beispiel.
Für Klinken ein „wesentliches strategisches Thema“
Hüttner betonte, wie wichtig es sei, dass die Elektronische Patientenakte auch die Ergebnisse von Verfahren wie MRT oder Röntgen enthält. Gleichzeitig zeigte der Geschäftsführer der AFK die Möglichkeiten auf, die der Neubau der Klinik am Eichert für die digitale Medizin bietet. „Die Digitalisierung ist für uns ein wesentliches strategisches Thema“, erzählte Hüttner. An den Gesundheitsminister gerichtet betonte Hüttner die Bedeutung einer gesicherten Finanzierung für die Kliniken, um diese Investitionen in die Zukunft zu ermöglichen. „Wir stehen mit der Digitalisierung am Anfang, merken aber bereits jetzt die Erleichterung, die der Einsatz von Handys und Tablets bringt“, berichtete Silke Breuninger, Regionaldirektorin der Evangelischen Heimstiftung, von den Erfahrungen in der ambulanten Pflege. Sie räumte auch mit dem Vorurteil auf, dass Senioren nicht mit der Technik umgehen könnten oder wollten. „Wir brauchen andere Oberflächen mit größeren Icons. Aber wenn man die Hochbetagten mitnimmt, die Anwendung erklärt und sich genügend Zeit nimmt, können sie sehr viel.“ Als Wunsch an Karl Lauterbach richtete Silke Breuninger: „Vergessen Sie die Pflege nicht“. Zudem solle bei der E-Patientenakte daran gedacht werden, dass auch die Pflegekräfte Leserechte bekämen.
Nach der Diskussion der Praktiker aus der Region mit dem Gesundheitsminister, die von Heike Baehrens moderiert wurde, konnten die Zuhörer im Uditorium Fragen stellen. Dabei ging es vor allem um die Sicherheit der Gesundheitsdaten in der E-Patientenakte. „Der Patient entscheidet, welche Daten der Arzt, die Pflegenden oder die Apotheke einsehen kann und gibt diese selbst frei“, erläuterte Lauterbach.
Nach der Veranstaltung im Uhinger Uditorium hatte sich gegenüber der Halle eine Gruppe von Demonstranten versammelt, die auf Plakaten „Demokratie statt Scholz & Co.“ forderten und die Abfahrt des Bundesgesundheitsministers mit Rufen störten.
Pilotprojekt zur Digitalisierung in der Altenpflege
Überblick
Beim Markt der Möglichkeiten in Foyer des Uditoriums zeigten Anbieter aus dem Kreis Projekte und Entwicklungen zum Einsatz der Digitalisierung im Gesundheitsbereich.
Pilotprojekt
Die Wilhelmshilfe als Träger von Pflegeeinrichtungen für Senioren und der Softwareentwickler Teamviewer aus Göppingen präsentierten ein Pilotprojekt zum Einsatz von Augmented Reality in der Pflege. Mit einer Datenbrille wurde getestet, wie die Mitarbeitenden entlastet werden können, indem zum Beispiel die Dokumentation digital erfolgt.