Zwei Stuttgarter Bundesligaclubs
In der am kommenden Wochenende beginnenden Premierensaison der Futsal-Bundesliga wird Fischer das Trikot des Stuttgarter Futsal Clubs 2020 tragen. Der 31-Jährige wechselte vor Kurzem vom deutschen Meister TSV Weilimdorf zum Aufsteiger und Lokalrivalen. „Ich möchte mithelfen, diesen jungen Verein weiterzuentwickeln und damit auch die gesamte Sportart“, sagt Fischer. Der Futsal-Nationalspieler ist nicht der einzige Neuzugang des Emporkömmlings. Fünf weitere Nationalspieler konnten verpflichtet werden. Der prominenteste ist der Torwart Miodrag Aksentijevic vom europäischen Spitzenclub ACCS Paris. Er ist weltweit einer der Topstars der Branche und gilt als Europas bester Keeper.
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Wenn solch ein Hochkaräter nun in Stuttgart zwischen den Pfosten steht, drängt sich die Frage auf: Was lässt sich mit Futsal verdienen? Die weltbesten Spieler in Südamerika oder Spanien kommen auf ein Jahresgehalt von über 500 000 Euro. Und in Deutschland? Manuel Fischer muss grinsen. Natürlich lässt er keine konkreten Zahlen raus. Er sagt nur: „Wir sind Futsal-Entwicklungsland, aber der Aufwand geht Richtung Fußball-Bundesliga. Sechs- bis siebenmal pro Woche ist Training.“ Bei seinem neuen Club zweimal davon am Vormittag. Der gebürtige Aalener macht nebenbei eine Ausbildung zum Erzieher. Auch die allermeisten anderen Futsalspieler arbeiten nebenbei einen halben Tag oder zumindest stundenweise.
Spieler kommen vom Balkan
Meistens in Unternehmen von Vereinsfunktionären. Auch Michael Bachmann, Spielleiter beim TSV Weilimdorf, hat manche der zum allergrößten Teil vom Balkan stammenden Spieler in seiner Firma beschäftigt. „In Kroatien oder im Kosovo ist man als Normalsterblicher dreistellige Monatsgehälter gewohnt, deshalb ist Deutschland so interessant. Die Spieler bringen Herzblut für ihren Sport mit, bekommen eine Arbeitsstelle und können die Sprache lernen“, erläutert Bachmann den Anreiz.
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Beim Stuttgarter Futsal Club dreht der Unternehmer Miro Augustinovic (Bauwerkinstandsetzung, Fußbodensanierung) mit kroatischen Wurzeln am großen Rad. Er ist in Personalunion Präsident und Gönner und soll laut Insidern der Branche schon gut eine Viertel Million Euro in den Verein gepumpt haben. Wolfram Bunz, der Marketingchef des Clubs, will sich grundsätzlich zu Zahlen nicht äußern. Er nennt seinen Verein aber „Hoffenheim light“ und sagt, „unser Präsident mit seinem großen Netzwerk ist die treibende Kraft“, ein Dietmar Hopp des Futsals sozusagen.
Deshalb darf davon ausgegangen werden, dass der Stuttgarter Königstransfer Miodrag Aksentijevic wohl kaum unter einem Monatsgehalt von geschätzten 4000 Euro spielen wird. Der Rest des Teams dürfte mit geschätzten Beträgen zwischen 1500 und 2500 Euro entlohnt werden. Entsprechend hoch sind die Ansprüche: „Wir wollen der erste deutsche Bundesliga-Meister im Futsal werden“, sagt Bunz.
Heimspielstart in großen Arenen
Insgesamt befindet sich die Sportart aber immer noch in einer Art Findungsphase. „Wir stehen aktuell da, wo der Fußball im Jahr 1963 war“, sagt Michael Bachmann. Der Weltverband Fifa wittert schon seit Jahren einen riesigen Markt für Futsal – vor allem in Asien. In Deutschland geht es mit kleinen Schritten voran. Erst seit 2016 gibt es eine Nationalmannschaft, nun folgt die Einführung der Bundesliga.
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Bei den Stuttgarter Clubs wird der gestiegenen Professionalität Rechnung getragen: Der TSV Weilimdorf trägt sein erstes Heimspiel an diesem Samstag (18 Uhr) gegen Berlin 1894 im Sindelfinger Glaspalast aus, wo auch die Champions-League-Qualifikationsspiele über die Bühne gingen. Der Stuttgarter Futsal Club 2020 wagt für seine Premiere am Samstag (18.30 Uhr) gegen den VfL 05 Hohenstein-Ernstthal sogar den Sprung in die noch größere Porsche-Arena, wo der Verein gut 1000 Zuschauer erwartet. „Die Scharrena wäre eigentlich unser Wunschspielort“, sagt Bunz. Doch dort gehen am Wochenende die deutschen Judo-Meisterschaften über die Bühne.