Bundestagskandidat Christian Lange (SPD) Hoffen auf die Merkelmüdigkeit

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Am Herzensort der Kandidaten: Im Helferhaus verbinden sich für Christian Lange (SPD) Tradition und Moderne auf vorbildliche Weise. Der Staatssekretär hat schon seine fünfte Amtsperiode im Bundestag im Blick.

Backnang - Der Heimat- und Kunstverein Backnang ist für Christian Lange nicht nur ein Zusammenschluss von Menschen mit einem „bemerkenswerten Engagement“, sondern auch ein „gutes Beispiel, wie sich Tradition und Moderne gut verbinden“ lassen. Das Helferhaus auf dem Stiftshof ist Teil eines Ensembles in der Backnanger Altstadt, das der 53-Jährige besonders schätzt, seit er vor rund 20 Jahren seinen privaten Lebensmittelpunkt in die Murrstadt verlegt hat.

„Die da oben“ machen, was sie wollen

Aufgewachsen ist Lange in Waiblingen. Als Mitglied in der Schülermitverwaltung und der Theater-AG des Staufergymnasiums sowie als Chefredakteur der Schülerzeitung sei er quasi automatisch politisch interessiert gewesen, sagt er. Als Helmut Kohl 1982 aber nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen den amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmid zum neuen Regierungschef bestimmt wurde, war das auch für Christian Lange ein einschneidendes Erlebnis. Einen Bundeskanzler ohne Volkswahl zu bestimmen – „ich hatte das Gefühl, die da oben machen, was sie wollen“, sagt Lange. Er beschloss, sich selbst irgendwie einzumischen, ließ sich verschiedene Parteiprogramme zuschicken und klingelte schließlich an der Geschäftsstelle der SPD in der Waiblinger Bahnhofstraße, um der Partei beizutreten.

Das ist jetzt fast 35 Jahre her und Lange gehört mittlerweile selbst zu jenen „da oben“. Lange Jahre ist er der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion gewesen, mitten in der „Schaltzentrale des Parlamentsbetriebs“, wie er selbst sagt. Dort hat er zunächst dem Fraktionschef Peter Struck gedient, dann dem heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Jetzt ist er Staatssekretär im Justizministerium.

Sein Einstieg im Bundestag sei kein leichter gewesen, sagt Lange rückblickend. Als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer sollte er unter der Regierungsverantwortung mit Gerhard Schröder als Kanzler gleich über einen Bundeswehreinsatz auf dem Balkan mitentscheiden. Apropos Schröder: Christian Lange ist „froh, dass wir ihn hatten. Von seinen Reformen profitieren wir noch heute“. Dass diese unlängst noch durch den Mindestlohn und die abschlagsfreie Rente mit 63 für lang Berufstätige komplettiert wurde, sind für Lange Errungenschaften seiner Partei, für die es sich zu kämpfen gelohnt habe. Gerade in Sachen Rente habe er viele positive Rückmeldungen vor Ort bekommen. „Die Leute haben sich bedankt.“

Schulz-Hype macht Hoffnung

Dennoch steckt seine Partei – von einem kurzen Schulz-Hoch abgesehen – in einem Umfragetief, das will Christian Lange nicht verhehlen. Doch der zwischenzeitliche Hype nach der Nominierung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz habe gezeigt, dass es auch anders herum gehen könne. Die Bürger seien nämlich Merkel-müde, glaubt Lange, ganz so wie nach der langen Regierungszeit ihres Vorgängers Helmut Kohl.

Anders als etwa die vermeintliche Alternative für Deutschland dürfe man die Ängste der Menschen nicht instrumentalisieren, sondern sie ernst nehmen und Antworten auf offene Fragen zu Themen wie Rente oder Innere Sicherheit geben. Das gelte natürlich auch für die Flüchtlingsfrage: „Wir müssen die Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen.“

Nord-Ost-Ring? Untauglicher Wiederbelebungsversuch

Und vor der eigenen Haustüre? Da will auch ein SPD-Mann mit Straßenbau punkten, wenn es sich schon mal anbietet. Die lang ersehnte Ortsumfahrung von Winnenden sei unter der Regierungsverantwortung seiner Partei realisiert worden, betont Christian Lange. Und auch wenn das Bundesverkehrsministerium in CDU-Hand und in Staatssekretär Norbert Barthle mittlerweile mit seinem direkten Wahlkreiskonkurrenten besetzt ist – die Finanzierung des weiteren vierspurigen B-14-Ausbaus sei in der großen Koalition entschieden worden, stellt Lange ausdrücklich klar. Dass jetzt auf Initiative des Unionslagers über einen Nord-Ost-Ring diskutiert wird, hält er hingegen für „einen untauglichen Wiederbelebungsversuch“.

Doch darüber werde am 24. September nicht abgestimmt. Auch persönlich muss sich Christian Lange über das Ergebnis kaum große Sorgen machen. Es müsste schon viel passieren, wenn Platz zwei auf der Landesliste für den Wahlbacknanger nicht ausreichen würde. Dessen Ziele sind freilich weit höher gesteckt. Lange zitiert da gerne seinen früheren Parteichef Franz Müntefering: „Opposition ist Mist.“




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