Bundestagswahl Per Sprungseil über die Fünfprozenthürde

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Renata Alt geht für die FDP im Wahlkreis Nürtingen ins Rennen. Wirtschaftspolitik und die Europäische Union sind Schwerpunkte der 47-Jährigen, die als Prager Diplomatin in München gearbeitet hat und jetzt in Kirchheim lebt.

Renata Alt schöpft Kraft aus Musik und der Stille der Natur. Alle Kandidaten des Wahlkreises Nürtingen im Überblick sehen Sie in der folgenden Fotostrecke. Foto: Horst Rudel 5 Bilder
Renata Alt schöpft Kraft aus Musik und der Stille der Natur. Alle Kandidaten des Wahlkreises Nürtingen im Überblick sehen Sie in der folgenden Fotostrecke. Foto: Horst Rudel

Kirchheim - Aufgeräumt und hell ist die Wohnung. Renata Alt öffnet. Barfuß bewegt sich die groß gewachsene blonde Frau durch die Räume. Links an der Terrassentür steht ein weißes Klavier. Es ist einer von drei ihr wichtigen Gegenständen, die sich die FDP-Kandidatin für die Bundestagswahl im Wahlkreis Nürtingen hat heraussuchen sollen. „Das Piano begleitet mich seit dem Tag meiner Geburt“, sagt die 47-Jährige, die morgen 48 wird. Der Vater spielt Piano, ihr Mann spielt Piano, und sie selbst greift ebenfalls in die Tasten.

Darüber hinaus versteht die Liberale auch, auf der politischen Klaviatur zu spielen. Renata Alt arbeitet in den FDP-Landesausschüssen Europa sowie Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik. Zudem ist sie im FDP-Bundesfachausschuss Internationale Politik vertreten. Ihren Schwerpunkt legt die Politikerin auf die Europapolitik. Scheitert beim Tauziehen zwischen Schuldenstaaten im Süden und Sparkommissaren im Norden die Vision von einem geeinten Europa? Renata Alt sieht keine Alternative zum Euro: „Alleine kann Deutschland sicher nicht mehr die Position erreichen, wie es zu D-Mark-Zeiten noch der Fall gewesen ist. Ich bemühe mich, die Vorurteile, die es auf beiden Seiten gibt, abzubauen und auf eine Verständigung der Kulturen hinzuwirken“, erklärt Renata Alt. Nur wenn die Mitgliedstaaten an einem Strang ziehen, könne sich Europa in der globalisierten Weltwirtschaft behaupten. Dazu braucht es vor allem politischen Willen, ist Renata Alt überzeugt.

Bisher hat Alt noch kein Mandat gehabt

Diplomatie ist eine der Stärken der 47-Jährigen. Vor elf Jahren schickte das Auswärtige Amt in Prag Renata Alt nach München, um im Generalkonsulat als Wirtschaftsattaché in Diensten der tschechischen Regierung zu arbeiten. Ein Jahr zuvor hatte sie beim damaligen tschechischen Außenhandelsministerium begonnen. Renata Alt spricht perfekt Deutsch mit leichtem Akzent. Ihr Vater, von Beruf Handelsdirektor, legte großen Wert auf die Ausbildung seiner Tochter. Im Alter von fünf Jahren bekam Renata Alt nicht nur Musikunterricht, sie lernt auch an einer Privatschule Deutsch. Nach dem Abitur studiert sie in Bratislava Lebensmittelchemie und Biotechnologie. Die Chemie-Ingenieurin arbeitet anschließend im Außenhandel, ihr Transportmittel ist das Flugzeug. Die Geschäftsreisen lassen wenig Raum und Zeit für Sport. Um dem Bewegungsdrang dennoch nachzugeben, hat Renata Alt immer ein Sprungseil im Gepäck, das sie im Hotelzimmer schwingt – der zweite für Renata Alt wichtige Gegenstand. Das Sportgerät ist gleichzeitig ein Sinnbild für die Herausforderung, der sich die liberale Partei gegenübersieht. Renata Alt ist optimistisch, dass die FDP am 22. September über die Fünfprozenthürde springt und damit erneut in den Bundestag einzieht. „Die Chancen, dass die FDP reinkommt, sind da“, sagt die Kandidatin selbstbewusst.

Ein politisches Interesse verfolgt Renata Alt schon seit kommunistischen Zeiten. „Politik war schon immer mein Hobby“, sagt sie. An politischer Erfahrung fehlt es ihr jedoch noch ein wenig. Bisher hat sie noch kein Mandat gehabt, weder auf kommunaler noch auf Landes- oder Bundesebene. Im Jahr 2009 trat sie in die FDP ein, weil diese „für mich persönlich die glaubwürdigste Partei ist“. Renata Alt ist die „Freiheit an sich“ ein wichtiger Wert, Bevormundungen lehnt sie ab.

„Kommando-Politik“ lehnt Renata Alt ab

Ein negatives Beispiel für erzwungene Politik ist für sie die Energiewende. Grundsätzlich begrüße sie den Wechsel weg von der Kernenergie und hin zu den alternativen Energiequellen. Doch die Rigidität, mit der namentlich die Grünen den Paradigmenwechsel durchsetzen möchten, lehnt Renata Alt als „Kommando-Politik“ ab.

„Dabei bin ich schon gefragt worden, ob ich in der falschen Partei bin“, sagt die Liberale, denn Renata Alt liebt das Grün der Natur. Draußen auf ihrer Terrasse wachsen Rosen, die ihr wichtig sind. „Die Rosen hatte meine Großmutter immer im Garten.“ Die Wiese beim Ferienhaus ihrer Eltern hat Renata Alt in der alten Heimat zurückgelassen. Heute sucht sie die Stille der hiesigen Wälder. Aus diesen Spaziergängen schöpft die Kandidatin Kraft – und aus der Musik Tschaikowskys oder Vivaldis.




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