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Buzz Rodeo Buzz, Buzz, sie brauchen Buzz

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Buzz Rodeo sind Noise-Rock-Nostalgiker, unglaublich laut – und jetzt mit zweitem Album auf Tour. Warum missachtet Stuttgart diese außergewöhnliche Band?

Buzz Rodeo (Helge Gumpert, Ralph Ralph und Daniela Schübel) in ihrem Proberaum in Stuttgart vor eigenen und fremden Plakaten. Weitere Eindrücke zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 6 Bilder
Buzz Rodeo (Helge Gumpert, Ralph Ralph und Daniela Schübel) in ihrem Proberaum in Stuttgart vor eigenen und fremden Plakaten. Weitere Eindrücke zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Der Proberaum von Buzz Rodeo ist nichts für Buchladen-Singer/Songwriter. Die B10, die unweit vom LKA auch in das ehemalige Bürogebäude hineinlärmt, macht jede Art von Innerlichkeitsmusik an diesem Ort unmöglich. Für kompromisslosen Noiserock, der aus großen Verstärkern und Boxen kommt, ist dieser Ort hingegen perfekt geeignet – genauso wie der Musikbunker unter dem Marienplatz.

Diese beiden Orte sollte man kennen, wenn man sich Buzz Rodeo nähern will. Im Bunker haben sie ihr zweites Album „Combine“ binnen weniger Tage vornehmlich mit One-Takes aufgenommen, in dem heruntergerockten Proberaumhaus bereiten sie sich auf ihre Tour vor. Die führt sie einmal quer durch Europa, von Belgien und Frankreich bis nach Polen, wo das Trio beim Label Antena Krzyku veröffentlicht – und ins Vereinigte Königreich. Die Termine dort habe er selbst gebucht, erzählt der Gitarrist und Sänger Ralph stolz. Sogar in der Windmill in Brixton, einem seiner absoluten Lieblingsclubs, haben Buzz Rodeo jetzt gespielt.

Üppiges Vinyl, eigene Poster

Ja, es geht viel um Eigeninitiative – bei Buzz Rodeo wie auch in der Noiserockszene. DIY lautet das Motto – was in dem Fall heißt, dass viele für Buzz Rodeo etwas machen, Plakate zum Beispiel, sogar für einzelne Konzerte. „In der Noiserock- und Post-Punk-Szene war das Gang und Gäbe“, erzählt Ralph. Bei den Nostalgikern von Buzz Rodeo ist es das jetzt wieder, gestaltet von Szenegrößen wie Igor Hofbauer oder Uwe Büchele. Bei der Gestaltung ihrer Platten macht der Stuttgarter Band eh keiner was nach: das erste Album „Sports“ kam mit unterschiedlichen Plaketten im Karton, der Nachfolger als zweifarbiges Vinyl. Man müsse sich ja irgendwie haben, findet die Band.

Das tut sie aber eigentlich auch musikalisch. Ralph Ralph schreit in jedem Song, als gehe es um sein Leben – die Texte sind übrigens weitgehend dadaistisch, sagt er selbst. Helge Gumpert spielt dazu einen trockenen, immer irgendwie tanzbaren und doch schweren Beat, am Bass hält Daniela Schübel das alles seit neuestem zusammen. Wer damals dabei war, den erinnert die Musik an das, was in den Neunzigerjahren auf Amphetamine Records erschienen ist. Buzz Rodeo wissen, dass das Genre Rockmusik „so ein Geschmäckle hat“, aber Noise Rock trifft’s eben am besten – oder eben Referenzen zu Bands wie Shellac und Unsane.

Die Nerven? „Man ignoriert sich“

A propos Noiserock – gibt es da nicht auch noch diese Band namens Die Nerven? Oder Human Abfall? „Man ignoriert sich“, sagt der Schlagzeuger Helge Gumpert. Hat die Band sonstwie Freunde in Stuttgart, ein Netzwerk? „Ich geh dann besser“, bellt Ralph Ralph – bleibt dann aber doch und erzählt von Gigs im Komma, in der Manufaktur Schorndorf und, hergehört, in der Kiste. Alle so 40, 45 Minuten, am liebsten ganz ohne Ansagen, länger hält man den Lärm eh nicht aus, die Gigs sollen schließlich intensiv sein. Aber halt eher anderswo als hier im Gäu. „Aus unseren bisherigen Konzerten haben wir die Lehre gezogen, dass man überall mehr Lust auf unsere Musik hat als in Deutschland“, sagt der Schlagzeuger Helge Gumpert.

Ja, man kann sagen, dass Stuttgart diese außergewöhnliche Band weitestgehend missachtet. Derzeit ist hier kein Auftritt geplant. Nicht mal in den hiesigen Plattenläden findet man Buzz Rodeo mangels Deutschlandvertriebs. „Liebe Stuttgarter Plattenhändler, schreibt uns an!“, fordert die Band daher. Selbst hingehen – nee, so weit reicht die DIY-Idee auch wieder nicht. Vielleicht müsste die Band sich etwas mehr anbiedern, um in der Heimat anerkannt zu werden. Vielleicht sollte es eher andersherum sein, sollte jeder Rock-Booker die Band mit Kusshand auf die Bühne stellen. Vielleicht passt es am besten zur Band, wenn sie im Off agiert oder eben im Ausland.

Jedenfalls bleiben Buzz Rodeo zumindest in Stuttgart so etwas wie ein Riese, der im Verborgenen immer weiter wächst – in Bunkern oder einem Proberaum mit Bundesstraßenblick. Trotzdem, oder gerade deshalb: etwas mehr Buzz,bitte!

 

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