Cannabis-Legalisierung in den USA Kiffer sollen für tödliche Unfälle verantwortlich sein

Von sw 

Durch die Legalisierung von Marihuana sollen drastisch mehr Fußgänger bei Verkehrsunfällen sterben, wie eine neu veröffentlichte Studie in den USA nahe legt. Was ist an der Annahme dran?

In ingesamt neun Bundesstaaten ist der Konsum und Erwerb von Marihuana legal. Foto: AP
In ingesamt neun Bundesstaaten ist der Konsum und Erwerb von Marihuana legal. Foto: AP

Stuttgart - Spätestens in der Fahrschule wird angehenden Verkehrsteilnehmern eine Sache klargemacht: Wer unter dem Einfluss von Alkohol oder sonstigen Drogen am Verkehr teilnimmt, riskiert das Leben seiner Mitmenschen. In den USA kam eine neue Studie einer gemeinnützigen Vereinigung für Verkehrssicherheit zu einem interessanten Ergebnis, wie die New York Times berichtet. Vor allem eine Erkenntnis sorgte auf der anderen Seite des Atlantiks für breite Aufmerksamkeit: In den amerikanischen Bundesstaaten, in denen der Konsum von Marihuana legalisiert wurde, ist die Zahl der tödlichen Unfälle mit Fußgängern stärker gestiegen als in anderen Regionen. Zufall?

In neun Bundesstaaten ist der Konsum von Marihuana legal

Während die Zahl der getöteten Fußgänger im Rest des Landes um sechs Prozent zurückging, vermeldeten die Bundesstaaten mit Cannabis-Legalisierung einen Anstieg der Todesfälle um mehr als 16 Prozent. Mit Ausnahme von Washington D.C. wurde die Droge in all diesen Staaten zwischen 2012 und 2016 für legal erklärt. Die Annahme liegt nahe, dass unter Drogeneinfluss stehende Fußgänger für den sprunghaften Anstieg mitverantwortlich sind. Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse Wasser auf den Mühlen der Trump-Regierung, welche die Freigabe der Droge stoppen möchte. Dabei hatte erst Anfang des Jahres Vermont als insgesamt neunter Bundesstaat die Legalisierung von Marihuana als Genussmittel durchgesetzt. Den Staaten ist das erlaubt, auf Bundesebene ist die Droge jedoch immer noch verboten.

Hierbei muss allerdings zwischen der prozentualen Zunahme und den absoluten Zahlen unterschieden werden. Laut der Studie der Governors Highway Safety Association ist die Zahl der tödlich verunglückten Passanten in Nevada im Vorjahresvergleich um mehr als 19 Prozent gewachsen. Das klingt im ersten Moment drastisch, aber die Zahlen sind nicht sehr hoch. 2016 starben dort 36 Menschen – ein Jahr später waren es im selben Zeitraum 43. Dazu kommt, dass die Erhebung die Frage unbeantwortet lässt, ob Autofahrer oder Fußgänger vor dem Unfallhergang gekifft haben.

Der Autor der Studie sieht den Anstieg nicht als unmittelbare Folge

Richard Retting, der Autor der Studie, macht indes keine direkte Ursache-Wirkung-Kette zwischen dem beunruhigenden Anstieg der Todesfälle und der Legalisierung von Marihuana aus. „Die Daten geben aber Anlass zur Sorge“, sagte Retting gegenüber der New York Times. Zum Thema Alkohol spricht die Statistik eine deutliche Sprache: Bei einem Drittel aller tödlichen Unfälle von Fußgängern waren diese alkoholisiert. Überhaupt wuchs die Zahl der tödlichen Zusammenstöße mit Passanten von 2007 bis 2016 in den USA um 27 Prozent, während die der anderen Verkehrsunfälle mit Todesfolge um 14 Prozent sank.

Fußgängern in Deutschland passiert statistisch gesehen weniger

Laut dem Statistischen Bundesamt ging die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Fußgänger in Deutschland 2017 um 6,4 Prozent zurück. Auf eine Million Einwohner kommen hierzulande pro Jahr etwa sechs tödliche Unfälle. Ursachen der Unfälle mit Passanten sind in den allermeisten Fällen falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn – eine mögliche Verbindung zum Einfluss berauschender Mittel lässt sich nicht belegen. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat berücksichtigt in seinen Statistiken nur die Unfälle unter Alkoholeinfluss, nicht aber von Cannabis oder anderen Drogen.

Von den acht Verkehrstoten 2016 in Stuttgart waren fünf Fußgänger. Drei davon wurden von Autos tödlich verletzt, zwei beim Überqueren der Gleise von der Stadtbahn erfasst. Ein 55-Jähriger, der in der Schlossstraße einen tödlichen Stadtbahn-Unfall erlitt, war nachweislich betrunken. Ein Einfluss anderer Drogen ist bei den acht Fällen nicht bekannt.

Smartphone-Nutzung spielt eine große Rolle

Am Mittwoch legte Baden-Württembergs Innenminister Tobias Strobl (CDU) die Unfallstatistik des vergangenen Jahres vor. Neben dem Anstieg der Verkehrsunfälle um 3,7 Prozent, wurde auch die Smartphone-Nutzung als Ursache für vermehrte Unfälle genannt. Außerdem nehme der Verkehr im Land seit Jahren generell zu und durch die höhere Zahl an Verkehrsteilnehmern würden auch mehr Unfälle passieren.

Zwei Gründe, die auch der US-Amerikaner Retting als Erklärung für den sprunghaften Anstieg der Todesfälle nennt. Manche nordamerikanischen Metropolen haben bereits sogar Gesetze erlassen, welche das Überqueren von Straßen mit einem Smartphone in der Hand verbieten.