Autohaus Krautter in Stuttgart Stadt bremst beim lokalen Carsharing

Von Mathias Kuhn 

Carsharing ist ein wichtiges Mittel gegen Verkehrschaos. Statt Gas zu geben, bremst die Stadtverwaltung jedoch das Autohaus Krautter, das ein Sharingsystem für die Oberen Neckarvororte aufbauen will.

Auf einem der vier Taxiparkplätze  könnte sich Autohaus-Chef Markus Krautter  einen Carsharing-Platz vorstellen. Foto:  
Auf einem der vier Taxiparkplätze könnte sich Autohaus-Chef Markus Krautter einen Carsharing-Platz vorstellen. Foto:  

Untertürkheim - Es gilt unter Mobilitätsexperten als eines der effektivsten Mittel gegen das Verkehrschaos in den Großstädten: Carsharing. Statt ein eigenes Auto zu besitzen, den Fuhrpark mit anderen zu teilen, findet nicht nur die jüngere Generation chic. Die Daimler-Tochter Car2go hat mit ihrem Pilotversuch in Stuttgart zur Akzeptanz dieses Modells beigetragen. Vergangenen Herbst gab das Unternehmen allerdings bekannt, dass es sein Geschäftsgebiet verkleinert. Etliche Stadtteile in den Außenbezirken wurden ausgeklammert. In Rotenberg, Rohracker, großen Teilen von Hedelfingen, Frauenkopf, Mühlhausen, Mönchfeld und Hofen dürfen keine Car2go-Fahrzeuge abgestellt werden. Die aus wirtschaftlicher Sicht verständliche Begründung des Unternehmens: Die Fahrzeuge standen dort oft zu lange ungenutzt. Der Carsharing-Anbieter will seine Flotte jetzt stärker in der Innenstadt anbieten. „Und die Außenbezirke, in der das öffentliche Nahverkehrsnetz dünner ist, werden abgehängt“, klagten die Bezirksbeiräte.

Das Autohaus Krautter will mit einem lokalen Konzept in die Bresche springen. Im Untertürkheimer, Wangener und Hedelfinger Bezirksbeirat hat Autohauschef Markus Krautter es bereits vorgestellt und Zustimmung erfahren. Im Oktober wird er es den Obertürkheimern erklären. Ford – seit Jahren Partner des Autohauses Krautter – hat mit Flinkster bereits eine Kooperation. Auf diesem System basierend will Krautter ein eigenes Carsharing-Netz für die Oberen Neckarvororte knüpfen.

Anders als bei Car2go handelt es sich dabei nicht um ein Free-Flow-System, bei dem die Nutzer das Auto überall im Geschäftsgebiet parken können, sondern um ein stationsbasierendes. Die Kunden müssen das ausgeliehene Fahrzeug an einem festen Standort abholen und dort auch wieder parken. „Deswegen ist die Sharing-Gebühr auch wesentlich günstiger als beim Free-Flow-System“, so Krautter. Er ist sich sicher, dass der Bedarf besteht. In den vier Stadtbezirken der Oberen Neckarvororte will er mit je einem Fahrzeug starten, kann sich aber vorstellen, den Versuch auszubauen. Hedelfingens Bezirksbeiräte brachten Rohracker ins Spiel. Voraussetzung für den Erfolg ist aber, dass die Stadt dem lokalen Anbieter einen zentralen, öffentlichen Stellplatz zur Verfügung stellt. Die Wangener Bezirksbeiräte haben einen Taxiplatz an der Wangener Kelter ins Auge gefasst. In Hedelfingen würde sich ein Parkplatz im Bereich des Hedelfinger Platzes anbieten und die Untertürkheimer denken über einen Standort vor dem Bahnhof in der Arlbergstraße nach. Die Unterstützung vonseiten der Bezirksbeiräte sowie der CDU-Gemeinderatsfraktion ist groß. Die CDU-Stadträte baten die Stadt, notwendige Stellplätze zur Verfügung zu stellen.

Stadt will Carsharing eigentlich fördern

In der Sitzung des Wangener Bezirksbeirats las Bezirksvorsteherin Beate Dietrich die Stellungnahme der Stadt vor. Auch die Mobilitätsexperten der Stadt sehen, „die Förderung von Carsharing als ein verkehrspolitisches Ziel der Stadt.“ Eine Studie bestätige ein großes Potenzial für den Ausbau der Sharing-Flotte. Die Stadt erstelle gerade eine Strategie des stationären Carsharings im öffentlichen Raum. „Im Rahmen eines Pilotprojektes werden derzeit in einem ersten Schritt zehn öffentliche Pkw-Stellplätze in der Innenstadt als Carsharing-Stellplätze bereit gestellt. In einem zweiten Schritt sollen weitere öffentliche Stellplätze auch in anderen Stadtbezirken für Carsharing zur Verfügung gestellt werden,“ heißt es im Schreiben. Bis zum Abschluss des Pilotprojekts und der Fertigstellung eines Carsharing-Konzepts würden keine weiteren Standorte im öffentlichen Raum für Carsharing-Anbieter bereit gehalten. Der Versuch soll bis Ende 2018 gehen und muss dann ausgewertet werden. Danach würden erst die Interessenten gehört. „Auf diese Art wird das Engagement eines Privatunternehmens ausgebremst“, meinte Wangens CDU-Bezirksbeirat Marijan Laszlo.

Denn Krautter steht in den Startlöchern. Er wirbt seit mehr als einem Jahr für seine Idee. Sie wäre in acht bis zehn Wochen umsetzbar. Er ist bereit, in das Projekt Geld zu investieren. „Bei den Bezirksbeiräten stoße ich auf viel Zuspruch und auch Stadtplaner Andreas Hemmerich gefiel das Konzept. Von den zuständigen Mitarbeitern in der Verwaltung hat sich bei mir aber keiner gemeldet, obwohl ich mehrfach angefragt hatte“, sagt Krautter. Dabei lägen die Vorteile eines lokalen Anbieters, der sich im Gebiet auskennt, der kurze Wege zu den Autos hat und den auch viele kennen und ansprechen können, auf der Hand. „Wir hätten zu dem jetzt gestarteten Pilotversuch in der Innenstadt bereits einen zweiten in den Oberen Neckarvororten starten können“, bedauert Krautter die Verzögerungen. Er werde aber weiter für seine Idee kämpfen, verspricht er.

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