CDU im Rems-Murr-Kreis Denkzettel für Siegfried Lorek

Siegfried Lorek ist neuer Kreisvorsitzender der CDU – und spricht nach der Wahl von einem „ehrlichen Ergebnis“ Foto: Gottfried Stoppe/Gottfried Stoppel

Anlaufschwierigkeiten statt Aufbruchsstimmung: Bei der Wahl eines Nachfolgers für Joachim Pfeiffer stimmen überraschend viele Mitglieder gegen den einzigen Kandidaten.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Waiblingen - An Traumergebnisse knapp vor der 100-Prozent-Marke kommt die CDU im Rems-Murr-Kreis offenbar noch nicht mal bei internen Abstimmungen mehr heran. Das zumindest musste der für seinen Fleiß von der christdemokratischen Basis durchaus geschätzte Siegfried Lorek beim Kreisparteitag am Samstag erleben.

 

Denn bei seiner Wahl zum neuen Kreisvorsitzenden fing sich der in Winnenden auch in der Kommunalpolitik engagierte Landtagsabgeordnete in der Schwaikheimer Gemeindehalle überraschend viele Gegenstimmen ein. Obwohl der frühere Polizeioberrat der einzige Kandidat für den durch den Ausstieg von Joachim Pfeiffer vakant gewordenen Posten war, sprachen immerhin 40 der 133 stimmberechtigten Mitglieder dem Vater von zwei kleinen Buben nicht das Vertrauen aus, den personell ins Trudeln geratenen Kreisverband politisch in eine bessere Zukunft zu führen – zum Start ins neue Amt gab’s erst mal einen Denkzettel.

Siegfried Lorek spricht von einem „ehrlichen Ergebnis“

Dass zumindest ein Teil der CDU-Basis den gebürtigen Freiburger nicht als Heilsbringer für die Parteiarbeit an Rems und Murr zu sehen scheint, nahm der 44-Jährige sportlich. Siegfried Lorek sprach von einem „ehrlichen Ergebnis“, dankte artig für die Wahl und kündigte ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Ortsvereine an. Schließlich spricht viel für die beim Kreisparteitag prompt gehandelte These, dass es bei etlichen Gegenstimmen weniger um die Person des Landtagsabgeordneten geht – und etliche Mitglieder einen viel beschäftigten Politprofi generell für den falschen Mann an der Spitze des Kreisverbands halten.

Zwar hat der nach der Landtagswahl zum Justizstaatssekretär aufgestiegene Lorek in seiner neuen Rolle auch schon negative Schlagzeilen ausgelöst, die Mutmaßungen über Vetterleswirtschaft in Polizeikreisen könnte an der CDU-Basis für eine gewisse Missstimmung gesorgt haben. Mindestens ebenso wahrscheinlich ist aber, dass es auch um eine vermutete parteiinterne Schieflage geht – dass nach Joachim Pfeiffer nun ein Winnender den Ton im Kreisverband angibt, gefällt im Remstal offenbar nicht allen. Schließlich sind mit der in Backnang groß gewordenen Christina Stumpp und dem aus Sulzbach stammenden Tom-Lukas Lambrecht auch zwei der drei Stellvertreter eher an der Murr als an der Rems verortet – gerade noch der Weinstädter Ulrich Witzlinger hält im Führungsteam das Remstal-Fähnchen hoch. Denn auch Jan Ebert, Nachfolger des aus Frust über Bundespolitik und Kanzler-Frage aus der Partei ausgetretenen Schatzmeisters Volker Kurz aus Fellbach, kommt aus Kirchberg und nicht aus Schorndorf – und deshalb von der Murr und nicht von der Rems.

„Im gegenderten Schlafwagen bleibt Deutschland nicht an der Spitze“

Just Lambrecht, erst vor zwei Wochen zum neuen Kreisvorsitzenden der Jungen Union gewählt, hatte in der Schwaikheimer Gemeindehalle ein Zeichen des Aufbruchs gefordert, nach vielen Niederlagen in Serie müsse die CDU endlich motiviert in die Zukunft schauen und einen Neuanfang starten. Während Manuel Hagel, neuer Vorsitzender der Landtagsfraktion, die CDU auch künftig als „Partei der Mitte“ sah und einen Kurswechsel in der Bildungspolitik mit einer „Abkehr vom Akademisierungswahn“ empfahl, gab der scheidende Kreisvorsitzende Joachim Pfeiffer – von den Mitgliedern nach mehr als zwei Jahrzehnten mit stehendem Beifall verabschiedet – seiner Partei den Rat mit auf den Weg, Mut zu einem eigenständigen Profil zu zeigen. „Wir dürfen als CDU nicht dem Zeitgeist hinterherhecheln, sondern müssen selbstbewusst eigene Positionen entwickeln. Im gegenderten Schlafwagen werden wir Deutschland nicht an der Spitze halten“, rief er der Parteibasis zu.

Stehender Beifall und die Wahlparty im Lamm in Hebsack

In einem persönlichen Rückblick erinnerte Pfeiffer an Highlights wie die 1988 erst bei Tagesanbruch beendete Wahlparty im Lamm in Hebsack, sprach aber auch die bitteren Stimmenverluste bei den Urnengängen jüngerer Zeit an. Wenigstens die Kasse für den Wahlkampf ist bei der CDU aber gut gefüllt: Mehr als 300 000 Euro hat der Kreisverband auf der hohen Kante – weit mehr als Anfang der 90er Jahre, als ein drakonisches Sparprogramm erst die Lücken im Etat hatte schließen müssen.

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