InterviewBA-Regionalchef zum Arbeitsmarkt Was 2017 auf den Arbeitsmarkt zu kommt

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Bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit gab es zuletzt zaghafte Fortschritte. Ist das nur ein Strohfeuer oder ein Durchbruch?
Ich sehe es nicht als Strohfeuer, weil wir seit mehreren Jahren systematisch daran arbeiten. Jetzt zeichnen sich die ersten leichten Erfolge ab. Es ist besonders beachtlich, dass dies zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem mit den Flüchtlingen zusätzliche Personengruppen am Arbeitsmarkt sichtbar werden. Trotz dieser Konkurrenzsituation sieht man, dass sich etwas nach vorne bewegt.
Wird dieser Trend anhalten?
Bei den bestehenden Langzeitarbeitslosen auf niedrigem Niveau schon. Es ist aber schon absehbar, dass durch die geflüchteten Menschen die Langzeitarbeitslosigkeit steigen wird. Jeder, der ein Jahr nach seiner Meldung bei uns keinen Job oder Ausbildung gefunden hat, wird erst einmal in der Statistik als langzeitarbeitslos geführt.
Welche Erwartungen haben Sie bei der Integration von Flüchtlingen für 2017?
In diesem Jahr haben wir mit Jahrgängen geflüchteter Menschen gearbeitet, die in den Jahren 2013 und 2014 nach Deutschland gekommen sind. Die große Zahl der Menschen, die 2015 gekommen sind, kommt ab nächstem Jahr am Arbeitsmarkt an, im Bereich der Jugendlichen mit voller Wucht sogar erst 2018. Wir rechnen damit, dass im kommenden Jahr 25 000 bis 30 000 geflüchtete Menschen in Baden-Württemberg die Integrationskurse beenden und mit einem Sprachniveau zwischen A2 und B1 für die Arbeitsmarktintegration zur Verfügung stehen.
Was hat sich seit einem Jahr getan?
Wir sind deutlich schneller mit den Sprachkursen als noch vor einem Jahr. Die Wartezeit beträgt fast überall im Land maximal zwei Monate. Vor einem Jahr waren es noch sechs bis acht Monate. Auch bei der Kompetenzfeststellung sind wir deutlich früher dran und auch besser geworden. Wir haben die Möglichkeiten geschaffen, um die Menschen mit einer Kombination aus Lohnkostenzuschüssen, Praktika und ­Weiterbildungsangeboten nachhaltig in Arbeit zu bringen. Unsere Modelle funktionieren, sind aber zahlenmäßig noch auf niedrigem Niveau. Die Bewährungsprobe steht noch aus.
Stehen Ihnen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung?
Am Geld wird es von unserer Seite aus nicht scheitern. Wir haben keinerlei Zwang, durch die geflüchteten Menschen an Angeboten und Maßnahmen für die Inländer Abstriche zu machen. Aber wir können ­keine Arbeitsplätze schaffen, die Einstellungsentscheidung trifft letztlich der Arbeitgeber.

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