Comedian Michael Mittermeier im Theaterhaus Abführmittel fürs Gehirn

Für Michael Mittermeier schlägt es 13. Foto: Olaf Heine/Mediapool

In seinem neuen Programm „#13“ nimmt Michael Mittermeier den Wahnsinn unserer Zeit aufs Korn und wird sehr persönlich. Das Publikum im Stuttgarter Theaterhaus ist begeistert.

Stuttgart 21 zieht immer. Auch bei Michael Mittermeier, der am Dienstag im Theaterhaus mit seinem aktuellen Programm „#13“ aufgetreten ist. „Super Thema, gleich am Anfang!“, grinst der 57-Jährige und erntet erste Lacher. „Gibt’s jetzt ein Datum?“ – Dreißig, habe er gehört. „2030 oder in dreißig Jahren?“ Ob oben oder unten, erklärt er, sei ihm egal. Hauptsache, er komme in einem Bahnhof an. Später stichelt der Komiker, Dresden habe einen „richtig großen“ – Pause – „geilen“ – Pause – „Hauptbahnhof!“

 

Prince Charles und die Krönung

Schon an Mittermeiers Umgang mit dem ewigen Reizthema der Stuttgarter Dauerbaustelle ist dessen Gesamtkonzept erkennbar: Der Wahnsinn des Alltags lässt sich am ehesten ertragen, wenn man ihn mit ein paar Schlüpfrigkeiten garniert. Aber genau da hat Mittermeier einen Punkt, denn selbst im Nachgang einer Pandemie und mitten in einem Krieg mit ungewissem Ausgang sind Menschen noch in der Lage, sich an einem – Zitat – „Abführmittel fürs Gehirn“ wie dem TV-Format „Love Island“ zu erfreuen oder der Krönung von König Charles III. entgegenzufiebern. „Wenn Prince Charles das nächste Mal an die Krönung kommt, dann, wenn er sich Kaffee macht“, ulkt Mittermeier.

Wenn Teslaner den Diesel-Tanker beschimpfen

In seiner zweieinhalbstündigen Show nimmt er fast alles aufs Korn, was die Deutschen gerade umtreibt, von der Polykrise und dem Doppel-Wumms geht es weiter zu Motzern, die meinen, man wolle ihnen alles verbieten. „Wenn es irgendwo heißt, ‚Leute, nicht auf die Straße kacken!‘, meckern die gleich los: ‚Ey, was soll uns denn noch alles verboten werden?‘“, mokiert sich Mittermeier über ein Phänomen, das besonders im Verlauf der Pandemie zu beobachten war. Anschließend bekommen die Chinesen mit ihrem Spionageballon ihr Fett weg, nächste Themen sind die Cannabis-Legalisierung und aktuelle Ernährungstrends, der Schlagersänger Michael Wendler, dessen Frau nun auf dem Erotikportal „Onlyfans“ „anschaffen“ geht, sowie Auseinandersetzungen mit „Teslanern“, also E-Auto-Besitzern, die ihn, den Diesel-Tanker, an der Zapfsäule beschimpften.

Flach, derb und manchmal erstaunlich persönlich

Mittermeiers Witze sind manchmal flach, oft derb, aber besonders in der zweiten Hälfte des Abends erstaunlich persönlich – nicht nur, weil es um die Nachwirkungen von Mittermeiers Darmspiegelung geht, sondern auch um das Erlebnis von vier Fehlgeburten bei seiner Frau und um die Wurschtigkeit der Ärzte. Spam-Mails von Milfs (steht für: Mother I’d like to fuck), die der inzwischen reife Comedian bekommt, sind da noch das geringste Problem.

Michael Mittermeier im Theaterhaus

Termin
Weitere Vorstellung: Theaterhaus, 26. April, 20 Uhr

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