Comedian Paul Panzer in Stuttgart Auch vor düsterer Kulisse darf gelacht werden

Paul Panzer bei seiner „Reise um die Erde“. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Der Comedian Paul Panzer zeigt mit seinem Programm „Apaulkalypse“ im Hegel-Saal, dass früher nicht alles besser, aber vieles einfacher war.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Alles so düster und dystopisch, seien die ersten Rückmeldungen zum achten Bühnenprogramm gewesen, heißt es zur Zugabe. Und er sei froh, „dass ihr in der Lage seid, zwischen den Zeilen zu lesen, denn es ist immer noch Comedy“, lobt Paul Panzer am Mittwoch sein Publikum im ausverkauften Hegel-Saal. Nun, obwohl das Programm „Apaulkalypse“ heißt und die aufwendige Theaterkulisse mit zugewachsenem Hinterhof zwischen heruntergekommen Hochhausschluchten eine Endzeitstimmung zeigt – so tief muss man gar nicht graben und grübeln. Es darf und kann gelacht werden, auch wenn Paul Panzer, der den eigentlich ebenso bühnentauglichen Namen Dieter Tappert im Pass stehen hat, inzwischen 52 ist und nicht wie gewohnt im Blümchenhemd, sondern im Nadelstreifenanzug einen erwachseneren Eindruck macht.

 

Er sagt, was er denkt, bevor er denkt

Im Prinzip dreht sich die „Apaulkalypse“ um zwei alltägliche Herausforderungen: um das Konsumverhalten und die Mediennutzung. Dabei wolle sich dieser Paul Panzer, „der sagt, was er denkt, bevor er denkt“, wie Tappert in einem Interview sagte, gar nicht als Moralapostel hinstellen. Schließlich sei er „neben Musk, Bezos und anderen, die nicht genannt werden möchten“, einer von sieben Auserwählten weltweit, die von diesem Amazon Prime profitieren könnten: „Kaufen und kostenlos zurückschicken“. Mit seinem antrainierten Sprachfehler bemüht sich Panzer, auch wenn’s mal richtig „stretzig“ wird, zwischen „Schmatt-Phone“, „Gesichtszeit“, „Influtschern“ und anderen neumodischen Phänomenen einen klaren Kopf zu behalten. Und er erinnert sich an die gute alte VHS-Zeit, in der „ein Eichenschrank unsere Cloud war“ und als man mit dem Vorwerk-Aufsitzsauger noch für richtig Ordnung im Haus sorgen konnte.

Im Gegensatz zu seinem Kumpel Mario Barth, den Dieter Tappert schon kannte, als beide noch nicht bekannt waren, spielt in Paul Panzers überdrehten Geschichten nicht die Freundin eine tragende Rolle, sondern geht es um gleich drei Generationen und deren Konflikte: nach oben hin die Eltern, nach unten die Kinder, bei denen er sich gelegentlich fragen müsse: „Vielleicht gibt es doch so was wie Vertauschungen im Säuglingsbett?“ Bolle jedenfalls soll bald Abitur machen, „und wenn das wirklich passiert, weiß ich, dass unser Bildungssystem nicht funktioniert“. Susaka habe immerhin schon den Führerschein gemacht, „allerdings haben wir sieben Bundesländer für die Wiederholung der Prüfung gebraucht“.

Im Januar 2025 kommt er wieder nach Stuttgart

In den Erzählungen, die geschickt abschweifend ineinander verschachtelt werden, blitzen immer mal wieder kleine Unkorrektheiten auf, die manchmal in allgemeinplatzige Feststellungen münden, etwa: „Böse Männer kommen nicht böse auf die Welt. Böse Männer werden böse gemacht“ – ohne dabei die Gleichstellung zu vergessen. Dabei wollte der arme Kerl im Supermarkt doch nur die vegetarische Wurst finden, die zwischen „frauenspezifischen Produkten, also Kulturbeutelartikeln“ auf der Einkaufsliste steht.

„Man muss nicht immer lachen, um Spaß zu haben. Denkt doch mal an Sex“, sagt Paul Panzer, der das Vorstellungsvermögen des Publikums diesbezüglich gegen Ende hin kräftig unterstützt. Bei allen Geschmacksfragen kann man aber sagen: Anders als viele Kollegen hat dieser Comedian, vielleicht geschult durch seine zahlreichen TV-Auftritte, ein sehr gutes Gespür fürs Timing. Nach zwei Stunden inklusive Pause ist ohne gefühlte Längen Schluss mit lustig. Und obwohl die „Apaulkalypse“ den Untertitel „Jede Reise geht einmal zu Ende“ hat – diese vorerst nicht. Für den 26. Januar 2025 ist die Liederhalle erneut gebucht.

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