Corona-Demo auf dem Wasen Ein langer Marsch mit wenig Teilnehmern

Von Armin Friedl 

Heinrich Fiechtner will die Corona-Demos künftig mit einem Protestzug von der Innenstadt zum Cannstatter Wasen übernehmen. Die Premiere am Samstag war eine besondere Herausforderung bei Nieselregen.

Unterwegs zum Demonstrieren auf dem Cannstatter Wasen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Unterwegs zum Demonstrieren auf dem Cannstatter Wasen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Mühsam und weit ist der Weg, den Heinrich Fiechtner in der Nachfolge des Organisators Michael Ballweg den Samstags-Demonstrierenden gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auferlegt: Vom Kleinen Schlossplatz zunächst zum Rotebühlplatz, dann zurück quer durch die Stadt zum Stöckach, von dort quer durch den Osten zum Gaskessel und dann schließlich auf den Cannstatter Wasen. In einer Stunde ist das auch mit Polizeigeleit nicht zu schaffen, die Premiere am Samstag war eine besondere Herausforderung bei Nieselregen.

Fest für Freiheit und Grundgesetz

Das war nur etwas für Hartgesottene, entsprechend waren gerade mal um die 50 Leute zum Auftakt dabei. Keine Spur also von den Tausenden der vergangenen Samstage, gar von vor kurzem noch angestrebten 10 000 Teilnehmern. Und die Verbliebenen verzichteten weitgehend auf irgendwelche Applikationen oder Transparente mit Aussagen aus Verschwörungs – oder anderen Extrembereichen. Da ist die Übereinstimmung mit den Positionen des nunmehr parteilosen Landtagsabgeordneten Fiechtner größer, der die Veranstaltung als „Fest für die Freiheit und das Grundgesetz“ einleitete. Ein überparteilicher Rahmen solle dies werden, gerne würde er etwa die Linken-Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht oder den grünen Tübinger OB Boris Palmer einladen. Da war das Stimmungsbild allerdings indifferent, ebenso bei Fiechtners Ankündigung, sein Demo-Organisations-Vorgänger Ballweg möge hier sprechen.

Plötzliche Vermehrung der Demo-Teilnehmer

Parteipolitik war dann doch noch ein wichtiger Tagespunkt dieser Veranstaltung, allerdings erst nach einer plötzlichen Vermehrung der Demonstrierenden auf dem Wasen. Gut 100 Leute haben sich nämlich erst gar nicht auf den Weg in die Innenstadt gemacht, sondern sind gleich in Gewohnheit der letzten Samstage auf den Wasen gegangen. Dort, mitten auf der großen zugigen und leer geräumten Parkplatzfläche gegenüber der Schleyerhalle kamen die Protestgruppen zusammen, behütet von einem fast so großen Polizeiaufgebot. Dort bekamen die AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum und Hans-Peter Stauch das Wort. Stefan Räpple, im März dieses Jahres aus der AfD ausgeschlossen*, sprach zuvor auf dem Weg nach Bad Cannstatt.

Das Unbehagen emotional mitgeteilt

Fiechtner und die Demonstrierenden begrüßten aber auch sehr die Reden einiger namentlich nicht Genannten aus dem Publikum, die zum Teil sehr emotional ihr Unbehagen am Corona-Virus und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen formulierten. Die Samstags-Demos sollen so weitergehen – mit Fiechtner, der nach eigener Auskunft schon etliche Fortsetzungen davon beim Amt für öffentliche Ordnung angemeldet hat. Und immer mit einem langen Marsch von der Innenstadt zum Cannstatter Wasen.

*Anmerkung der Redaktion: Herr Räpple legt Wert auf die Feststellung, dass die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist.

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