Corona-Krise Schulunterricht im Museum

Blick auf die Kunsthalle Bielefeld 2017 Foto: dpa/Friso Gentsch
Blick auf die Kunsthalle Bielefeld 2017 Foto: dpa/Friso Gentsch

Die coronabedingt geschlossene Bielefelder Kunsthalle will ihre Türen für Schüler öffnen – als Alternative zu engen, schlecht gelüfteten Klassenzimmern.

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München/Bielefeld - Die Direktorin der Bielefelder Kunsthalle, Christina Vegh, will coronabedingt geschlossene Museumsräume für Unterricht anbieten. „In Abstimmung mit Lehrern oder Schulleitern könnte man diese umfunktionieren und andere Formen des Unterrichts installieren“, sagte Vegh im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). Die leer stehenden Räume seien sehr viel sicherer als die engen, schlecht gelüfteten Klassenzimmer.

Die Direktorin betonte: „Ich würde den Schulen gerne zurufen dürfen: Wir sind da! Kommt in unsere Vermittlungsprogramme. Oder – wenn euch damit gedient ist – haltet euren Unterricht bei uns ab!“ Die Vermittlungsangebote seien in den letzten Jahren überall ausgebaut worden. „Parallel sind Fächer wie Musik oder Kunst in den Schulen abgebaut worden. Der Wert dieser Fächer für Persönlichkeitsbildung, Integration und soziale Kompetenz wurde immer weniger beachtet“, so Vegh. In der Zeit der Krise könnten die Orte der Kultur wenigstens die Schulen unterstützen.

Das Museum als Ort der Begegnung und der Demokratie

Es sei zudem eine Chance, gesellschaftliche Prozesse neu zu denken. „Dabei würde die Relevanz von Bildung und die Kompetenz und Wirkkraft von Kultur anerkannt und entsprechend genutzt. Im Ausnahmezustand würde sichtbar, dass Ökonomie und Politik auf Kräfte angewiesen sind, die in Bildung und Kultur ausgebildet werden“, so die Direktorin der Bielefelder Kunsthalle.

Kultur ist ihrer Meinung nach ein Ort der Begegnung. „Es geht nicht nur um die Theateraufführung oder den Museumsbesuch, sondern genauso um die Diskussion über das Erfahrene, vor Ort oder in den unterschiedlichen Medien. Wir verhandeln Werte und stärken zivilgesellschaftliche, demokratische Kräfte“, sagte Vegh.

Ein Staat, der mit viel Geld sichere, weitläufige, klimatisierte Flächen unterhalte wie die Museen, Opernhäuser und Theater, der sollte diese Orte nicht als Freizeitangebot abwerten. „Sie sollten als Bildungseinrichtungen anerkannt und genutzt werden“, plädierte die Direktorin.




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