Corona-Warn-App Schon mehr als zehn Millionen Downloads

Von Steffen Haubner 

Weit mehr als zehn Millionen Menschen haben sich das Programm bereits auf dem Smartphone installiert. Doch es gibt auch Kritik. Denn alte Handys können die Corona-Warn-App der Bundesregierung oft nicht abspielen.

Das Betriebssystem des Handys muss  auf dem neuesten Stand sein, damit man sich die Corona-Warn-App herunterladen kann. Foto: dpa/Michael Kappeler
Das Betriebssystem des Handys muss auf dem neuesten Stand sein, damit man sich die Corona-Warn-App herunterladen kann. Foto: dpa/Michael Kappeler

Stuttgart - Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist vor knapp einer Woche an den Start gegangen. Bis Samstag haben sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin gut 10,6 Millionen Handybesitzer von den Argumenten überzeugen lassen, die für eine Installation sprechen. Inzwischen dürften es noch mehr sein. Schließlich haben die meisten Menschen am Wochenende mehr Zeit, sich eingehender mit dem Thema zu befassen – und sich die App dann auch auf das Smartphone zu laden.

App soll über Risiko informieren

Das Programm soll bei der Eindämmung des Coronavirus helfen. Kurz gesagt geht es dabei darum, sein persönliches Infektions­risiko einschätzen zu können. Das setzt voraus, dass jeder, bei dem eine Infektion festgestellt wurde, dies in der App eingibt – anonymisiert, wohlgemerkt. Wer der oder dem Betroffenen kürzlich begegnet ist, bekommt dann den Hinweis, dass er sich angesteckt haben könnte. Danach kann sich derjenige so schnell wie möglich selbst testen lassen.

Doch es gibt auch Kritik. Wer die App installieren will, steht gleich vor mehreren Hürden. Sowohl in Apples App Store als auch im Play Store von Google ergibt die Suche allerhand Treffer, die mit der offiziellen Version nichts zu tun haben. Dazu gehören „Corona Check“-Apps, mit denen man sich auf Infektionssymptome testen können soll.

Korrekt heißt das Programm „Corona-Warn-App“, Herausgeber ist das RKI, das die App von dem Softwarekonzern SAP und der Deutschen Telekom hat entwickeln lassen. Nicht zu verwechseln ist es allerdings mit der ebenfalls vom RKI veröffentlichten App „Corona-Datenspende“, die dazu dient, zu Forschungszwecken Daten von Fitness-Apps und -Armbändern freiwillig zur Verfügung zu stellen.

Veraltete Handys sind ausgeschlossen

Ist das Betriebssystem nicht auf dem neuesten Stand, wird man aufgefordert, eine Aktualisierung durchzuführen – wie auch bei anderen Apps, die Mindestanforderungen an das Gerät stellen. Bei der Corona-App lauten sie „iOS 13.5 oder neuer“ für iPhones, „Android 6.0 oder neuer“ für Handys mit dem Google-Betriebssystem. Ganz außen vor bleiben Blackberry- und Win­dows-Phone-Modelle. Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt etwa sechs Millionen Deutsche keinen Zugriff haben, weil ihre Geräte veraltet sind, darunter viele Rentner und Geringverdiener.

So oder so stellt sich die Frage, ob genug Nutzer zusammenkommen. Immer wieder ist zu hören, das angestrebte Ziel liege bei 60 Prozent der Bevölkerung. Der Virologe Christian Drosten hat allerdings darauf hingewiesen, dass bereits ein deutlich geringerer Anteil dabei helfen könne, Infektionsketten aufzudecken. Nimmt man die Zahl trotzdem zum Maßstab, müssten knapp 50 Millionen Bundesbürger die App installieren. Nach aktuellen Zahlen besitzen rund 58 Millionen ein Smartphone. Abzuziehen sind die erwähnten Nutzer, die ein inkompatibles oder zu altes Modell benutzen. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch nach Berechnung von Experten dürften gut 50 Millionen in der Lage sein, die App zu nutzen. Zumindest theoretisch. Denn dass die Nutzung freiwillig sein sollte, ist weitgehend unumstritten.

Zugriff auf Standort verlangt

Trotzdem gibt es eine ebenfalls numerisch schwer einschätzbare Gruppe von Skeptikern und Verweigerern. „Wer schon das Tragen einer Maske im Supermarkt als Einschränkung seiner Grundrechte betrachtet und sich in einer Diktatur verortet“, sei ohnehin gegen die App, schreibt der Technikblogger Carsten Drees auf der Blog-Plattform Mobilegeeks.de. Fachlich fundierter ist da die Frage, warum die Android-Version Zugriff auf den Standort verlangt, wo doch die Technik auf Bluetooth beruht. Das hängt damit zusammen, dass bei bestimmten Android-Versionen die Standortermittlung aktiviert sein muss, damit Bluetooth-Geräte in der Nähe gefunden werden können. Und Zugriff auf die Kamera begehrt die App deshalb, weil man im Falle einer Infektion mittels eines QR-Codes verifizieren muss, dass man tatsächlich erkrankt ist und sich nicht nur einen üblen Scherz erlaubt hat.

Da der selbst bei Verschwörungstheoretikern unverdächtige Chaos Computer Club, eine der größten Hackervereinigungen, die App datenschutzrechtlich für unbedenklich hält, bleiben im Grunde nur jene übrig, denen das Ganze die Mühe nicht wert ist. Sowie Fatalisten, die das Programm allein deshalb ablehnen, weil es „nicht jeder installieren kann“. Also jene, die dafür sorgen, dass die App ein Flop wird, weil sie davon ausgehen, dass sie sowieso ein Flop wird. Mit der App ist es jedoch genau wie mit den anfangs ebenfalls umstrittenen Masken: Mit jedem, der mitmacht, wächst der Nutzen – und damit die Chance, die Krise zu überwinden.




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