Nahverkehr in Stuttgart Immer mehr Schwarzfahrer in Bus und Bahn infolge Corona

Coronabedingt ist die wirtschaftliche Lage im öffentlichen Nahverkehr miserabel. Weil auch noch deutlich mehr Schwarzfahrer unterwegs sind, werden die Kontrollen in Bussen und Bahnen wieder verstärkt.

Die Kontrollen im Nahverkehr sollen intensiviert werden. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski
Die Kontrollen im Nahverkehr sollen intensiviert werden. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Stuttgart - Seit 11. Mai fährt die S-Bahn nach dem Normalfahrplan, seitdem sind auch wieder regelmäßig Kontrolltrupps unterwegs – „mit einem beängstigenden Ergebnis“, wie der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler sagt. Es würden etwa doppelt so viele Schwarzfahrer erwischt wie in Vor-Corona-Zeiten. „Die Bahn wird die Kontrollen deshalb massiv ausweiten“, kündigt Wurmthaler am Mittwoch vor dem Verkehrsausschuss der Region an. Der Verband Region Stuttgart beauftragt die DB Regio mit dem S-Bahnverkehr und finanziert ihn.

Mehr Kontrollen angekündigt

Am Anfang der Corona-Zeiten waren die Fahrgastkontrollen im öffentlichen Nahverkehr aus Gründen des Gesundheitsschutzes für das Personal eingestellt und ausgedünnt worden. Zudem wurde die vordere Tür bei Bussen für den Einstieg gesperrt. Dadurch entfiel neben dem Fahrkartenverkauf auch die Kontrolle durch den Fahrer. „Viele nutzen Corona für freie Fahrt im ÖPNV“, sagt Wurmthaler. Damit sei es nun aber vorbei. „Wir werden die Kontrollen intensivieren“, so Wurmthaler. Auch VVS-Geschäftsführer Horst Stammler hatte am Dienstag angekündigt, dass in Bussen wieder verstärkt kontrolliert werde. Zudem setzt er auf die neu entwickelte gläserne Trennscheibe, die den Busfahrer von den Fahrgästen trennt. Damit wird nicht nur der Fahrkartenverkauf im Bus wieder möglich, sondern auch die Kontrolle der Tickets durch den Fahrer. Bis in einigen Wochen sollen alle rund 1500 Busse, die im VVS-Linienverkehr verkehren, mit der Trennscheibe ausgerüstet werden.

Fahrgastaufkommen gering

Die Beanstandungsquote, also die Zahl der Fahrgäste, die ohne gültiges Ticket bei einer Kontrolle angetroffen werden, liegt in normalen Zeiten zwischen zwei und drei Prozent, bei Stichproben der SSB freitagabends, wenn viel Partyvolk unterwegs ist, erwischen die Kontrolleure aber auch deutlich mehr: bis zu sieben Prozent. Durch Schwarzfahrer entgehen dem VVS Fahrgeldeinnahmen von rund 15 Millionen Euro pro Jahr. Allerdings ist die Zahl der erwischten Schwarzfahrer zuletzt stetig gesunken.

Coronabedingt ist die wirtschaftliche Lage im öffentlichen Nahverkehr miserabel. Statt 120 000 S-Bahnnutzer wie an Werktagen vor einem Jahr werden momentan in der Station Hauptbahnhof tief rund 40 000 gezählt, vor einigen Wochen waren es nur 20 000. Auch Stammler geht derzeit von einem Fahrgastaufkommen von rund einem Drittel aus, er und Wurmthaler rechnen mit einer langsamen Steigerung. „Wir werden Ende 2020 noch nicht das Niveau von 2019 erreicht haben“, sagt Wurmthaler.

Einnahmen brechen ein

Dadurch gehen die Ticketeinnahmen in den Keller. Wurmthaler spricht von einem Erlösrückgang von 40 bis 50 Prozent in diesem Jahr, allein für die S-Bahn seien das 70 Millionen Euro. Stammler nennt für den gesamten VVS, also S-Bahn, Stadtbahn und Busverkehre in der Region, eine Summe von mindestens 100 Millionen Euro. Milderung erhoffen sie sich vom am Mittwoch beschlossenen 200-Millionen-Euro-Rettungsschirm des Landes für den ÖPNV, wie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) fordern sie Bundeshilfen in mindestens dieser Größenordnung. Die Kommunen und die Verkehrsbetriebe könnten die Ausfälle nicht kompensieren. „Wenn wir allein gelassen werden, haben wir Ende des Jahres keinen Busverkehr mehr“, sagt Stammler.

Immerhin gab es auch eine gute Nachricht: Ab Freitag, 19. Juni, soll die S-Bahn wieder nachts fahren. Damit sei man wieder beim Normalbetrieb, „aber noch lange nicht in der Normalität“, sagt Wurmthaler. Er appellierte an die Fahrgäste, die Maskenpflicht zu befolgen, „weil bei steigender Nachfrage der 1,50-Meter-Abstand nicht immer einzuhalten sein wird“.

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