Die bisherigen Verfahren sind kompliziert oder nicht datenschutzkonform
Im Kreis Böblingen konnte man am Samstag live beobachten, wie gravierend die Schwierigkeiten sind. Wegen der niedrigen Inzidenz haben die Geschäfte dort wieder geöffnet, die Kunden strömten zu Tausenden, alle frisch getestet. Doch an den Eingängen scheiterten viele daran, ihre Testbescheinigung abzurufen. „So ein Chaos, viel zu kompliziert“, berichtet ein Ladenbetreiber.
Die meisten Teststationen im Kreis Böblingen verwenden, wie in Stuttgart und zahlreichen anderen Regionen, die Doctorbox-App. Darüber können frisch Getestete ihren Befund abrufen und dann am Smartphone vorzeigen. So zumindest die Theorie. In der Praxis ist das Handling kompliziert, man benötigt mehrere Passwörter, zusätzlich eine PIN, die Registrierung dauert lange. Auf den Internetplattformen bekam Doctorbox zuletzt miserable Bewertungen. „Völlig daneben“ sei das Programm, heißt es, oder: „Eine furchtbare Erfahrung.“ Auch Schittenhelm sagt: „Die Registrierung ist in der Tat gewöhnungsbedürftig.“
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Doctorbox ist ein Berliner Unternehmen, die App ging vor der Pandemie an den Markt, durchaus erfolgreich, ihr Funktionsumfang ist enorm. Viele nutzen Doctorbox als digitale Gesundheitsakte und akzeptieren dafür den aufwendigen Anmeldeprozess. „Wir verstehen aber, dass das für Leute, die nur einen Schnelltest abrufen wollen, sehr kompliziert ist“, sagt Martina Stuppy, die Leiterin des Doctorbox-Kundenservices. Der Grund für den Aufwand: Die Datenschutzauflagen seien streng, Sicherheit stehe für das Unternehmen an erster Stelle. Patientendaten in der Doctorbox seien so sicher wie Daten beim Online-Banking, und das sei notwendig. „Unsere Kunden sind dafür sehr dankbar.“
Das ist korrekt, gilt aber nur für jene, die alle Funktionen der App nutzen. Für eine schnelle Abfrage eignet sich Doctorbox jedoch kaum, weshalb nun nach Alternativen gesucht wird. Manche Geschäfte in Böblingen lösten die Sache am Samstag pragmatisch. Das Testergebnis kann auch auf einer Internetseite abgerufen werden, ohne die App. Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine Schnellinformation für die Getesteten selbst – auf der Seite erscheinen keine Namen und keinerlei Daten, also auch nicht das Datum und die Uhrzeit des Tests. Als Bescheinigung ist diese Schnellinfo daher untauglich – das angezeigte Ergebnis könnte mehrere Wochen alt sein, nachprüfen lässt sich das nicht. Trotzdem akzeptierten viele Läden am Samstag die Schnellinfo als Türöffner und ließen die Wartenden ein. Das jedoch ist rechtlich äußerst heikel und kann keine Dauerlösung sein. „Aber wenn unsere Kunden nur mit dieser App in den Laden dürfen, sind wir erledigt“, befürchtet der Ladenbetreiber aus Böblingen.
Ein grüner Bildschirm signalisiert: Der Kunde darf das Geschäft betreten
Zwar ist es möglich, sich den Negativ-Befund im Testzentrum ausdrucken zu lassen. Aber bis das Ergebnis vorliegt, vergeht Zeit – und Dutzende Menschen, die vor der Teststation warten, würden das System überfordern. Das Prinzip ist: schnell rein, schnell testen, schnell raus. In vielen Städten, etwa in Ludwigsburg, kann man sich das Resultat deswegen mailen lassen. „Das ist sehr komfortabel“, sagt der OB Matthias Knecht. Auch die Teststellen im Kreis Böblingen bieten das an – gegen eine Gebühr. Aber die Sache hat einen Haken: „Auch das ist nicht datenschutzkonform“, sagt Schittenhelm. „Das können wir so nicht weiter machen.“
Was tun? Böblingen will nun mit einer neuen Lösung zum Vorreiter werden: mit Armbändern. In den Testzentren des Landkreises können sich die Getesteten seit Anfang der Woche ein Band mit einem Code anlegen lassen, der mit jedem gängigen Smartphone abgelesen werden kann: Im Display erscheint dann ein farblich unterlegtes Testergebnis. Grün signalisiert: Der Test ist nicht älter als 24 Stunden, der Träger des Armbands darf rein. Ist die Anzeige rot, ist das Ergebnis zu alt. Wird das Band vom Arm gelöst, verliert es seine Gültigkeit. Persönliche Daten werden nicht gespeichert, die Zuordnung zu einer Person geschieht ausschließlich über das Band.
In Tübingen wurde das Corona-Armband bereits getestet
Entwickelt wurde das Verfahren in Böblingen und erneut in Zusammenarbeit mit Doctorbox. „Wir sind überzeugt, dass wir damit eine sehr einfache Lösung haben, die das Leben erleichtert“, sagt Martina Stuppy. Erste und sehr positive Erfahrungen habe man in Tübingen gesammelt, als die Stadt in einem Modellprojekt die Läden öffnete. Nun folgen Böblingen und Regionen in Norddeutschland, zudem sei man mit mehreren Großstädten in Gesprächen. „Mit Köln sind wir schon recht weit, die Armbänder sind im Kommen.“
Stuttgart plant vorerst nicht, sie einzuführen, die anderen Kreise in der Region werden die Entwicklung beobachten. Schittenhelm ist indes überzeugt, dass die Mehrheit der Testzentren in Deutschland mittelfristig dem Armband den Vorzug geben wird. Erst wenn die Läden wirklich offen sind, würden die Probleme der App und der anderen Varianten für die breite Masse offensichtlich, sagt er. „Es braucht dann eine einfache Lösung für alle – alles andere ist nicht darstellbar.“