Coronavirus im Rems-Murr-Kreis So kreativ reagieren die Gastronomen

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Viele Restaurants und Hotels im Rems-Murr-Kreis versuchen, sich mit kreativen Ideen über die coronabedingte Schließzeit zu retten. Sie haben sich Lieferservices und eine Spendenaktion ausgedacht.

In einer Box kann man von der Remshaldener Weinstube Traube Spargelgerichte liefern lassen. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
In einer Box kann man von der Remshaldener Weinstube Traube Spargelgerichte liefern lassen. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Seit einigen Tagen dürfen die Gastronomen und Hoteliers im Rems-Murr-Kreis keine Gäste mehr empfangen. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass in allen Betrieben der Herd kalt bleibt: Viele bieten nun Tagesgerichte zum Abholen an, haben einen neuen Lieferservice aufgebaut und versuchen, trotz der verschärften Bedingungen eine reichhaltige Karte bereitzuhalten.

Eine Liste mit Tagesgerichten

Manchmal lohnt es sich auch, einfach mal bei seinem Lieblingsrestaurant vorbeizufahren: Einige Gastronomen werben nämlich nur per Aufsteller für ihren Mittagstisch, wie etwa die Rose in Weinstadt-Großheppach oder die Traube in Winterbach. Eine Übersicht, welche Lokale im Schwäbischen Wald Speisekarten mit Tagesgerichten haben, gibt es auf der Internetseite des Tourismusverbands (www.schwaebischerwald.com). Die Listen werden laut deren Mitteilung fortgeschrieben, jederzeit können sich weitere Gastrobetriebe melden.

Treue wird belohnt

In dem Restaurant Strohbecks in Althütte kann sogar eine Fischplatte für Karfreitag bestellt werden oder eine Lammkeule für die Osterfeiertage. Treue während der Coronakrise wird von dem Restaurant belohnt: Wer eine 5er- oder 10er-Karte löst, bekommt die Tagesgerichte billiger.

In Kernen verbindet der Ochsen in Stetten sein Essenslieferangebot mit der Möglichkeit die Produkte der hauseigenen Metzgerei mitzubestellen. „Der Ochsen kommt übergangsweise einfach zu Ihnen“, heißt es auf der Internetsite des Restaurants. Mittags und abends wechselnde Gerichte stünden zur Auslieferung ab zwölf beziehungsweise 18 Uhr parat, so sie zwischen 10 und 11.30 Uhr oder zwischen 17 und 18.30 Uhr telefonisch bestellt würden.

Einige Straßen weiter in der Stettener Mühlstraße versüßt das Sirtaki die Hauslieferung seiner griechischen Spezialitäten bei Bestellungen über 40 Euro mit einer gratis mitgelieferten Flasche Wein. Wer Gyros, Souvlaki und Co. selbst abholt, verdient sich 15 Prozent Rabatt und eine Gratisflasche Cola.

Spargel in der Box

Auch andere Gastronomen zeigen sich einfallsreich, um über die schwierige Zeit zu kommen. Die Weinstube Traube in Remshalden lebt ausschließlich von Geburtstagsfeiern oder anderen Familienfesten. Die sind aber erst einmal alle abgesagt oder verschoben worden. Die Inhaber-Familie Arbogast arbeitet mit dem Küchenmeister Matthias Walter aus Bad Überkingen zusammen, der dort eine Küchenschule betreibt. „Er will die Mitarbeiter halten, gemeinsam haben wir überlegt, wie das gehen könnte“, sagt Sandra Arbogast.

Und nachdem bereits der erste Spargel geerntet wird, kam es zu der Idee, eine Spargelbox anzubieten. Diese kann mit verschiedenen vorgegarten Spargelvarianten, Beilagen oder Sauce Hollandaise befüllt werden. „Das Essen ist vakuumiert, man braucht es daheim nur kurz warm machen. Eine Anleitung dafür liegt bei“, sagt Tim Arbogast. Freunde der Familie hätten das Angebot bereits ausprobiert: „Sie waren sehr zufrieden“, sagt Sandra Arbogast, die für die erste Woche schon 20 Bestellungen hat. Abgeholt werden können die Spargelboxen immer dienstags, donnerstags und samstags, weitere Infos gibt es im Internet unter www.traube-grunbach.de.

Zum Nachtisch kommt das Eistaxi

Wer zum Spargel noch einen Nachtisch möchte, der kann das Eistaxi aus Schorndorf bestellen. Die Eisdiele Santa Lucia bietet Boxen, die jeweils drei Kugeln von vier verschiedenen Eissorten enthalten: Box 1 enthält beispielsweise Schoko, Cookies, gesalzenes Karamell und Nuss. Auch laktosefreies Eis ist im Angebot. Geliefert wird mittwochs bis sonntags von 15 bis 17 Uhr, die Bestellungen werden täglich ab 13 Uhr unter der Nummer 0 71 81/6 46 85 entgegengenommen. Alle Infos gibt es auf der Homepage www.eis-santa-lucia.de.

Gemeinsam durch die Krise

Die Schorndorfer Eisdiele Santa Lucia befindet sich in der Höllgasse und bildet zusammen mit dem Restaurant Pfauen und dem Éclat ein gastronomisches Dreieck. „Wir haben ein sehr enges Verhältnis und tauschen uns in dieser Situation viel aus“, sagt Miriam Lehle, die Inhaberin des Éclat. In der Gastronomie sei es schwierig, Rücklagen zu bilden. Miriam Lehle wirbt deswegen unter dem Motto „Unterstütze das Éclat jetzt, genieße später“ dafür, Gutscheine zu kaufen.

Zudem suchen die drei Betriebe gemeinsam unter dem Titel „Rettet das kulinarische Dreieck in der Höllgasse“ über eine Spendenplattform im Internet finanzielle Unterstützung. Durchaus mit Erfolg: Schon etwas mehr als 8000 Euro sind gespendet worden. Außerdem wird zusammen mit etwa zehn Schorndorfer Gastronomen ein Event in der Zukunft geplant: Auf dem Marktplatz soll eine „lange Tafel Schorndorf“ für 500 Gäste entstehen. Ein Vier-Gänge-Menü mit Weinbegleitung und Livemusik soll es geben. Die Karten (140 Euro) sollen bald erworben werden, sie sollen den Gastronomen als Liquiditätsspritze dienen.

Homeoffice in einem Hotel in Weinstadt

Mit einer kreativen Idee versucht auch das Weinstadt Hotel über die Zeit der Corona-Beschränkungen zu kommen. Die Geschäftsführerin Stephanie Staudenmayer hat in einer Fachzeitschrift von Hotelketten gelesen, die Zimmer in Büros umwandeln – für jene, die sich im Homeoffice befinden. „Ich hab mir gedacht: Was die Großen können, das kann ich auch“, erzählt sie, die nun 32 Einzelbüros anbietet – mit Internet und komfortablen Schreibtischen, auf Wunsch mit Frühstück oder Mittagessen.

„Ich denke, dass Arbeitnehmer keine gute Leistung bringen können, wenn die ganze Familie aufeinander sitzt“, sagt Stephanie Staudenmayer. Bisher allerdings hat noch keiner das Homeoffice-Angebot angenommen. „Vielleicht dauert es noch ein bisschen.“ Stephanie Staudenmayer und ihre Mitarbeiter krempeln inzwischen die Ärmel hoch: „Wir putzen die Fenster, machen alles gründlich sauber. Wir sind optimistisch gestimmt, dass es weitergeht.“