Rückkehr der Viertklässler So breiten sich die Stuttgarter Grundschulen vor

Von Barbara Czimmer 

Werden sich auch kleine Kinder an die Hygiene- und Abstandsregeln halten? Das wird sich zeigen, wenn am Montag die ersten Stuttgarter Grundschüler wieder in ihre Klassenzimmer zurückkehren. Das Toben auf dem Pausenhof fällt jedenfalls aus.

Plakat am Zaun der Körschtalsschule in Stuttgart-Plieningen Foto: Körschtal Gemeinschaftsschule
Plakat am Zaun der Körschtalsschule in Stuttgart-Plieningen Foto: Körschtal Gemeinschaftsschule

Stuttgart - Erstmals seit Schließung der Schulen am 17. März dürfen nun auch Grundschüler, zunächst nur die Viertklässler, wieder in den Klassenzimmern unterrichtet werden. Damit der Abstand stimmt, haben die Rektorinnen ihre Klassen in Gruppen mit zehn bis elf Kindern eingeteilt, die sich im Wechsel im Schulhaus aufhalten. „Wir werden einen Zwei-Stunden-Takt haben“, sagt Clarissa Pannes, die Rektorin der Carl-Benz-Schule in Bad Cannstatt, „pro Woche haben die Kinder zehn Stunden Unterricht.“ An der Lerchenrainschule im Stuttgarter Süden werden sich maximal 20 Viertklässler zeitgleich im Schulhaus befinden, „wir haben genügend Platz und zwei Eingänge“, sagt Rektorin Sabrina Rogall. Ob man auf die Masken im Unterricht verzichten könne, war nicht abschließend geklärt.

Keine Pause im Hof: Risiko ist zu groß

Clarissa Pannes ist froh, dass die Kinder wieder kommen können. Kinder suchten Nähe und Kontakt, deshalb werde es keine gemeinsame Pause im Pausenhof geben. „Unsere Erfahrung aus der Notbetreuung ist, dass die Kinder beim Spielen die Hygienevorgaben schnell vergessen. Deshalb wird im Klassenzimmer gevespert.“ Sabrina Rogall sieht einen „Balanceakt“ auf die Lehrer zukommen: „Spielen muss erlaubt sein, aber dabei vergessen sich Kinder gern.“ Deshalb gebe es auch an der Lerchenrainschule keine Hofpause.

An beiden Schulen seien die Lehrerinnen und Lehrer ständig im Austausch mit den Kindern und Eltern gewesen. An der Carl-Benz-Schule habe ein Kollege einen Schul-Messenger eingerichtet, jede Klassenlehrerin und jede pädagogische Fachkraft habe täglich ein Online-Angebot gemacht, „auch unsere Schulsozialarbeiterin war täglich mit den Kindern online in Kontakt, und wo es Familien ohne Internet gab, haben wir sie per Post um Kontaktaufnahme gebeten, was auch geklappt hat“, erzählt Clarissa Pannes. An der Lerchenrainschule wurden Video-Anrufe und Video-Konferenzen eingesetzt. „Sich gegenseitig zu sehen hat den Kindern unheimlich gut getan“, so Sabrina Rogall. Familien ohne Computer oder Smartphone habe man Geräte geliehen, „unsere Sozialpädagogin hat Eltern bei der Installation zu Hause geholfen“.

Kein Fiebertest an der Schule

Den Schulbetrieb ersetzt der Digitalaustausch offensichtlich nicht: „Wir müssen die Kinder jetzt auffangen und schauen, was sie emotional brauchen“, manche hätten schwere Wochen hinter sich, so Clarissa Pannes. „Wir hatten zu nahezu allen Familien Kontakt, aber in den ersten Tagen stehen die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund“, sagt die Rektorin.

Alle Kinder und alle Kollegen gleichermaßen vor dem Virus zu schützen, wird an Schulen nicht leicht sein. Claudia Dobrich-Hoier, Rektorin an der Jacobsschule in der Stadtmitte, hatte eine Temperaturmessung bei den eintreffenden Kindern erwogen, „aber das ist wieder vom Tisch“, sagt sie. Einige Eltern hätten sich dagegen ausgesprochen, und nicht jeder Corona-Infizierte bekomme Fieber. „Wir werden aber auf jeden Fall Kinder mit Erkältungssymptomen heimschicken.“ Trotzdem freue sie sich sehr, „wenn diese gespenstische Leere ein Ende hat“.

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