Cro bei den Jazz-Open Stuttgart Der Gute-Laune-Bär

Von Anja Wasserbäch 

Der Stuttgarter Rapper Cro gastiert am Freitagabend mit Orchester bei den Jazz-Open. Die Überraschung der mutigen Paarung: Sie funktioniert. Und illustre Gäste schauen auch vorbei.

Cro macht seine Sache gut beim Konzert im Rahmen der Jazz-Open Foto: dpa 6 Bilder
Cro macht seine Sache gut beim Konzert im Rahmen der Jazz-Open Foto: dpa

Stuttgart - Als bekannt wurde, dass Cro bei den Jazz-Open auftreten wird, gab es durchaus kritische Stimmen, was der Pandarapper mit Jazz am Hut hat. Nicht viel natürlich. Und es stellt sich mal wieder die Frage, wie weit man das „Open“ im Titel des Festivals fassen kann. In diesem Fall sehr weit, wenn der Popstar mit der Pandamaske auf der Bühne im Ehrenhof des Neuen Schlosses auftritt. So jung wie an diesem Abend war das Publikum wahrscheinlich noch nie zuvor in diesem Rahmen. Am Merchandise-Stand decken sich Familien mit T-Shirts in Größe 140 ein. Aufgeregte Mädchen mit ihren Smartphones versuchen den Popstar digital einzufangen. Sie kreischen und singen Zeile für Zeile mit. Dabei versucht sich Rapper Cro bisweilen an einem durchaus erwachsenen Programm.

Das Konzert ist der bisherige Höhepunkt der Tour

Das Motto lautet „Cro meets Jazz MTV unplugged“. Aus dem Konzert, das der Stuttgarter bereits im Mai 2015 für MTV im Ludwigsburger Scala aufgenommen hatte, wurden diverse Produkte: Es wurde im Fernsehen gezeigt, auf DVD und CD veröffentlicht. Eine Tour folgte, die ihn im Dezember wieder einmal in die Stuttgarter Schleyer-Halle führt. Die Maschine läuft also. Bisheriger Höhepunkt soll natürlich das längst ausverkaufte Konzert im Rahmen der Jazz-Open sein: Es ist ein Heimspiel, klar - aber auch ein Wagnis. Cro hat ein Orchester dabei, das auf drei Ebenen der eindrucksvollen Bühne platziert ist. Mittendrin steht der blondierte Posterboy Psaiko.Dino hinterm DJ Pult. „Hi Kids! Ich bin Carlo, werft den Arm hoch und gebt mir ein Hallo“ – und aus gut 6500 Kehlen ruft ihm zu Beginn um 20.20 Uhr ein „Hallo“ entgegen. Cro kennt seine jungen Fans, bittet darum die Smartphones doch das Konzert über in den Taschen zu lassen und verteilt Getränke - „Cola natürlich“ - an die Gäste in den ersten Reihen.

Überraschung: Max Herre kommt auch auf die Bühne

Erstaunlich ist bei all dem Buhei um Cro aber das Zusammenspiel des Orchesters unter der musikalischen Leitung von Lillo Scrimali, darunter Streicher, Bläser, ein ausgezeichneter Background-Chor und natürlich Cros Band. Die opulente musikalische Untermalung steht den Songs gut, das Ganze hat mehr Schmackes als die ursprüngliche Unplugged-Show. Da geht „Hey Girl“ zu Frank Sinatras „New York, New York“ über, kommt Jazztrompeter Christian Scott auf die Bühne und spielt wunderbar mit dem Saxofonisten Lutz Haefner zusammen. Das Gastspiel von Dana Leong am E-Cello ist ebenfalls gut, wenn auch nicht ganz so herausragend. Cros Kollege Danju rappt mit ihm „Meine Gang“ und „Tag und Nacht“. Eine schöne Überraschung ist, dass Max Herre zur Zugabe „Lange her“ auf die Bühne kommt und aus Cros Song ein „1ste Liebe“-Remix macht.

Es gibt aber auch Schwachstellen, wenn etwa die Leinwandübertragung ausfällt, oder Cro einen musikalischen Gast falsch ankündigt. Seine Fans aber verzeihen ihm natürlich alles. Cro ist inzwischen ein Könner der Popstarposen und hat schnell gelernt. Unverkrampft und lässig steht er auf der großen Bühne, an die er sich so schnell gewöhnen musste. 2012 ging es los mit ihm in diesem Internet, der Rest ist die Geschichte eines Pandarappers, der auf der Karriereleiter einfach mal ein paar Sprossen übersprungen hatte.

Ein kluger Schachzug ist es nach wie vor, sich hinter einer Pandamaske zu verstecken, die Anonymität zu wahren, auch wenn die Hardcore-Fans natürlich längst wissen, wie er ohne aussieht. Dazu gibt’s unbeschwerte Popmusik mit Texten, mit denen sich angeblich viele identifizieren können. Zeilen, die über das schöne Leben berichten. „Never Cro Up“ ist ein Lied darüber, dass er nicht erwachsen werden will. Cro ist der Gute-Laune-Bär. Er setzt nicht auf Ecken und Kanten, sondern auf schmissige Songs für die große Masse. Und die ist in seinem Fall sehr jung. Das zeigt sich auch mal wieder am Freitagabend: Die Fans träumen vom Pandabären, davon, dass ihnen auch mal jemand eine Hymne wie „Du“ schreibt, von der Reise „einmal um die Welt“, wie sie Cro besingt. Seinen ersten Hit „Easy“ gibt es dann um 22.30 Uhr ganz zum Schluss. Es basiert auf „Sunny“ von Bobby Hebb. Ein Song, der auch etwas älteren Menschen gefällt.