Cyberkriminalist bei der Kripo Waiblingen Mit digitaler Spurensuche Täter im Netz dingfest machen

Im Büro in Waiblingen hat Cyberkriminologe Daniel Belz fünf Monitore zur Verfügung. Foto: privat

Daniel Belz aus Fellbach arbeitet bei der Kripo Waiblingen. Der Datenanalyst durchsucht das Internet und Smartphones, um Verbrechen aufzuklären. Und war schon an großen Fällen in der Region dran.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Daniel Belz erinnert sich noch gut daran, wie das war als Schüler, wenn der Unterricht aus war und beim Mittagessen mit der Familie auch der Papa mit am Tisch saß. Der erzählte gern von seinem Berufsalltag. Und das war so interessant, dass Daniel Belz gespannt zuhörte, denn sein Vater war erst im Revier in Fellbach Polizist und wechselte später zur Kriminalpolizei nach Waiblingen. „Er hat seinen Beruf geliebt. Damit bin ich aufgewachsen und wollte natürlich immer schon das gleiche wie er machen, wenn ich mal groß bin“, sagt Daniel Belz.

 

Der 42-Jährige bezeichnet seinen Beruf Cybercop als Traumjob

Das hat geklappt – der 42-Jährige ist Cyberkriminologe beim Kommissariat Waiblingen. Dort ist der Datenanalyst, der in Fellbach aufgewachsen ist, dafür zuständig, digitale Spuren im Internet und auf Geräten ausfindig zu machen und so aufzubereiten, dass damit ein Verbrechen aufgeklärt werden kann. Ein „sinnerfüllender Traumjob“, zu dem Belz über Umwege kam. Denn obwohl oder vielleicht gerade weil er schon als Kind Einblicke in die Polizeiarbeit hatte, schaffte er nach dem Abi die Polizei-Aufnahmeprüfung nicht. „Da muss man nicht drum rum reden. Ich war schlecht vorbereitet und hab es mir wohl zu einfach vorgestellt.“

Ein Fehlstart bringt den Informatiker als Cyberkriminologe zur Polizei

Im Nachhinein brachte dieser Fehlstart Daniel Belz jedoch genau da hin, wo er heute ist und sein will. Denn der Abiturient steckte damals nicht den Kopf in den Sand, sondern machte sein Hobby zum Beruf, indem er Informatik studierte und dann auch zehn Jahre in der Branche arbeitete – bis 2014. „Da gab es dann die Möglichkeit, als Informatiker die Sonderlaufbahn Cybercrime bei der Polizei einzuschlagen.“ Für den IT-Crack Belz genau das Richtige. Er brauchte damals noch drei Jahre Berufserfahrung, die er ja hatte, und bekam eine verkürzte Polizeiausbildung von einem Jahr. „Die Polizei hat gemerkt, dass in immer mehr Fällen digitale Spuren eine große Rolle spielen. Tendenz steigend. Als ich anfing, waren wir sieben Cybercops, jetzt werden pro Jahr zwei Klassen ausgebildet.“ Doch als Quereinsteiger hatte es Belz nicht immer leicht. Tatortbegehungen, Schießen, Ermittlungen führen – in nur 12 Monaten musste er all das lernen, wofür sonst drei Jahre Zeit sind. „Es war alles im Schnelldurchgang. Mit einer Pistole oder eine schusssicheren Weste hatte ich ja davor noch nie zu tun.“

Die Anfangszeiten liegen aber längst hinter dem 42-Jährigen. Mittlerweile ist der Vater von vier Kindern routinierter im Kampf gegen Hacker und im Einsatz für mehr Sicherheit im Netz und wird auch von den Kollegen längst als vollwertig anerkannt, schließlich brauchen alle das IT-Wissen der Quereinsteiger. Das Einsatzgebiet des Kriminalhauptkommissars ist groß und täglich anders: Das Suchen und Aufbereiten von digitalen Spuren im Netz, auf Smartphones und anderen digitalen Geräten wie Alexa oder Auto gehört genauso dazu, wie mit auf Fahndungen zu gehen oder Teil einer Soko zu sein. „Nicht alles, was der IT-Mensch kann, darf der Polizist. Aber wir haben auch schon in aller Frühe bei einem Verdächtigen die Tür lautstark mit der Säge geöffnet. Mal gehen wir mit Wumms rein, mal ganz leise.“ Daniel Belz ist dann bewaffnet und trägt eine kugelsichere Weste. „Eigenschutz geht vor. Wir wollen alle abends zur Familie zurück.“

Beim Fall der vermissten Julia W. aus Remshalden war Belz beteiligt

Wenn er von seinen Fällen erzählt,von gesellschaftlicher Verrohung oder von politischen Steinen im Weg, wird schnell klar: Der Job geht öfters mal an die Substanz. Beispielsweise damals, als die vermisste Julia W. aus Remshalden nur noch tot gefunden werden konnte. „Das hat für Aufsehen gesorgt. Ich bin bis nachts dran gesessen und habe Spuren ausgewertet. Als dann Gewissheit herrschte, saßen wir alle schweigend zusammen und hatten Tränen in den Augen.“ Oftmals kann Belz bei solchen Fällen auf die Mithilfe von Unternehmen zählen. „Wenn man normal mit den Leuten redet, stellen sie einem Überwachungskameras oder andere Geräte zum Auslesen zur Verfügung.“ Daniel Belz ist es wichtig, bei aller Erfahrung nicht abzustumpfen. Dennoch verändere sich der Blick und er sei von Fall zu Fall weniger überrascht, zu was Menschen fähig seien. „Doch auch wir sind fühlende Wesen und oft genauso fassungslos bei schlimmen Nachrichten.“

In solchen Fällen sucht Daniel Belz auch das Gespräch mit seiner Frau – doch oft darf er gar nicht viel verraten. Um so wichtiger ist der Austausch im Job. Zudem können sich die Beamten an den Polizeipfarrer oder an die psychosoziale Beratung wenden. Aber nicht immer überwiegt Fassungslosigkeit. Oft ist der Alltag des Cybercops auch spannend; zum Beispiel, wenn er wegen eines internationalen Falles mit dem FBI telefoniert oder Top-Secret-Aktionen anstehen.

Das Handy wurde während der Fahrt benutzt – der Täter kann verurteilt werden

Und dann gibt es Tage, da ist der Fall zwar schrecklich, aber die digitale Spurensuche gelingt und der Täter kann dingfest gemacht werden. „Das macht die Sache nicht weniger schlimm, aber man ist zufrieden, wenn die Welt dadurch vielleicht ein wenig gerechter wird“, sagt Belz und spielt auf das Unglück an, bei dem 2022 in Backnang ein Siebenjähriger beim Versuch, mit dem Rad den Zebrastreifen zu überqueren, von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde. Er und Kollegen konnten nachweisen, dass der Fahrer das Handy während der Fahrt benutzte und deshalb unachtsam war. Ein Themenschwerpunkt der Cyberkriminologie ist auch die Kinderpornografie. „Hier spielen digitale Daten und Spuren eine große Rolle“, sagt Belz, dem das Thema wichtig ist. So hat er schon öfters über Gefahren im Netz für Kinder und Jugendliche referiert. „Die digitale Welt und ihre Möglichkeiten sind toll, aber die Nutzung muss umsichtig und verantwortungsvoll sein, sonst ist die Gefahr groß.“

Weitere Infos zu Cybercrime und den Jobmöglichkeiten gibt es unter https://sonderlaufbahnen.polizei-bw.de/cyberkriminalist-in/

Cyberkriminologie

Digitale Ermittler
 Cyberkriminalisten sind digitale Ermittler und sind für das Bearbeiten von Verfahren im Bereich der Cyberkriminalität zuständig. Hierbei handelt es sich beispielsweise um das Eindringen in informationstechnische Systeme, Denial of Service Angriffe oder das Verbreiten von Schadsoftware. In den Verfahren kann es unter anderem um Verschlüsselung, Datenausspähung und Datenveränderung gehen. Zum Aufgabenfeld der IT-Beweissicherung gehören neben der Sicherung digitaler Spuren und der forensischen Untersuchung von IT-Systemen auch die Aufbereitung und Dekryptierung von gesicherten Daten, die Datenanalyse und die Multimediaforensik.

Quereinstieg möglich
Informatiker erlernen in verkürzter Zeit in zwölf Monaten die Polizeiarbeit und können nach erfolgreichem Abschluss in einem der 13 regionalen Polizeipräsidien oder beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg eingesetzt werden. Die regionalen Polizeipräsidien bearbeiten komplexe Fälle von Cybercrime.

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