Daimler investiert in Waiblingen Hightech neben der Pferdekoppel

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Die Daimler AG errichtet auf dem Ex-Ziegeleigelände Hess einen Dienstleistungspark für die Entwicklung neuer Antriebe mit 260 Arbeitsplätzen. Der Betrieb soll bereits 2020 beginnen

Die Gebäude der früheren Ziegelei bleiben auch in Zukunft erhalten. Foto: Frank Eppler
Die Gebäude der früheren Ziegelei bleiben auch in Zukunft erhalten. Foto: Frank Eppler

Waiblingen - Auf 42 000 Quadrametern soll in Zukunft auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Hess ein moderner Dienstleistungspark für Daimler betrieben werden. 260 Arbeitsplätze – sowohl neue als auch bestehende, von Zulieferern des Konzerns, aber auch von Mitarbeitern – sollen dort enstehen. In direkter Nachbarschaft werden weiterhin Pferde grasen, die in den Gebäuden der früheren Ziegelei untergebracht sind. „Uns war wichtig, dass die Nutzung des Geländes zum Standort passt“, sagte Isabel Hess für ihre Familie am Freitagnachmittag, als die Stadt Waiblingen zusammen mit Daimler das Projekt vorstellte. „Der Gemeinderat hat dieses am Donnerstag einstimmig bewilligt“, sagte der Oberbürgermeister Andreas Hesky.

Rund 60 Millionen Euro werden investiert

Seit vergangenem Sommer sei die Stadt bereits damit beschäftigt, Vorbereitungen für die Pläne zu treffen, berichtete die Baubürgermeisterin Birgit Priebe, die bei der Stadt für das Projekt verantwortlich ist. Dazu muss nun ein Bebauungsplan für das gesamte Areal erstellt werden – ein bürokratisches Unterfangen, das umfangreich und zeitintensiv ist. „In einem Jahr wollen wir uns hier bereits wieder zum Satzungsbeschluss treffen“, sagte der OB Hesky.

„Wir werden parallel zum Bebaungsplanverfahren die weiteren Planungen betreiben“, sagte Priebe. Ansonsten sei es für den Investor und Bauentwickler Greenfield Development nicht möglich, bereits in 2019 die ersten Gebäude an den Mieter Daimler zu übergeben. „Wir haben es mit großen Erdbauarbeiten zu tun, bevor der Hochbau beginnen kann“, sagte Christian Kühn, der Geschäftsführer des Düsseldorfer Bauunternehmens, das auf solche Gebäude spezialisiert ist und in der Region bereits mehrere Projekte verwirklicht hat. In der Esslinger Pliensauvorstadt hat Greenfield 2017 an der B 10 ein solches in nur einem halben Jahr errichtet. Kühn zeigte sichzuversichtlich, die Gebäude im Frühjahr oder Frühsommer 2020 komplett an Daimler übergeben zu können. Greenfield Development investiert rund 60 Millionen Euro in das Waiblinger Projekt.

Entwicklung neuer Antriebe in Waiblingen

„Wir haben ausdrücklich einen Standort im Großraum Stuttgart für den Dienstleistungspark gesucht“, sagte Thomas Weber, früherer Daimler-Vorstand für Entwicklung, der jetzt als Berater für den Konzern tätig ist. In Waiblingen soll in Zukunft die Entwicklung von Antrieben vorangetrieben werden – sowohl für Elektro-, Hybrid als auch für schadstoffarme Verbrennungsmotoren. Auf dem Ziegeleigelände sollen Teile von neuen Antriebssträngen vormontiert werden, die dann in Untertürkheim weiter getestet und erprobt werden.

„Von dem Standort hier ist man in nur sechs Minuten in Untertürkheim“, ergänzte Christoph Martin, der bei dem Konzern für die Prototypen verantwortlich ist. Er und Weber sprachen in Bezug auf die Forschungen von den „Kronjuwelen“ des Konzerns, denn die Umstellung auf neue Antriebsformen sei die Herausforderung im Automobilsektor in der nahen Zukunft.

Der Naturcharakter soll erhalten bleiben

Die Pläne für das Ziegelei-Areal waren dem Gemeinderat im Oktober erstmals in nichtöffentlicher Sitzung vorgelegt worden. Diskretion sei mit Rücksicht auf den Daimler-Konzern groß geschrieben worden, sagte Hesky. Mit Beginn des Bebauungsplanverfahrens wolle man nun die Öffentlichkeit offensiv mit einbeziehen.

Daimler wolle mindestens zehn Jahre als Mieter in Waiblingen bleiben, voraussichtlich länger. „Wir wollen mit Waiblingen die Zukunft gestalten“, sagte Thomas Weber. Wichtig sei den Beteiligten an dem Projekt die Betonung auf Park. „Der Naturcharakter des Geländes bleibt erhalten“, sagte der Stuttgarter Rechtsanwalt Wolfgang Link, der die Familie Hess berät. Diese habe sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht. „Das Gelände ist Teil unserer Familiengeschichte“, so Isabel Hess.

Auf dem Gelände hatte unsere Zeitung auch schon den Remshaldener Fotografen Peter Schuster bei einem actiongeladenen Fotoshooting begleitet: