Daimler-Sparprogramm Die Baustellen von Ola Källenius

Daimler-Chef Ola Källenius will Kosten auf breiter Front senken. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius steht vor großen Herausforderungen. Der rasche Ausbau der Elektromobilität wird teuer und juristische Altlasten könnten viel Geld kosten.

Stuttgart - Daimler-Chef Ola Källenius steht unter hohem Druck. Nicht nur die Elektromobilität, sondern auch Altlasten wie die Dieselkrise und Kartellverstöße bergen hohe finanzielle Risiken. Am Donnerstag stellt er seine Strategie bis 2030 und Details des Sparprogramms vor.

 

Warum bringt die Elektro-Offensive die Rendite unter Druck?

Mit der Premiere des batteriebetriebenen Geländewagens Mercedes-Benz EQC hat Daimler den Startschuss für eine große Elektro-Offensive gegeben. Als Entwicklungschef der Autosparte hat Källenius in den vergangenen Jahren eine Schlüsselrolle bei dieser Aufholjagd gespielt, von deren Erfolg auch die Zukunft des gesamten Konzerns abhängt. Die Kosten von E-Autos sind deutlich höher als die Kosten von Verbrennern. Auf der anderen Seite dürfen die E-Autos aber nicht viel teurer sein als die Wagen mit Verbrennungsmotor, weil sie sonst zum Ladenhüter werden.

Wo soll gespart werden?

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat bei seinem Abschied klargestellt, dass kein Bereich bei der Kostensenkung ausgenommen werden soll: „Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette.“ Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hatte bereits vor einiger Zeit moniert, dass der Konzern zu viele Modellvarianten anbietet. Die Zahl der Varianten, so Brecht, sei inzwischen auf 40 angestiegen, was zu viel Komplexität in Entwicklung und Produktion bedeute. Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass der Pick-up X-Klasse von Mercedes-Benz möglicherweise eingestellt wird, weil der Absatz die Erwartungen nicht erfüllt. Daimler-Chef Källenius hat in einem Interview mit dem Fachblatt „Auto, Motor und Sport“ gesagt, dass alle Modelle auf den Prüfstand kommen und untersucht werde, ob sie wirklich notwendig sind und genügend Geld verdienen. „Materialkosten sind immer der größte Kostenblock, aber auch an die Personalkosten müssen wir ran“, so Källenius. Die Vielzahl der Motorvarianten soll ebenfalls überprüft werden. Wie der Betriebsrat bekannt gemacht hat, sollen zudem im Management die Stellen von 1100 Führungskräften gestrichen werden. Zudem sollen die Tarifbeschäftigten im nächsten Jahr auf eine Lohnerhöhung verzichten, was heftigen Protest ausgelöst hat.

Wie wirken sich die Klimaziele aus?

Daimler muss den Absatz von Stromern auch ankurbeln, um die immer schärferen Klimaziele der EU zu erreichen. In den vergangenen Jahren ist der CO2-Ausstoß der europäischen Flotte von Mercedes-Benz gestiegen, weil bullige Geländewagen, die vergleichsweise viel Kraftstoff schlucken, immer stärker gefragt sind. Von derzeit 134 Gramm pro Kilometer bei Pkw und Transportern muss der Wert auf 105 Gramm im Jahr 2021 sinken. Werden die Grenzwerte überschritten, drohen dem Autobauer Geldstrafen in Milliardenhöhe. Daimler-Chef Källenius hat bereits angekündigt, dass im Jahr 2030 die Hälfte der Neuwagen rein elektrisch oder als Plug-in-Hybrid fahren sollen, neun Jahre später soll die Flotte klimaneutral sein.

Welche Folgen hat die Dieselkrise?

Als im September 2015 der Abgasskandal von VW aufgedeckt wurde, sagte der damalige Daimler-Chef Zetsche in einem Interview: „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorschriften und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“. Im Sommer des vorigen Jahres indes warf das Bundesverkehrsministerium Daimler vor, unzulässige Abschalteinrichtungen in das Abgasreinigungssystem eingebaut zu haben. Daimler stimmte zwar dem geforderten Massenrückruf zu, legte aber zugleich Widerspruch gegen die Entscheidung des Ministeriums ein. Noch ist offen, wie der Rechtsstreit ausgeht. Weitere Rückrufe kamen später hinzu. Nach der jüngsten Rückrufwelle warf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Daimler im vorigen Monat eine Salamitaktik vor. Der neue Daimler-Chef Källenius habe ihm vor Monaten versichert, dass er bei unzulässigen Abgastechniken reinen Tisch machen wolle. „Leider ist das Gegenteil der Fall“, sagte Scheuer. Neben der Auseinandersetzung mit dem Verkehrsministerium gibt es noch weitere brisante juristische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Abgasreinigung von Dieselmotoren, unter anderem mit dem US-Justizministerium. Finanzvorstand Harald Wilhelm hat im vorigen Monat darauf hingewiesen, dass sich die bisher in der Dieselaffäre gebildeten Rückstellungen „teilweise als unzureichend“ erweisen könnten.

In welche Kartellverfahren ist Daimler verwickelt?

Daimler sieht sich mit zahlreichen Schadenersatzklagen konfrontiert, weil die Stuttgarter gemeinsam mit anderen Lastwagenherstellern ein Kartell gebildet hatten. Von 1997 bis 2011 hat Daimler nach Feststellung der EU-Kommission mit anderen Lkw-Herstellern unzulässigerweise Informationen ausgetauscht. Es ging um Preise und die Einführung klimaschonender Technik. Die Wettbewerbshüter verhängten Geldbußen in Gesamthöhe von fast vier Milliarden Euro. Nun werfen die Kunden den Lkw-Bauern vor, dass sie wegen der verbotenen Absprachen zu viel Geld für ihre Fahrzeuge gezahlt haben und verlangen Schadenersatz. Bisher gibt es jedoch kein Urteil. Offen ist auch, wie ein Ermittlungsverfahren der EU-Kommission wegen möglicher Absprachen bei der Pkw-Entwicklung.

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