Daniel Reimling aus Filderstadt Dieser singende Postbote fängt Hornissen

Daniel Reimling  auf einer Streuobstwiese in Bonlanden, im Hintergrund hängt ein bewohnter Hornissenkasten. Foto: Caroline Holowiecki
Daniel Reimling auf einer Streuobstwiese in Bonlanden, im Hintergrund hängt ein bewohnter Hornissenkasten. Foto: Caroline Holowiecki

Der Briefzusteller Daniel Reimling aus Filderstadt-Sielmingen steht in seiner Freizeit gern auf der Theaterbühne und vor Fernsehkameras. Oder aber er siedelt Insektenvölker um. Skurril findet er diese Mischung nicht.

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Sielmingen - Immer wieder zischen dicke Brummer an Daniel Reimling vorbei. Mal saust eine Hornisse über seinen Kopf hinweg, mal schwirrt eine interessiert um sein Gesicht, mal tanzt eine neben seinem Fuß übers halbhohe Gras. Daniel Reimling verzieht keine Miene. Er kennt Hornissen. In einiger Entfernung hängen zwei Holzkisten an einem knorrigen Apfelbaum. Dort wohnen die Insekten, und das weiß er so genau, weil er sie dorthin umgesiedelt hatte. Das eine der beiden Völker hat bis vor Kurzem unterm Dach eines Echterdinger Hauses gelebt. Dort war der Schwarm aber den Hausbewohnern allzu nah gekommen. Also war Daniel Reimling als Umzugshelfer tätig geworden.

Der 40-Jährige ist seit 2018 ehrenamtlicher Wespen- und Hornissenfachberater für den Landkreis Esslingen. Er wird gerufen, wenn sich die gestreiften Flieger in Rollladenkästen oder auf Dachböden eingenistet haben. „Es gibt viele, die nicht stören, aber die Leute haben Fragen“. Wenn Konflikte aber unvermeidbar sind, siedelt er die Völker um.

Die einzelnen Tierchen werden per Schlauch eingesaugt

In diesem Jahr hat der Sielminger extra viel zu tun. Es gibt deutlich mehr Wespen. Der milde Winter habe dazu beigetragen. Seit August wird er auch vermehrt zu Hornissen gerufen. Um die an einen anderen Ort zu bringen, werden die einzelnen Tierchen erst am Nesteingang per Schlauch eingesaugt und nach und nach in einer Kiste gefangen. Sind alle drin, kann der Artenschutzberater auch das Nest einpacken und an eine Stelle bringen, wo die Insekten ungestört sind. In dem Fall auf eine Streuobstwiese nahe der Filderklinik.

Ein gutes Dutzend Nester hat Daniel Reimling in diesem Sommer bereits umquartiert. Dabei sagt der Hobbyimker: „Wespen waren jahrelang mein Feindbild.“ Als Kind habe er nach einem Stich Angst entwickelt. „Wenn eine Wespe kam, war ich weg“, sagt er und lacht. Als er sich aber aus Naturschutzgründen den Bienen widmete, setzte er sich auch intensiver mit Wespen auseinander und wollte sie endlich verstehen. Bei der Umweltakademie belegte er schließlich ein Seminar und arbeitet seither im Auftrag des Landratsamtes Esslingen als Berater. Vor Attacken schützt ihn sein Wissen trotzdem nicht immer. „Dieses Jahr bin ich sehr häufig gestochen worden“, bekennt er.

Auch vor Fernsehkameras fühlt er sich wohl

Das klingt nach einem aufwändigen Ehrenamt. Vielen würde das reichen. Daniel Reimling jedoch hat eine ganze Latte an Hobbys – neben seinem Job als Postbote in Filderstadt. Als Tenor singt er im Deutsch-Amerikanischen Chor, seit gut 20 Jahren tritt er als Laienschauspieler bei der Filderbühne in Plattenhardt auf. „Ich war auf der Waldorfschule, und da ist es Tradition, dass man Klassenspiele aufführt. Das hat mich sehr, sehr fasziniert“, erzählt er. Wiederentdeckt hat er die Bühnenkunst schließlich als Post-Azubi. „Ich habe sehr schnell gemerkt, ich brauche irgendwas“, also habe er sich beim Theaterverein gemeldet. Doch nicht nur auf der Bühne fühlt sich Daniel Reimling pudelwohl. Auch vor Fernsehkameras. Unzählige Komparsenauftritte in Werbeclips, Filmen und Serien listet er auf seiner Homepage auf. Mehrfach war er bei „Soko Stuttgart“ zu sehen – als Schleusenwärter, als Zirkusgast, als Fotograf und besonders häufig als Postbote. Zufall, sagt er und lacht. „Die von der Produktion wollten mir da anfangs das Fahrrad erklären.“

Ein sangesstarker, schauspielernder Postbote, der in seiner Freizeit imkert und Wespen rettet. Skurril findet Daniel Reimling diesen Mix nicht. „Es sind meine Hobbys“, sagt er achselzuckend. Irgendwie habe sich alles so ergeben, aber „irgendwann habe ich gemerkt, dass es doch viel ist“, sagt der Junggeselle. Was ihn aber nicht davon abhält, Alternativen auszuprobieren. Neuerdings streamt der Tausendsassa über die Plattform Twitch als Insektenexperte live. Oder wahlweise als Gamer. Fast hätte er das vergessen. Videospiele zählen nämlich auch noch zu seinen Hobbys.




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