David Braig von den Stuttgarter Kickers „Vor 8000 Zuschauern gegen Ulm – das wär’s“

David Braig zieht an Freibergs Marco Kehl-Gomez vorbei – der Kickers-Offensivmann hat sich seit der Winterpause einen Stammplatz erkämpft. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Auf für ihn ungewohnter Position setzt David Braig nach der Winterpause Impulse im Offensivspiel der Stuttgarter Kickers. Der 30-Jährige spricht über sein Auf und Ab bei den Blauen und seinen Traum, in dieser Saison noch ein Finale gegen seinen Ex-Verein zu spielen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Drei Tore vorbereitet, zwei Treffer selbst erzielt – bei David Braig läuft es im Fußballjahr 2022 richtig gut. Vor dem Heimspiel gegen den FC 08 Villingen (Samstag, 14 Uhr/Gazi-Stadion) spricht der Offensivmann des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers über seinen auslaufenden Vertrag, ein Erlebnis auf dem Zaun des B-Blocks und den Trainer.

 

Herr Braig, sind Sie gut in die Woche gestartet?

Ja, erstmals seit der Rückrunde hatten wir mal zwei freie Tage am Stück. Das tat mir besonders gut, da ich neben dem Fußball auch noch 20 Stunden pro Woche eine Ingenieursstelle habe und bei Minol im Controlling arbeite. Der Trainer hat uns für unseren überzeugenden Auftritt beim 3:0-Sieg beim FV Ravensburg belohnt. Das kommt nicht so oft vor, weil er sehr, sehr viel von uns verlangt.

Mustafa Ünal gilt als streng und konsequent. Ist er ein keiner Felix Magath?

Also wir mussten noch keine Berge hochrennen, und Medizinbälle haben wir auch noch nicht aus der Kabine in den ADM-Sportpark rausgeholt (lacht). Nein, Mustafa Ünal ist zwar in der Tat streng und konsequent, aber auf moderne Art und Weise. Wir wissen, wie weit wir bei ihm gehen können, denn er bringt ein gutes Gefühl mit, wann er dazwischen haut. Aber genauso belohnt er uns eben auch, zudem behandelt er jeden Spieler gleich.

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Hatten Sie nach dem unglücklichen 1:2 im Spitzenspiel gegen den SGV Freiberg befürchtet, dass dies Nachwirkungen haben könnte?

Nein, weil direkt nach dem Spiel in der Kabine keiner mit dem Finger auf den anderen gezeigt hat, sondern wir sofort konstruktiv nach vorne geblickt haben. Es hat sich ein einzigartiger Teamgeist entwickelt, wir sind zu einer Familie geworden. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass wir am Ende vor Freiberg stehen werden.

Der Teamgeist allein wird es nicht richten.

Wir bringen inzwischen so viel Mut, Selbstvertrauen und Power mit. Wir entfalten eine dermaßene Wucht, so dass ich sehr gute Chancen sehe, dass wir jedes Spiel gewinnen.

„Auch Freiberg hat Mentalität“

Selbst wenn dieses ambitionierte Ziel erreicht wird, klappt es nur, wenn der SGV Freiberg auch patzt.

Das stimmt, und sie haben wie wir auch viele erfahrene Spieler in der Mannschaft. Viele sagen, das sei ein zusammengekaufter Haufen. Aber auch die Freiberger haben eine Teammentalität entwickelt, für die vor allem auch die Routiniers wie Marco Grüttner und Marcel Sökler stehen. Aber vielleicht unterschätzen sie noch den einen oder anderen Gegner. Beim 1:1 vor zehn Tagen in Dorfmerkingen zeigte sich, dass auch der SGV Punkte liegen lassen kann. Und es stehen ja immerhin noch 13 Spieltage auf dem Programm.

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Vor der Winterpause standen Sie zum Teil nicht einmal im Kader, nun haben Sie alle fünf Punktspiele 2022 von Anfang an bestritten, dabei zwei Tore erzielt und drei Treffer vorbereitet. Was ist passiert?

Wir hatten im Trainingslager ein gutes, offenes Gespräch. Ich habe Gas gegeben, in der Vorbereitung bis zum Umfallen gekämpft und alles reingehauen – dies wurde belohnt.

Sie kommen nun auf einer ungewohnter Position zum Einsatz.

Ja, ich kam eigentlich immer im Sturmzentrum zum Einsatz oder auch mal auf der Zehner-Position. Jetzt spiele ich Rechtsaußen, was früher tatsächlich nicht vorgekommen ist. Aber mir macht es Spaß, ich habe mehr Räume, kann meine Laufstärke ausspielen und stehe nicht ganz so im Fokus.

Noch keine Vertragsgespräche

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Verein ist bisher noch nicht auf mich zugekommen. In den letzten fünf Spielen habe ich gezeigt, was ich für die Kickers bewegen kann. Auch als es bei mir nicht so gut lief und ich nur die Bank drückte, habe ich meinen Teil zum Mannschaftserfolg beigetragen. Der Club müsste also alle Facetten von mir kennen.

Sie waren in der Saison 2015/16 mit 26 Toren für den SSV Ulm 1846 Oberliga-Torschützenkönig? Warum konnten Sie daran bei den Kickers lange Zeit nicht anknüpfen?

Das ist eine schwere Frage. In der Vorbereitung auf die laufende Saison hatte ich die meisten Tore gemacht. Dann musste ich im ersten Spiel gegen Astoria Walldorf II bei einem 0:1-Rückstand in der Halbzeit raus – als Stürmer. Im nächsten Spiel war ich nicht einmal im Kader. Das war schon etwas komisch. Aber ich habe mich nie hängen lassen, einfach im Training noch eine Schippe draufgelegt, das zahlt sich jetzt aus.

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Sie waren 14 Jahre beim SSV Ulm 1846, nun scheinen Sie endgültig bei den Kickers angekommen.

Ja, nach dem 2:0 gegen die TSG Backnang war ich auf dem Zaun vor dem B-Block und feierte mit den Fans. Einer hat mir zugerufen „Sch…Ulmer“. Aber er hat dabei geschmunzelt. Ich mag diese Fan-Kultur, die Ultra-Szene – für diese Stimmung spielt man Fußball.

Es könnte in dieser Saison noch zu einem Duell mit den Spatzen kommen.

Das wäre große Klasse. WFV-Pokal-Finale Kickers gegen Ulm im Gazi-Stadion, das wär’s. Ich glaube, da würden 8000 Zuschauer kommen. Aber bis dahin müssen wir erst noch zwei Pokalspiele gewinnen.

Ehingen wäre ein Heimspiel

Beim Landesligisten VfL Nagold am 30. März und danach beim Verbandsligisten SSV Ehingen-Süd.

Ja, auch das wäre ein besonderes Spiel für mich. Von meinem Elternhaus in Dintenhofen bin ich mit dem Fahrrad in zehn Minuten auf dem Sportgelände des SSV Ehingen-Süd. Mein kleiner Cousin spielt in diesem Verein. Mein Onkel ist in Ehingen Torwart-Trainer. Dieses WFV-Pokal-Halbfinale hätte was – aber noch ist es nicht so weit.

Über den WFV-Pokal-Sieg ginge es in den DFB-Pokal-Wettbewerb. Daran haben Sie schöne Erinnerungen.

Das kann man wohl sagen. Ich habe 2018 mit dem SSV 1846 den damaligen Pokal-Titelverteidiger Eintracht Frankfurt ausgeschaltet. In der zweiten Runde gegen Fortuna Düsseldorf durfte ich sogar von Beginn an stürmen. Zweimal dabei in einem ausverkauften Donaustadion aufzulaufen, davon habe ich als kleiner Bub geträumt.

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Wie schätzen Sie das kommende Heimspiel gegen den FC 08 Villingen ein?

Das Hinspiel am 29. September 2021 war die erste Partie unter Chefcoach Mustafa Ünal. Da haben wir richtig stark gespielt und mit 2:0 gewonnen. Gegen Villingen ist es nie angenehm zu spielen, in dieser Saison sind sie so etwas wie die Wundertüte der Liga. Aber wir sind die Kickers – und wollen mit aller Macht den nächsten Sieg einfahren.

Restprogramm von Kickers und Freiberg

19. März 14 Uhr: Kickers – FC 08 Villingen, 14 Uhr: SGV Freiberg – TSG Backnang.

26. März 15.30 Uhr: SV Linx – Kickers, 14 Uhr: FV Ravensburg – SGV

2. April 14 Uhr: Kickers – 1 . FC Rielasingen-Arlen, 14 Uhr: SGV – FC 08 Villingen.

9. April 14 Uhr: Sport-Union Neckarsulm – Kickers, 15.30 Uhr: SV Linx – SGV.

14. April 19 Uhr: Kickers – 1. CfR Pforzheim, 18 Uhr: SGV – 1. FC Rielasingen-Arlen.

18. April 15.30 Uhr: Freiburger FC – Kickers, 15.30 Uhr: SU Neckarsulm – SGV.

23. April 14 Uhr: Kickers – TSV Ilshofen, 14 Uhr: SGV – 1. CfR Pforzheim.

27. April 18.30 Uhr: 1. FC Bruchsal – Kickers, 18.30 Uhr: Freiburger FC – SGV.

30. April 14 Uhr: Kickers – FSV 08 Bietigheim-Bissingen, 14 Uhr: SGV – TSV Ilshofen.

7. Mai 14 Uhr: 1. Göppinger SV – Kickers, 15.30 Uhr: 1. FC Bruchsal – SGV.

14. Mai 14 Uhr: Kickers – FV Lörrach-Brombach, 14 Uhr: SGV – FSV 08 Bissingen.

21. Mai 15.30 Uhr: FC Nöttingen – Kickers, 14 Uhr: 1. Göppinger SV – SGV.

28. Mai 15.30 Uhr: Kickers- SV Oberachern, 15.30 Uhr: SGV – FV Lörrach-Brombach.

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