Demenz-Kongress Die Geißel des 21. Jahrhunderts

Der britische Premier Cameron fordert mehr Geld im Kampf gegen die Demenz. Foto: AFP
Der britische Premier Cameron fordert mehr Geld im Kampf gegen die Demenz. Foto: AFP

Demenz ist mit 35 Millionen Betroffenen eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Doch die Industrienationen haben bisher weder wirksame Medikamente noch einen menschlichen Umgang mit den Patienten gefunden. Das soll sich ändern.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)
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London - Mit dramatischen Appellen haben am Mittwoch Regierungsvertreter führender Industrieländer zum Kampf gegen wachsende Demenz in aller Welt aufgerufen. Die „Pest des 21.Jahrhunderts“, prophezeiten Gesundheitsexperten in London, koste die Welt schon jetzt über 600 Milliarden Dollar – und bis zum Jahr 2050 werde sich die Zahl der Demenz-Kranken auf 135 Millionen verdreifachen. Auf einem von der britischen Regierung einberufenen G8-Gipfel wurde Demenz von vielen Teilnehmern als ebenso große Herausforderung für die Menschheit eingestuft wie Krebs. Ihre Bekämpfung, war man sich bei dem Treffen einig, erfordere einen ähnlichen wissenschaftlichen und finanziellen Kraftakt.

Neue Formen der Fürsorge

Mediziner sprachen die Hoffnung aus, binnen fünf Jahren erstmals über ein wirksames Mittel zum Abbremsen von Demenzkrankheiten zumindest in einem frühen Stadium zu verfügen. Sie forderten neue Formen der Fürsorge für Demenzpatienten, rieten ihren Mitbürgern aber auch eindringlich zu einer rundum gesünderen Lebensführung, um das Einsetzen der Krankheit zu vermeiden oder wenigstens aufzuschieben.

Der Gipfel war der erste seiner Art. Großbritannien hat zur Zeit die G8-Präsidentschaft inne. David Cameron, dem britischen Regierungschef, ist der Kampf gegen Demenz ein persönliches Anliegen. Es sei höchste Zeit, erklärte Cameron gestern, den Umfang dieser Krise zu erkennen. „Wenn wir die Demenz besiegen wollen, müssen wir im globalen Rahmen reagieren und mit Nationen, Geschäftsleuten und Wissenschaftlern aus aller Welt zusammen arbeiten, wie wir es in Sachen Krebs und HIV getan haben“, sagte Cameron. Das Thema Demenz müsse sehr viel höher auf der Tagesordnung aller Länder stehen

Geld ist lebensnotwendig

Befürchtet wird, dass ärmere Nationen von der kommenden Herausforderung völlig überfordert werden. Über 60 Prozent der Demenz-Kranken der Welt sollen in Ländern mit geringer Wirtschaftskraft leben. In diesem Punkt, räumte Cameron ein, sei Geld tatsächlich lebensnotwendig. Was finanziellen Beistand und internationale Hilfe angehe, müssten „alle wohlhabenden Länder sich an ihre Versprechen halten“.

Die Entwicklung neuer Behandlungsformen für Alzheimer und andere Demenz-Krankheiten sei „zu groß für einzelne Organisationen, Staaten oder Firmen“, meinte der Generaldirektor der „Initiative für Innovative Arzneien“, Michel Goldman, in London. Die Initiative ist eine Partnerschaft zwischen Arzneimittel-Konzernen und der EU, der 44 Millionen Pfund zur Erforschung möglicher Arzneien gegen Demenz zur Verfügung stehen.

Auf der Konferenz wurden indes auch neue Ergebnisse eines seit vielen Jahren laufenden Forschungsprogramms der Universität Cardiff vorgelegt. Diese gehen davon aus, dass Demenz oft mit ungesunder Lebensführung – mangelnder Bewegung, Rauchen, schlechtem Essen, Übergewicht – zusammen hängt. Den Cardiff-Forschern zufolge haben Menschen mit einem gesunden Lebensstil eine um 60 Prozent höhere Chance, Demenz zu vermeiden.




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