Demo der Black Community Foundation in Stuttgart Kritik an Symbolpolitik, Kampf für mehr Respekt

Erinnerung  an den getöteten US-Amerikaner George Floyd: die zweite Demo der Black Community Foundation in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone 11 Bilder
Erinnerung an den getöteten US-Amerikaner George Floyd: die zweite Demo der Black Community Foundation in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Zur ersten Demonstration der Black Community Foundation Stuttgart im vergangenen Jahr kamen etwa 10 000 Teilnehmer unter dem Motto „Black Live Matters“. An diesem Sonntag waren es nur noch einige hundert.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Es war eine kleine Gruppe von acht Personen, die im Juni vor einem Jahr die Stuttgarter Sektion von Black Community Foundation gegründet hat. Ihre erste Aktion, eine Demo, war gleich ein großer Erfolg: Rund 10 000 Menschen kamen in die Innenstadt, um gemeinsam unter dem Motto „Black Live Matters“ durch die Straßen zu ziehen. Die Tötung des Afroamerikaners Georg Floyd in Amerika bei einem Polizeieinsatz war da noch ganz aktuell, erschütterte Millionen von Menschen.

Ein langwieriger Prozess

Ein Jahr später ist davon nur noch wenig zu spüren. Gerade mal an die 300 Leute versammelten sich am Sonntagmittag am Eckensee zur zweiten Demo der Black Community Foundation. Das regnerische Wetter mag manches erklären. Aber es täuscht nicht darüber hinweg, dass „Black Live Matters“ von der Tagesaktualität verschwunden ist. Die Enttäuschung darüber kann die Organisatorin Jelisa Delfeld nicht verbergen. Aber sie gibt auch zu erkennen, dass damit zu rechnen war: „Wir wissen, dass dies ein langwieriger Prozess ist“, ruft sie entschieden ins Publikum, „aber wir wollen respektiert, geschätzt und wahrgenommen werden.“ Deshalb lautet das Motto nun „Matter is the Minimum“ als Fortschreibung von „Black Live Matters“, also sehr frei übersetzt: Schwarzes Leben zählt, und das ist das Minimum.

Redner: Wir wollen selbst etwas bewegen

Der Protestzug zum Rotebühl- und zum Karlsplatz zeigt, dass sich da nach wie vor Menschen verschiedener Couleur und Herkunft angesprochen fühlen. Faisal Osman findet als Redner dafür kräftige Worte: „Wir müssen selbst etwas bewegen, wir können nicht auf die Politik warten. Aber tatsächlich wird da doch nur mit großen Worten Symbolpolitik betrieben, zuletzt bei den Verhandlungen mit Namibia über die Entschädigung für den Völkermord an den Herero und Nama während der deutschen Kolonialzeit.“ Auch hierzulande gebe es viel zu tun: „Die Polizei selbst soll ihre Strukturen durchleuchten.“ Das sei besser, als wenn Politiker Studien über Alltagsrassismus ankündigen.




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