Demo in Sindelfingen AfD ruft zum Protest gegen Corona-Regeln auf

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Rund 30 Bürger demonstrieren am Samstag in Sindelfingen gegen die Corona-Maßnahmen. Etwa genauso viele Ordner und Polizisten waren vor Ort.

Im Halbkreis stehen Ordner um die Demonstranten. Foto: factum/Andreas Weise 7 Bilder
Im Halbkreis stehen Ordner um die Demonstranten. Foto: factum/Andreas Weise

Sindelfingen - Zur Demonstration gegen die Corona-Quarantäne-Maßnahmen hat die Alternative für Deutschland gerufen. Die Veranstaltung am Samstag war vor dem Glaspalast in Sindelfingen mit fünf Rednern und etwa 30 Zuschauern von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Bis auf einen kleinen Zwischenfall blieb sie friedlich.

„Ich will mich mit Ihnen intellektuell auseinandersetzen“, sagt der hochgewachsene Mann zur Gruppe der AfD-Ordner, die mit ihm diskutieren. Es wird lauter, die Polizei stellt sich mit vier, fünf Einsatzkräften im Halbkreis um den Mann. Inzwischen haben die Redner der AfD das Pult auf dem Parkplatz des Sindelfinger Glaspalasts erreicht. Die Ansprachen vor der Sport- und Veranstaltungshalle der Stadt beginnen. Die Ordner positionieren sich rings um die meist älteren Demonstranten. Manche von ihnen zeigen Plakate, einer trägt eine Deutschlandfahne und die Flagge Baden-Württembergs. Zwei Frauen halten Schilder mit christlichen Botschaften hoch. Ein Raster aus gelben Punkten zeigt den Sicherheitsabstand zwischen den Menschen an.

Ein kleiner kahlköpfiger Mann wandert filmend mit dem Handy zwischen den Demonstranten, „das ist für den Live-Stream des Abgeordneten“, erklärt er.

Es kommt zum Eklat

Gerade spricht Rebecca Weißbrodt vom baden-württembergischen Landesvorstand der AfD. Der hochgewachsene Mann legt jetzt eine Musikbox auf den Boden und lässt laut türkische Musik laufen. Als die Polizei anordnet, die Musik auszumachen, kommt es zum Eklat. Fünf, sechs Polizisten umringen ihn, schieben ihn erst weg und halten ihn dann fest. „Fassen Sie mich nicht an“, ruft der Mann immer wieder. „Das ist eine polizeiliche Anordnung!“, hört man aus der Menge der Polizisten. Die Besucher wenden sich dem Geschehen zu, ein Polizist mahnt die Ordner, sie sollen darauf achten, dass die Demonstranten auf ihren Plätzen blieben.

Indessen spricht der AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Bernhard. Die AfD glaubt, Deutschland sei in einer Situation, die vergleichbar sei zur Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre. In dieser Zeit seien die Grundrechte der Bürger der Weimarer Republik beschnitten worden, und das habe zum Faschismus geführt. Diese Gefahr sieht die Partei durch die Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auch heraufziehen. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Bernhard bezichtigte die Bundesregierung der Lüge und Untätigkeit, er wandte sich gegen Dieselfahrverbote und sieht an der Staatsgrenze eine Bevorzugung von Asylbewerbern gegenüber normalen Einreisenden. „Dummschwätzer, Dummschwätzer“, rufen mehrere Zuschauerinnen, die „Pro Asyl“-Schilder tragen.

Vorwürfe gegen die Medien

„Die Medien sind alle gleichgeschaltet“, behauptet Jochen Lobstedt, der Landesvorsitzende der jungen Alternativen auf dem Rednerpult. Später im Gespräch bekräftigt er den Vorwurf noch einmal. Und wenn die Medien einfach deswegen ähnlich berichten, weil es die Wahrheit ist? Lobstedt bleibt bei seiner Meinung: „Ich habe den Eindruck, sie sind gleichgeschaltet“.

Die vielleicht 30 Zuschauer, etwa zehn Ordnern und rund 25 Polizisten verlieren sich auf der großen Asphaltfläche vor dem Glaspalast. Nach etwa einer Stunde sind die Redner durch und werden von Menschen umringt. Mehrmals ermahnt sie ein Ordner, Abstand zu halten. Drei Frauen sind bei Marc Bernhard, sie sind gegen Abtreibung, Genderpolitik und frühe Sexualaufklärung von Kindern. Warum macht die AfD diesen großen Aufwand für ein so kleines Publikum? „Wir wollen mit den Leuten vor Ort ins Gespräch kommen“, ist die Antwort von Jochen Lobstedt.

Eine Fundamental-Christin sitzt etwas weiter weg im Gras. „Der Virus ist ein Weckruf Gottes. Wir dürfen nicht mehr munter in Sünde leben“, sagt sie. Der hochgewachsene Mann kommt her und berichtet, er sei wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und wegen Körperverletzung von der Polizei angezeigt worden. Dann geht er über den inzwischen leeren Parkplatz. „Bis nächste Woche!“, ruft er zu einem Ordner, der mit hochrotem Kopf in der prallen Sonne steht. „Sonnencreme mitnehmen!“, ruft er hinterdrein. Der Ordner antwortet: „Intelligenz mitnehmen!“ Doch das hat der hochgewachsene Mann nicht richtig verstanden. „Haben Sie gesagt, ich soll auch Sonnencreme mitnehmen? Spielen Sie etwa auf meine dunkle Hautfarbe an?“ Dann geht auch er.