Erst kürzlich hat die Leitung der Universität Stuttgart bekannt gegeben, dass die Hochschule nach Weihnachten aus Energiespargründen vier Schließwochen plant. Die Studierendenvertretung hat dieses Vorhaben zwar im Grundsatz mitgetragen, aber nur zähneknirschend, wie sich jetzt zeigt. Maßnahmen wie diese will man künftig nicht mehr hinnehmen. Insbesondere den aus ihrer Sicht unhaltbaren Bauzustand der Universitätsbibliothek und die damit verbundenen Einschränkungen nimmt die Studierendenvertretung nun zum Anlass für eine Demonstration an diesem Donnerstag, 26. Oktober, im Stadtgarten (Unipark) und vor zwei Landesministerien.
Die Unibibliothek ist in einem maroden Zustand
Die Universitätsbibliothek Stadtmitte sei seit Ende August nur noch zur Ausleihe auf Vorbestellung nutzbar, eine spontane Bücherrecherche oder die Arbeit in der Bibliothek nahe an den nötigen Büchern sei nicht mehr möglich, kritisiert Anna Dannecker, die Vorstandsvorsitzende der Studierendenvertretung (Stuvus). Der Grund: Die Elektrik des aus den 1960er Jahren stammenden Baus sei derart veraltet und marode, dass nach einem Schwelbrand der Strom abgestellt werden musste und nur Teile des Gebäudes notdürftig nachgerüstet werden können. Der Lesesaal werde bis zur Generalsanierung geschlossen bleiben. Lediglich 250 Plätze in der Bibliothek würden jetzt von der Uni wieder zugänglich gemacht, so Dannecker. Doch die Generalsanierung sei nach den Angaben des Landesfinanzministeriums frühestens im Jahr 2028 möglich.
Dies sei kein für die Studierenden zumutbarer Zustand. Darunter litten vor allem die Studierenden der Geisteswissenschaften. Für diese sei der Literaturbestand in der Uni-Bibliothek ohnehin „nicht ausreichend“, erklärte die Stuvus-Vorstandsvorsitzende auf Anfrage. Diese wären auch besonders betroffen gewesen von den drastischen Sparplänen im Literaturbestand der Uni-Bibliothek, die anfangs wegen der Energiekrise vorgesehen gewesen seien. Diese hätten aber wenigstens zum Teil abgewendet werden können. Die nun vorgesehenen Kürzungen seien „vertretbar“.
Für die Studierenden ist die schwierige Lage der Universitätsbibliothek aber nur das offenkundigste Beispiel für einen eklatanten „Sanierungsstau an den Universitätsgebäuden“. Dieser müsse endlich behoben werden, fordern die Studierenden. Insbesondere die Sanierung der Universitätsbibliothek Stadtmitte müsse „bald beginnen“. Die Universitätsbibliothek brauche mehr Geld, „um Literatur langfristig finanzieren zu können“. Sparmaßnahmen dürfen Studierende nicht weiter einschränken und belasten.
Dazu zählt die Studierendenvertretung auch die geplanten Schließwochen, die dazu führen, dass vor allem in großen Hörsälen der Vorlesungsbetrieb in der zweiten und dritten Januarwoche wieder auf Online-Vorlesungen umgestellt wird. Diese Einschränkung für den Lehrbetrieb führe dazu, „dass die Studierenden wiederum mehr ihre eigenen Räume heizen, wodurch die Energiekosten auf sie verlagert werden“. Man sei in diese Pläne zwar in Form eines Arbeitskreises einbezogen gewesen, betont Anna Dannecker, „es stand aber schon vorher fest, dass es Schließungen geben wird“. In dem Kreis habe man sich dann auch dafür eingesetzt, dass es nicht wieder zu Einschränkungen wie zur Corona-Zeit komme und etwa die Labore weiter betrieben würden und auch für die Bibliothek eine Zugänglichkeit erhalten werde.
Erst vor wenigen Tagen hatte die Landeswissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) erklärt, dass die „teils erheblichen Mehrkosten der Universitäten durch gestiegene Energiekosten im Jahr 2023 vom Land zu 80 Prozent übernommen werden“. Allerdings betonte die Ministerin auch: „Ungeachtet davon bleibt es das Ziel, dass die Universitäten konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung im Umfang von 20 Prozent auf den Weg bringen - auch der Wissenschaftsbereich wird seinen Beitrag dazu leisten, damit die Landesverwaltung klimaneutral wird.“
Die Studierendenvertretung wehrt sich gegen diese Vorgabe. Diese sei „nicht realistisch erreichbar und führt somit notgedrungen zu drastischen Maßnahmen“.
Protest auch vor zwei Ministerien
Die Demonstration für eine bessere Finanzierung der Universitätsbibliothek und gegen Sparmaßnahmen zu Lasten der Studierenden beginnt an diesem Donnerstag, 26. Oktober, um 13.30 Uhr mit einer Kundgebung im Stadtgarten (Unipark) vor der Universitätsbibliothek. Um 13.45 Uhr bewegt sich der Demonstrationszug zum Landesministerium für Wissenschaft und Kunst und zum Finanzministerium.